Landesbischof Meister begrüßt Aufarbeitung von Kolonialverbrechen

Nachricht 02. Mai 2017
Deligierte LWB_Namibia
Zusammen mit Oberlandeskirchenrat für Mission und Ökumene Rainer Kiefer (links) und Wencke Breyer, Vizepräsidentin der Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (Mitte) wird Landebischof Ralf Meister (rechts) nach Namibia fliegen. Bild: Johannes Neukirch

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Aufarbeitung der Kolonialverbrechen deutscher Truppen in Namibia vor mehr als 100 Jahren begrüßt. Es gebe eine Mitverantwortung für diejenigen evangelischen Kirchen, die damals Missionare nach Namibia entsandt hätten, sagte Meister am Freitag in Hannover. Diese Missionare hätten sich oft gleichgültig verhalten und sich nicht gegen die Verfolgung der Volksgruppen der Herero und der Nama gewandt. Meister reist im Mai mit einer sechsköpfigen Delegation der hannoverschen Landeskirche zur 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in die namibische Hauptstadt Windhuk.

Der Besuch in dem afrikanischen Land und die Begegnung mit den Nachfahren der Opfer sei "für uns eine besondere Geste", unterstrich Meister. In den Gesprächen mit Kirchenvertretern solle überlegt werden, wie damit umzugehen sei, dass damals ein "großes Unrecht" geschehen sei. Ausdrücklich stellte sich Meister hinter eine Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Anfang der Woche die Nachkommen der Opfer des Völkermords in Namibia um Vergebung gebeten hatte.

Er hoffe, dass der Besuch einen Druck auslöse, geplante Projekte zur Versöhnung auch wirklich umzusetzen, sagte Meister. Dazu gehöre der Aufbau von Gedenkorten in Namibia und Deutschland, die Gründung eines namibisch-deutschen Instituts für Versöhnung und Entwicklung und eine angemessene Rückgabe sterblicher Überreste von Opfern des Genozids, die sich noch in Deutschland befinden.

Deutsche Kolonialtruppen hatten in Reaktion auf Aufstände zwischen 1904 und 1908 einen Vernichtungskrieg im Südwesten Afrikas geführt, der heute als Völkermord gewertet wird. Schätzungen zufolge wurden bis zu 100.000 Herero und Nama getötet oder in den sicheren Tod in der Wüste getrieben. Ein Großteil der Überlebenden wurde ihres Landes enteignet. Deutschland hatte 1884 die Kolonie Deutsch-Südwestafrika im heutigen Namibia errichtet. 1915 kapitulierten die deutschen Truppen. Südafrikanische Truppen besetzten das Land. Nachfahren der Herero und Nama fordern heute von Deutschland Entschädigungszahlungen für das erlittene Unrecht.

Zur 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes unter dem Motto "Befreit durch Gottes Gnade" werden vom 10. bis zum 16. Mai insgesamt rund 400 Delegierte aus 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern in Windhuk erwartet, unter ihnen 41 aus Deutschland. Geplant ist auch eine große Gedenkfeier zum 500. Reformationsjubiläum. Der Weltbund repräsentiert nach eigenen Angaben rund 74 Millionen Christen. Die Vollversammlung findet alle sieben Jahre statt.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen