Neue Arbeitshilfe für gendersensible und queerfreundliche Praxis in der Landeskirche

Theodor Adam
Bild: Jens Schulze

Vielfalt aktiv fördern und Diskriminierung konsequent entgegentreten – das sind die Ziele der Landeskirche Hannovers, die mithilfe einer neuen Arbeitshilfe für gendersensible und queerfreundliche Praxis vorangetrieben werden sollen. „Alle Menschen aller geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen sollen sich in unserer Kirche sicher und zuhause fühlen“, sagte Cornelia Dassler, Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche.

Die Realität sehe vielerorts noch anders aus: Wie bereits auf der Jugendsynode 2022 festgestellt wurde, stehen viele Gemeinden beim Umgang mit queeren Menschen erst am Anfang. Häufig seien Unwissenheit und fehlende Routine – nicht bewusste Ausgrenzung – Ursache für verletzende Erfahrungen, betonten damals Synoden-Vizepräsidentin Wencke Breyer, Landesbischof Ralf Meister und Sophie Kellner von der Landesjugendkammer in einem gemeinsamen Statement.

Dassler erinnerte nochmal ausdrücklich an die damaligen Forderungen der Jugendlichen: Eine offene, inklusive Sprache sowie Ansprechpersonen auf Kirchenkreisebene für queere Ratsuchende und deren Umfeld. Der Impuls aus der Jugendsynode zeige, dass dafür noch nicht genug getan wurde. 

Eine Redaktionsgruppe um Theodor Adam, Sonja Thomaier und Susanne Paul hat sich dieser Aufgabe angenommen und die Arbeitshilfe für gendersensible und queerfreundliche Praxis in der Landeskirche Hannovers entwickelt. Sie soll Gemeinden sensibilisieren und auf dem Weg zu einer machtsensibleren Kirche unterstützen. 

„Bitte nehmen Sie als Synode wahr und ernst, dass Personen in unserer Landeskirche weiterhin queer-verletzende, queer-feindliche oder queer-ausschließende Erfahrungen gemacht haben und machen“ mahnte Theodor Adam im Zuge der Vorstellung des 190-seitigen Heftes im DIN A4 Format. Die Arbeitshilfe sei ein wichtiger Meilenstein, aber kein Abschluss auf dem Weg zu einer machtsensiblen Kirche.

Ende Januar wird das Material an alle Gemeinden und Einrichtungen versendet – begleitet von einem Schreiben mit Anwendungshinweisen, etwa für Kirchenvorstandssitzungen. Mit dem Versand wird auch die Internetadresse veröffentlicht, unter der die Arbeitshilfe und weitere Materialien digital zugänglich sind.

Die Arbeitshilfe sorgte bei vielen Synodale für Begeisterung. Auch Dr. Ralph Charbonnier (Theologischer Vizepräsident der Landeskirche) lobte die Veröffentlichung als „gute Basis, um aus Polarisierung herauszukommen und ins Gespräch hinein“. Regionalbischof Friedrich Selter zeigte sich dankbar für die Vielfalt der Beiträge. Es sei gut, „dass manche Passagen auch die schwierigen Phasen in der Geschichte unserer Kirche nachzeichnen“, so Selter.