Religionspädagoginnen plädieren für mehr religiöse Offenheit in Kitas

Nachricht 05. Mai 2017
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Symbolfoto: Heilerziehungspfleger Sebastian Weisshuhn baut mit Jelle, Bennet, Max und Karim (v.l.) in der Kindertagesstaette "Wueste" in Osnabrueck am 17.03.15 einen Turm. Bild: epd-bild / Detlef Heese  

Loccum. Die Religions- pädagoginnen Annett Abdel-Rahman und Ulrike Duffing plädieren für einen offeneren Umgang mit unterschiedlichen Religionen in deutschen Kitas. "In einem Einwanderungsland wie Deutschland sollten Erzieherinnen in christlichen, aber auch in staatlichen Kindergärten aufmerksam und sensibel mit Anders- und Nichtgläubigen umgehen", sagte die Protestantin Duffing am Donnerstag dem epd am Rande einer Tagung über Wege zu religionssensiblen Kindergärten an der Evangelischen Akademie Loccum.

Kinder und Eltern brächten immer mehr unterschiedliche religiöse Vorstellungen mit, ergänzte die Muslimin Abdel-Rahman. "Wir wollen Erzieherinnen und Leitungspersonal ermutigen, sich darauf einzulassen." Niemandem sollten religiöse Handlungen wie etwa ein Krippenspiel zu Weihnachten übergestülpt werden. Die Kinder sollten in ihrer jeweiligen Lebenswelt wahrgenommen werden: "Es geht darum, den eigenen Glauben zu bewahren und die jeweils andere Überzeugung als genauso normal mit einzubeziehen."

Krippenspiele sollten andererseits nicht verbannt werden, sagte Abdel-Rahman, die auch Landeskoordinatorin für das Fach islamische Religion im niedersächsischen Kultusministerium ist. "Aber die Erzieherinnen sollten genau hinschauen, welches Kind tatsächlich innerlich beteiligt und welches vielleicht nur als Gast oder interessierter Zuschauer dabei sein möchte."

Wenn viele muslimische Kinder eine Einrichtung besuchten, könne auch das Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert werden, regte die Muslimin an. Sie empfahl den Fachkräften, sich für diesen Fall muslimische Eltern oder Seelsorgerinnen aus benachbarten Moscheen als Experten dazu einzuladen.

Ulrike Duffing vom Haus der Religionen in Hannover betonte, auf dem Weg zu einer religionssensiblen Kita sei vor allem die Elternarbeit wichtig. Unwissenheit verursache Skepsis und Ängste und sei häufig die größte Schranke. "Auf Elternabenden könnten Gebetsteppiche gezeigt werden. Migranten könnten erzählen, wie sie ihre Feste in der Heimat gefeiert haben."

Der Prozess der Öffnung müsse jedoch vor Ort immer wieder neu ausgehandelt werden, sagte Duffing. Es komme darauf an, welche Religionen und Weltanschauungen in welchen Anteilen in einer Kita vertreten seien. Das könne über die Jahre durchaus stark variieren. "Es gibt kein Konzept, das wir vorgeben könnten."

Bei der Tagung in Zusammenarbeit mit dem Haus der Religionen in Hannover und dem Zentrum islamische Religionspädagogik Niedersachsen informieren sich noch bis Freitag rund 60 Fachkräfte aus niedersächsischen Kitas über den Umgang mit Multireligiosität.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen