Junkermann: Reformationsjahr kann Impulse gegen Populismus setzen

Nachricht 21. Mai 2017

Hannover/Magdeburg. Die Magdeburger evangelische Bischöfin Ilse Junkermann erhofft sich vom 500. Reformationsjubiläum langfristige Impulse für Kirche, Politik und Gesellschaft. "Ich hoffe, dass die Diskurskultur gegen jede Form von Vereinfachung und Populismus gestärkt wird", sagte sie der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Sonnabend): "Das hat unsere Demokratie bitter nötig."

An der Person des Reformators Martin Luther (1483-1546) werde deutlich, dass jeder Mensch gefragt sei, Verantwortung für sich selbst und seine Mitmenschen zu übernehmen, betonte die Bischöfin. "Und dass er dabei seinem Gewissen verpflichtet ist." Das Gespräch darüber mit Menschen "weit über Kirchengrenzen hinaus" müsse auch nach 2017 weitergehen.

An Luther lasse sich zudem lernen, "dass wir kritisch und selbstkritisch auf die gewachsene Egoismus- und Geizkultur unserer Gesellschaft schauen", sagte Junkermann: "Gott schenkt uns alles, in diesem Glauben sind wir frei und widersprechen der Vorstellung, es gäbe ein heiles Leben, wenn man sich nur richtig anstrengt." Die Bischöfin wandte sich damit gegen einen Trend zur "Selbstoptimierung".

Junkermann, die aus Baden-Württemberg stammt, steht seit 2009 an der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit rund 750.000 Gemeindemitgliedern in mehr als 1.900 Kirchengemeinden überwiegend in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zu diesem Gebiet gehört auch Luthers Wirkungsstätte Wittenberg, die 2017 im Zentrum der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum steht.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen