Das Corona Alphabet // Das war 2020 #1

Tagesthema Hannover, 05. August 2021

Kirche in Corona-Zeiten: Ein Streifzug von A bis Z

Seit Mitte März 2020 standen die Gemeinden und Einrichtungen der hannoverschen Landeskirche vor der Aufgabe, das kirchliche Leben angesichts der Gefährdungen durch das Coronavirus zu gestalten. Dies hat zu einer bisher nicht gekannten und grundlegenden Veränderung des kirchlichen Angebots geführt – wie dieses ABC eines besonderen Jahresrückblicks zeigt.

Die Lockerung der Regeln ermöglichte ab Mai 2020 kleinere Gottesdienstformen. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher richtete sich nach der Abstandsregel und der Größe der Kirche. Zur Planung der Gottesdienste in der Advents- und Weihnachtszeit bot die Landeskirche Hannovers ab Anfang November unter der Adresse gottesdienst-besuchen.de eine Web-App zur Gottesdienstanmeldung unter Corona-Bedingungen an. Gemeinden und Institutionen konnten sich in dem Tool registrieren, um ihre Gottesdienste einzutragen. Angemeldete Besucherinnen und Besucher erhielten ein Einlassticket. Dieses Ticket sollte beim Gottesdienstzugang digital auf dem Smartphone oder ausgedruckt vorgezeigt werden.

Auf einer 30 Meter hohen Drehleiter musizierten Kantorin Meike Davids (Trompete) und Kreiskantor Benjamin Dippel (Posaune) gut gesichert am Ostersonntag über den Dächern von Northeim. Unterstützt wurde der ungewöhnliche Ostereinsatz auf dem Marktplatz vom Technischen Hilfswerk, den Johannitern, dem DRK und der Polizei. Mit der Aktion endete der Osterweg, der aufgrund der Absage aller Präsenzgottesdienste digital stattfand und 7.000-mal geklickt wurde.

Rund 1.000 orangefarbene Rucksäcke mit Kreativideen, Andachten und Reisesegen haben Helferinnen und Helfer der „Kirche Unterwegs“ in den Sommerferien auf ostfriesischen Campingplätzen über die Rezeptionen und vom „Kirche Unterwegs-Mobil“ aus verteilt. „Gerne wären wir mit den Kirchenzelten und den Teams vor Ort gewesen, aber die Sicherheit vor dem Coronavirus ging vor“, sagte Urlauberpastorin Antje Wachtmann aus Aurich. Jede Woche habe es für die Kleinen eine neue Bastelidee im Rucksack gegeben: eine Arche Noah, Clowns, Engel oder Mobiles. Für die Größeren gab es Reisesegen mit Segensbändchen und Andachten.

Nicht nur Veranstaltungen und Sitzungen fanden „digital“ statt, auch Büroarbeit wurde weitgehend ins Netz verlegt. Mitte März wurden das Landeskirchenamt und die landeskirchlichen Einrichtungen geschlossen. Fast alle Mitarbeitenden gingen ins Homeoffice. Manche nahmen den Rechner sowie Kisten mit Akten mit, einige sogar den Bürostuhl. Dienstreisen und Besprechungen wurden eingeschränkt oder durch Videokonferenzen ersetzt. Die Digitalisierung und die Einführung des Homeoffice sollte zugleich die Arbeitsfähigkeit des Landeskirchenamtes sicherstellen. In der zweiten Jahreshälfte wurden wechselnde Anwesenheiten im Landeskirchenamt verabredet. Heimarbeitsplätze und flexible Arbeitsgestaltungen haben dazu geführt, dass in nahezu allen Fällen Lösungen für ein gefährdungsminderndes Arbeiten bei Aufrechterhaltung der Dienstleistung gefunden werden konnten.

„Der Mensch ist auf Beziehung angelegt. Bei allem Streben nach Selbstbestimmung und Autonomie gewinnt der Mensch seine Würde auch durch die Abhängigkeit von anderen.“ So hieß es in einem Magazin der Besuchsdienstarbeit im Corona-Jahr. Leider kam die „klassische“ Besuchsdienstarbeit in den Häusern durch die Kontaktbeschränkungen fast völlig zum Erliegen, da auch viele Besuchende zur Risikogruppe gehören. So machten die Kontaktbeschränkungen einsame Menschen noch einsamer und verstärkten die bereits erlebte Isolation. Viele Gemeinden suchten nach Alternativen und schrieben Briefe, riefen per Telefon an oder führten Tür-und-Angel-Gespräche mit älteren Gemeindegliedern.

Manche, die zu Beginn des Lockendowns noch im gewohnten Look in die Konferenzkamera blickten, überraschten im Verlauf der Monate mit Extravaganz und Modemut. Der Trend zu längerer Haarpracht – sofern in der Grundausstattung vorhanden – war unübersehbar. Wo früher „old-fashioned“ ein Haarreif das Kopfrund zierte, entwickelte sich das Headset als ungemein dekoratives Accessoire zur Bändigung widerspenstiger Kringel. Ganz Verwegene trauten sich entgegen der Strömung an die Trendfarbe Kirchenmausgrau. Eine Renaissance erfuhren auch die Zopf- und Duttfrisuren: Einfach die Wasserwellen mit einem Gummi am Hinterkopf festgezurrt gab es hier auch noch den überaus praktischen Nebeneffekt eines sanften Liftings. Fazit der landeskirchlichen Mode- redaktion: Nix muss, alles geht, und ein Rest Haare auf den Zähnen darf durchaus verbleiben.

„Glühwürmchenkonzerte“ mit Taschenlampen oder „Open Air mit Abstand“: Viele Chöre und Kantoreien suchten nach neuen Möglichkeiten für Chorproben und zogen an die frische Luft. Gegen die Dunkelheit half die Stirnlampe und gegen die Abendkühle die Strickjacke. Als der Gesang auch im Freien nicht mehr möglich war, zogen einige Chöre ins „Netz“. Inzwischen funktioniert die Onlineprobenarbeit mancherorts recht gut, da nun viele Sängerinnen und Sänger technisch entsprechend ausgestattet sind. Auf diese Weise sind zumindest Stimmproben möglich. Nur eines fehlt: Der „Chorklang“, besonders zu Konzerten und Gottesdiensten mit viel Nachhall im Kirchraum.

Seit Mitte März stand die Landeskirche vor der Aufgabe, das kirchliche Leben zu gestalten angesichts der Gefährdungen durch das Coronavirus. Sehr bald und zeitweilig mit hoher Schlagzahl wurden „Handlungsempfehlungen“ an die Gemeinden und Einrichtungen versandt, mit dem Ziel, einerseits die kirchliche Arbeit weiterhin zu ermöglichen, andererseits das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu minimieren – immer auf der Basis der geltenden Verordnungen des Landes Niedersachsen. Bis zum Ende des Jahres wurden mehr als 30 verschiedene Handlungsempfehlungen und etliche weitere Informationen und Mustervorlagen für die verschiedenen Bereiche kirchlichen Lebens erstellt. Diese wurden fortgeschrieben, wenn Veränderungen der Niedersächsischen Verordnung dies erforderlich machten.

In einem ökumenischen Gottesdienst im November haben die evangelische und katholische Kirche der Menschen gedacht, die durch das Coronavirus gestorben sind. Im Hildesheimer Dom dankten Landesbischof Ralf Meister und Bischof Heiner Wilmer (Bistum Hildesheim) zudem Menschen aus Berufsgruppen, die während der Corona-Pandemie besondere Herausforderungen bewältigen mussten. Meister ermunterte die Menschen, angesichts der vielen Opfer der Corona-Pandemie einander Trost zu spenden. Viele Angehörige und Freunde hätten sich „weder im Sterben noch bei Trauerfeiern in der Weise verabschieden können, wie wir es kannten“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte in einem Grußwort: „Wir trauern, wir sind dankbar, und wir haben Grund zur Zuversicht.“ Um alle Abstände einhalten zu können, durften nur wenige geladene Gäste an dem Gottesdienst teilnehmen. Der Gottesdienst wurde im Internet übertragen.

„Können wir nicht auf die Wiese, holen wir die Wiese eben zu uns!“, kommentierte jemand auf Facebook die Meldung zum Landesjugendcamp 2020. Diese lautete: Das Camp findet statt – virtuell. Eigentlich hatte die Evangelische Jugend in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers für Ende Juni ihr größtes Open-Air-Event geplant, das Landesjugendcamp. Aber bereits im März mussten die Veranstalter aus Corona-Gründen absagen. Doch die Jugendlichen wollten nicht so einfach verzichten. „Meine Gemeinde hat eine digitale Konfirmandenfreizeit organisiert – da dachte ich, dass sich das auch in Groß für das Lajucamp umsetzen lässt“, erklärte Tim aus Pattensen. Der 16-Jährige hatte die Idee des virtuellen Camps. Dieses wurde in erster Linie von Ju- gendlichen gestaltet. Dazu gehörten Videogrüße, ein Wohnzimmerkonzert und Rückblickbilder. Das Landesjugendcamp ist mit rund 2.000 jungen Menschen aus der gesamten Landeskirche eine der größten nicht kommerziellen Veranstaltungen in Niedersachsen.

Anfang März fuhren manche noch auf Freizeit. Die Konfirmationssprüche hatten sich die Mädchen und Jungen bereits ausgesucht. Natürlich waren auch die Feiern längst geplant. Manche hatten einen Caterer bestellt oder Gaststätten ge- bucht. Dann ging alles sehr schnell. Nach den ersten dramatischen Nachrichten aus Italien rief die Bundeskanzlerin am 11. März dazu auf, alle Großveranstal- tungen ab 1.000 Personen abzusagen. Schließlich gab das Land Niedersachsen bekannt, dass ab dem 16. März alle Schulen und Kindertagesstätten ge- schlossen bleiben. So blieb den Kirchenvorständen keine andere Wahl, als die Konfirmationen zu verschieben. Viele entschieden sich für spätere Konfirmationen in kleinen Gruppen oder verschoben gleich um ein Jahr. So oder so: Wenn sie alle sich im Jahr 2045 (oder 2046) zu ihrer silbernen Konfirmation treffen, werden sie sich an ein außergewöhnliches Jahr erinnern. Eine Familie dankte mit den Worten: „Unter solch widrigen Bedingungen den Konfirmandenunterricht zu organisieren und einen wunderschönen und individuellen Gottesdienst stattfinden zu lassen ist eine enorme Leistung. Wir gucken trotz Corona auf eine andere, aber tolle Konfirmationszeit zurück und freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“

20 Scheinwerfer, sechs Kameras, diverse Monitore und Dutzende Meter Kabel haben ihre Plätze im Landeskirchenamt gefunden. Grund war die erste digitale Landessynode im November. „Ein Livestream hat natürlich seinen eigenen Charme – was gesendet ist, ist gesendet“, sagte der Leiter des Mediendienstes der Evangelischen Jugend Bramsche Kai-Fabien Rolf, der für die Technik zuständig war. Und diese Synodentagung hatte es in sich: Dutzende Synodale wurden per Zoom-Konferenz zusammengeschaltet, den Mittelpunkt bildete der Kollegsaal mit dem federführenden Präsidenten. Einbringungen konnten über einen separaten Raum ein Stockwerk höher vorgetragen werden. Dort hatte der Mediendienst auch die Andacht aufgezeichnet, mit der die Tagung eröffnet wurde. Die Landessynode besteht aus 80 Mitgliedern und ist eines der fünf Verfassungsorgane der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie beschließt über sämtliche Kirchengesetze und verabschiedet den landeskirchlichen Haushaltsplan.

„Das ist ja wie ein halbes Fernsehstudio“, sagte Pastorin Franziska Baden bei der Aufzeichnung der neuen Videogottesdienste der Landeskirche. Vier um sie herum verteilte Strahler sorgten für Licht im Seitenschiff der St.-Marien-Kirche in Celle. Drei Mitarbeiter des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachsen-Bremen (ekn) huschten um die Kameras herum, prüften Bildausschnitte, -schärfe und den Ton. Mit einem Mal legte sich Stille über die Szenerie – und eine gewisse Spannung. Später folgten Nahaufnahme des Altars, die Kerzen, eine „Totale“ der Kirche. Nach etwa drei Stunden standen alle wieder draußen, im warmen Sonnenschein. Die Ausrüstung war wieder im Auto verstaut, alle Beteiligten waren zufrieden. In den folgenden Tagen wurde das gedrehte Material beim ekn gesichtet und geschnitten – und am Sonntag um acht Uhr auf Facebook, YouTube, Instagram und auf der Website der Landeskirche freigeschaltet. Diesen Videogottesdienst konnten Gemeinden als Ersatz für Präsenzgottesdienste auf ihren Internetseiten anbieten.

„Wir sind evangelisch“ ist im Corona-Jahr 2020 aufgrund des hohen digitalen Engagements vieler Kirchengemeinden und kirchlichen Institutionen stark angewachsen. Knapp 1.000 Einzelauftritte wurden bis zur Jahresmitte von rund 2.500 Redakteurinnen und Redakteure in der Landeskirche Hannovers bestückt. Ebenso wurden im Vergleich zum Vorjahr viermal so viele Präsenzen neu gestartet. Im Mai 2020 waren täglich bis zu 20.000 Besucherinnen und Besucher auf den Seiten des Netzwerks, im gesamten Monat etwa 300.000. Dies sind selbst bei einer nach Medienberichten in der Corona-Krise gesteigerten Internetnutzung um 70 Prozent imposante Zahlen. Sie sind ein Indiz dafür, wie schnell und sicher viele Gemeinden Verkündigung und Information in digitale Kanäle verlegt hatten.

Als alle Ostergottesdienste abgesagt werden mussten, haben die Kirchen- gemeinden Bodenfelde und Wahmbeck zu einer ungewöhnlichen Aktion aufgerufen: „Bitte schreibt in der Osternacht oder am Ostermorgen mit Kreide: DER HERR IST AUFERSTANDEN! vor eure Häuser.“ Die Nachricht wurde per WhatsApp verschickt. Über 50 Menschen beteiligten sich an der Aktion und schickten ihre Bilder. Daraus entstand ein Film für YouTube. Außerdem haben unterschiedliche Gruppen und Menschen ihren Beitrag zum digitalen Ostergottesdienst geschickt.

Die Corona-Pandemie hat im Sommer 2020 zu einem Anstieg von Pilgern auf einigen Wegen in Norddeutschland geführt. So kamen vermehrt Menschen aus anderen Regionen wie Süddeutschland oder Brandenburg, aber auch aus der Region selbst, um den norddeutschen Jakobswegen zu folgen. Zur frühzeitigen Suche nach Unterkünften rieten auch die Verantwortlichen vom ökumenischen Pilgerweg zwischen dem niedersächsischen Loccum und dem thüringischen Volkenroda. Nicht jede Kirchengemeinde konnte angesichts der geltenden Vorschriften eine Unterkunft wie gewohnt anbieten. Auf dem 67 Kilometer langen Harzer Klosterwanderweg wurden zunächst alle Touren abgesagt. Seit Anfang Juli gab es bis zum Herbst wieder Angebote. Während des Lockdowns haben sich die Initiatoren der hannoverschen Landeskirche mit einer Broschüre an die Pilger gewandt und zum „inneren Pilgern“ aufgerufen: „Ohne sich auf den Weg zu machen, wird dabei die innere Haltung angesprochen.“

Bei „Klappstuhl- und Stehplatzveranstaltungen“ im Freien stellte sich die Frage, wie die Abstandsregel eingehalten werden könne, damit die Besucherinnen und Besucher sich nicht zu nahe kommen. Neben Stühlen, die auf Abstand gestellt wurden, kamen manche Gemeinden auf eine andere Idee: Sie malten mit Kreide große Quadrate auf die Plätze und markierten so die Stell- bzw. Sitzplätze

Wer einen Gottesdienst besuchte, lernte in vielen Gemeinden neue Regeln kennen. Der Zugang zu den Gottesdiensten wurde zahlenmäßig begrenzt, je nach Größe des Raumes. Bei großen Festgottesdiensten waren Anmeldungen nötig. Mancherorts wurde der Gottesdienstbesucher persönlich begrüßt und nach dem Namen gefragt. Dann folgte der Weg zu einem Platz (mit 1,5 Metern Abstand in alle Richtungen) im Kirchenschiff. Dass im Gottesdienst Maske getragen wird, verwunderte bald niemanden mehr. Auch nicht, dass die Gemeinde zu den Liedern schweigt. Die Öffnung der Gotteshäuser geschah mit großer Vorsicht und Umsicht. Gottesdienstbesuch unter Corona-Bedingungen bedeutete weniger Glanz, aber vielleicht auch mehr Konzentration. Manche sagen auch: Der Kirchraum, die Kunst, die Instrumentalmusik und das gesprochene Wort entfalteten eine stärkere Wirkung.

Influencer sind für junge Menschen in den sozialen Medien „Kult“. Influencer nutzen ihre Präsenz und ihr Ansehen, um in den sozialen Medien zu werben, zum Beispiel für einen Lebensstil, eine Musikrichtung oder ein Produkt. Längst ist auch die Kirche in den sozialen Medien angekommen. Bei Instagram, Facebook und TikTok posten sie Fotos, Gedanken, Gebete und erreichen ihre digitale Gemeinde per Smartphone – und nennen sich „Sinnfluencer“.

Ab März waren Trauerfeiern nur noch im engsten Familienkreis möglich. Bis 10 Personen durften teilnehmen. Viele Gemeinden haben dennoch überlegt, wie sie Angehörige und Freunde einbinden konnten. Einige Pastorinnen und Pastoren druckten die Ansprache aus und übergaben diese den engsten Angehörigen oder versendeten die Ansprache per Mail an die Familie. Auch am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent, war die Erinnerung an die Verstorbenen nur begrenzt möglich. Zum 8. Juni bereitete Niedersachsen eine neue Verordnung vor: Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen konnten statt mit 20 mit bis zu 50 Teilnehmern stattfinden, wenn Abstand und Platz dies erlaubten. Später wurde die Begrenzung auf 50 Personen beim Gang zum Grab aufgehoben – solange die Abstandsregel eingehalten wurde.

Ein neu eingerichteter Fonds für Kunst, Kultur und Kirche im ländlichen Raum förderte Projekte von Künstlern und Kulturschaffenden. Er war auf Initiative des Arbeitsfeldes Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD) und der Hanns-Lilje-Stiftung entstanden und sollte in der Corona-Zeit schnelle und unkomplizierte Hilfe leisten. Im ersten Durchlauf standen 30.000 Euro zur Verfügung. Zum einen sollen Menschen, die von ihrer Kunst leben, durch Honorare und Vergabe von Aufträgen unterstützt werden, und zum anderen wird das kirchliche Leben im ländlichen Raum durch zeitgenössische Kunst und Kultur bereichert. Antragsberechtigt waren Kirchengemeinden und andere kirchliche Einrichtungen im ländlichen Raum.

Noch vor Beginn der Pandemie wurde von der Digitalen Agentur der Evangelischen Medienarbeit (EMA) das kirchliche Videokonferenzangebot „konferenz-e“ vorgestellt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten erwies sich die kostenlose und öffentliche Nutzung durch Ehren- und Hauptamtliche als hilfreicher Ersatz für Präsenzsitzungen. Mit der neuen konferenz-e-App sowie den Anleitungen waren die Ehren- und Hauptamtlichen in der Lage, zu Videokonferenzen einzuladen oder an ihnen teilzunehmen. Heute ist die Ausbildung und Nutzung von Videokonferenzen ein Stück Gemeindepädagogik. Für größere Konferenzen wie Kirchenkreissynoden sowie für die Außenkommunikation (Elternabende, Konfirmandenunterricht) wurde mancherorts ergänzend ein kommerzielles Videoangebot angeschafft.

Obwohl Gottesdienste in den Weihnachtstagen – mit Abstand und Hygieneregeln – möglich waren, blieben die Möglichkeiten für die großen Weihnachtsgottesdienste eingeschränkt. Es wurde ein „Weihnachtsfest in Vielfalt“, für das es keine Vorbilder gab. Die Landeskirche verzichtete darauf, eine generelle Regelung vorzuschlagen. Die Kirchenvorstände und Pfarrämter entwickelten verschiedene Angebote: Manche Gemeinden feierten Heiligabend draußen wie „die Hirten auf dem Felde“, andere ließen den Engel die Weihnachtsbotschaft „digital“ verkünden. Neben den Gottesdiensten in der Kirche, meist mit Anmeldungen, entschieden sich viele für Freiluftgottesdienste. Andere versandten Weihnachtspost, luden zu digitalen Feiern ein oder öffneten ganztags die Kirche mit verschiedenen Stationen. Da Gesang nicht erlaubt war, war dies für viele ein Weihnachten ohne „Oh du fröhliche“ – das gab es bei Kirche noch nie.

Fast wie bei der „fresh X“-Bewegung entstanden während der Corona-Pandemie überraschende und neue Formen von Kirche. Bereits in den Vorjahren hatte die anglikanische Kirche in England aufgrund von Mitgliederschwund, Spardruck, Nachwuchsmangel und Gemeindeschließungen neue Ideen entwickelt, die als „fresh X“ auch in Deutschland bekannt wurden. „Fresh“ meint „frisch“ im Sinne von kreativ und innovativ, X ist die Abkürzung von eXpressions („Ausdrucksform“). Mit der Einschränkung des kirchlichen Lebens entwickelten viele Gemeinden kreative Ideen und probierten neue Formen aus. Schon jetzt ist die Frage: Was bleibt, wenn die Pandemie vorüber ist?

Was können wir tun, wenn wegen Corona nichts mehr geht? Während die gesamte Veranstaltungsbranche seit dem Frühjahr 2020 zur Untätigkeit gezwungen war, kam das landeskirchliche Veranstaltungsmanagement in der Evangelischen Medienarbeit nicht zur Ruhe. Die zwei Experten für Veranstaltungsorganisation und -sicherheit, Stefan Riepe und Simone Ernst, erkannten im letzten Frühjahr schnell, dass ihr Fachwissen gerade jetzt gebraucht wird, und ließen sich zusätzlich zu Hygienebeauftragten für Events ausbilden. „Wer hätte bis Anfang letzten Jahres gedacht, dass es so etwas geben könnte? Wir müssen davon ausgehen, dass Hygienekonzepte auch in den nächsten Jahren eine größere Rolle bei kirchlichen Veranstaltungen spielen. Darauf sind wir vorbereitet“, so Stefan Riepe zur Lage. Für Gemeinden und Kirchenkreise ist das Veranstaltungsmanagement erste Adresse bei Fragen rund um Hygienekonzepte, Gesetzestexte und Anträge sowie Informationen zu aktuellen Verordnungen.

Neben Bibel und Gesangbuch gehörten auch Mundschutz und Zollstock zum kirchlichen Alltag. Der Zollstock half bei der Einhaltung der Abstände auf Kirchenbänken und bei der Bestuhlung. Auch ein Hygienekonzept und die Anzeige von Gottesdiensten beim Gesundheitsamt wurden eingeführt. Besonders bedrückend erlebten viele Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher das Verbot von Gemeinde- und Chorgesang. So bleibt das Jahr 2020 auch als „Jahr der verordneten Stille“ in Erinnerung.

SERIE // Das war 2020

Die Serie "Das war 2020" bietet im August und September 2021 an jedem Donnerstag Episoden aus dem Jahresbericht 2020 der Landeskirche Hannovers. Die gedruckte Fassung geht in den kommenden Wochen in die Gemeinden. Das aktuelle sowie die vorangegangenen Themen werden hier ebenfalls als PDF bereitgestellt.

Zeit der Bewährung

Kirchen sind geschlossen, Trauungen müssen verschoben werden, Beerdigungen können nur im engsten Familienkreis stattfinden. „Es ist zum Heulen. Es ist eine Zeit der Bewährung", sagt Landesbischof Ralf Meister. „Was wir brauchen, sind Geduld und eine feste Hoffnung.“

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