Diakoniepastor: Hospizarbeit ist Alternative zur Sterbehilfe

Nachricht 22. Mai 2017

Rainer_Mueller-Brandes
Pastor Rainer Müller-Brandes. Foto: Diakonisches Werk Hannover

Hannover. Der hannoversche Diakonie-Pastor Rainer Müller-Brandes hat sich gegen aktive Sterbehilfe gewandt. "Wir sind nicht Schöpfer, wir sind nicht Herren über Leben und Tod", sagte er am Sonntag in der evangelischen Marktkirche in Hannover bei einem Gottesdienst zum 25-jährigen Bestehen des Ambulanten Palliativ- und Hospizdienstes der hannoverschen Diakoniestationen. Ganz wichtig sei es deshalb, todkranken Menschen Alternativen zur Sterbehilfe anzubieten. Genau das täten die derzeit rund 120 ehrenamtlichen Mitarbeitenden des ambulanten Hospizdienstes. Sie leisteten "Hilfe beim Sterben, nicht zum Sterben".

Müller-Brandes rief die Menschen dazu auf, unheilbar kranke und sterbende Menschen zu besuchen und ihnen zur Seite zu stehen. "Gott hat keine Beine - nur unsere", sagte er laut Redemanuskript. "Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun." Die meisten Menschen wünschten sich, zu Hause sterben zu können - auch deshalb sei die Arbeit der Begleiter so wichtig. Allerdings sterbe derzeit nur jeder Fünfte zu Hause. "Wenn die medizinischen Möglichkeiten immer besser werden und die personellen Möglichkeiten immer schwieriger, dann passt etwas nicht zusammen", kritisierte Müller-Brandes.

Der Pastor wandte sich zugleich gegen Entwicklungen in den Niederlanden und der Schweiz, wo die rechtlichen Bestimmungen für aktive Sterbehilfe gelockert worden waren. Wenn sich der Mensch zum Herrn über Leben und Tod aufschwinge, "begeben wir uns auf eine schiefe Rutschbahn, bei der wir nicht wissen, wo sie endet", sagte Müller-Brandes. "Als Christinnen und Christen sind wir aufgefordert, sehr wachsam zu sein, ob wir am Lebensende aus medizinischen Gründen oder aus Verzweiflung handeln." Im Einzelfall stehe es ihm gleichwohl nicht zu, aktive Sterbehilfe zu verurteilen, ergänzte der Theologe.

Der Ambulante Palliativ- und Hospizdienst der Diakoniestationen in Hannover hatte 1992 begonnen, ehrenamtliche Hospizbegleiter auszubilden. Gemeinsam mit einer Initiative aus Göttingen gehörten die Hannoveraner nach eigenen Angaben damals in Niedersachsen zu den ersten, die einen Hospizdienst aufbauten. Inzwischen stehen landesweit rund 15.000 Ehrenamtliche in etwa 130 Organisationen vor Ort sterbenden Menschen zur Seite.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen