Bericht des Landesbischofs: „Vom gerechten Frieden“

Eine männlich gelesene Person mit kurzen grauen Haaren und Brille hinter dem Redepult
Bild: Jens Schulze

Der Bischofsbericht im Wortlaut

In seinem Bericht vor der in Hannover tagenden Landessynode ging Landesbischof Ralf Meister am Donnerstag ausführlich auf die jüngste Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein.

Die Denkschrift, so Meister, markiere den „Schutz vor Gewalt als wichtigste Dimension“. Damit gehe sie über die Linie der bisherigen Denkschrift aus dem Jahr 2007 hinaus. Ethik habe es heute mit Konflikten zu tun. Die aktuelle Denkschrift verhelfe zu Orientierung im Konflikt, sei aber auch selber umstritten. 

„Die Friedensdenkschrift ist ein ethischer Grundsatzbeitrag der Evangelischen Kirche für diese Diskussion. Ethisches Nachdenken ist gefragt. Schutz vor Gewalt kann nur durch rechtserhaltende Gewalt geschehen. Die unterliegt einer Ethik. Sie ist strikt dem Recht unterworfen.“ Nur rechtsförmige Gewalt könne als Mittel zur Sicherung des Friedens dienen.

Das Völkerrecht und internationale Abkommen würden aber immer häufiger gebrochen. Daher sei auch eine Verschiebung in der Friedensdenkschrift nötig, bei der es um einen Schutz vor Gewalt gehe, dann um die Förderung von Freiheit, den Abbau von Ungleichheiten und den Umgang mit friedensfördernder Pluralität. 

„Der Schutz vor Gewalt ist vorrangig. Eindämmung und Einhegung von Gewalt ist das grundlegende Gut und die notwendige Voraussetzung für die anderen Dimensionen. Dass diese Haltung so formuliert wird, ist eine Reaktion auf die veränderte Situation“, sagte Meister. 

In seine eigene friedensethische Haltung gewährte er anhand von biographischen Stationen Einsicht. Seine Begründung für die Wehrdienstverweigerung als 19-Jähriger, fünf Jahre danach seine Erfahrungen als Student in Israel („ein Staat, den es ohne Einsatz von Waffen nach Gründungserklärung im Mai 1948 nicht geben würde“), Eindrücke aus dem Herbst 1989 in der damaligen DDR sowie Beobachtungen aus einem Gottesdienst im Herbst dieses Jahres aus Großbritannien. Der radikale Pazifismus habe seinen berechtigen Ort in der jeweiligen individuellen Entscheidung, aber könne eben auch nur die ethische Entscheidung von Einzelnen sein.

Mit Blick auf Niedersachsen wies der leitende Geistliche auf die verschiedenen Orte hin, in denen Militär angesiedelt ist: Bergen-Hohne, Loheide, Wunstorf, Faßberg, Celle. „2024 hat die Zahl der Kriegstoten nach Jahren des Rückgangs einen neuen Höhepunkt erreicht.“ Damit verbunden sei eine Zunahme von Hunger, Fluchtbewegungen, sexualisierter Gewalt, Zerstörung von Infrastruktur, Umweltschäden und Klimagefährdung. „Die weltweiten Militärausgaben steigen auf Rekordhöhe, Rüstungskontrolle ist derzeit nicht organisiert. Das alles geht uns direkt an.“

„Verteidigungsfähigkeit“ statt „Kriegstauglichkeit“

In der aktuellen sicherheitspolitischen Diskussion komme es auf eine präzise Sprache an, so Meister. Oft sei in dieser Debatte von „Kriegstauglichkeit“ oder „Kriegstüchtigkeit“ die Rede. „Diese Sprache ist fahrlässig.“ Es gehe vielmehr um „Verteidigungsfähigkeit“, dies verstanden als Bereitschaft die eigenen Werte im Notfall mit „rechtserhaltender und ethisch verantworteter Gewalt“ zu verteidigen. 

Meister nahm darüber hinaus Stellung zur nuklearen Abschreckung. Der Einsatz nuklearer Waffen sei in jedem Fall ethisch verwerflich, ihr Besitz könne aber politisch notwendig sein, „um gegen Drohungen von Atommächten eine starke Verhandlungsposition zu sichern“. Das sei ein ethisches Dilemma, das für die Verantwortlichen nicht ohne Schuld aufzulösen sei. Darauf weise die aktuelle Friedensdenkschrift der EKD hin. 

In Bezug auf die Wiedereinführung der Wehrpflicht sagte der leitende Geistliche: „Ich befürworte ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr.“ Damit unterstütze er einen Gedanken, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits 2022 in die Diskussion eingebracht und unlängst erneuert habe. „Es wäre ein Pflichtjahr für alle jungen Menschen, aber ebenso auch für andere Lebensübergangszeiten. Es wäre ein Signal, dass unsere Gesellschaft einen solchen Einsatz und die Personen, die es leisten, wertschätzt, über alle Bildungs- und Herkunftsgrenzen hinweg, und ihnen eine gemeinwohlorientierende Tätigkeit anbietet.“

Werde die Wehrpflicht wieder eingeführt, so Meister, müsse die Evangelische Kirche zukünftig qualifizierte Beratung für das persönliche Anliegen von Wehrdienst verweigernden Personen vorhalten.

Bedrohung des inneren Friedens durch Ressentiments

Als eines „der drängendsten Probleme unserer Zeit“ bezeichnete Landesbischof Meister das Ressentiment. Er kennzeichnete dies als ein Phänomen, bei dem ein Mensch seine Kränkung in sich hineinfresse und gleichzeitig beginne, „seinen Zorn auf andere, eigentlich unbetroffene Personenkreise oder schließlich auf die ganze Gesellschaft zu übertragen“. Im digitalen Zeitalter habe das „Luftablassen in sozialen Netzwerken“ sich verfestigt und dynamisiert. „Politische Akteure warten nur darauf, solche Unzufriedenheiten aufzugreifen. Sie bieten den Ressentimentalisten eine politische Heimat, die sich als eine vermeintlich homogene Gemeinschaft darstellt. Ihr Zusammenhalt wird vor allem durch Ab- und Ausgrenzung geschaffen.“

Ressentiments könnten verstärkt werden durch Erfahrungen von Einsamkeit, so die Einschätzung des Bischofs. Einsame Menschen würden oft ihre Umwelt negativ wahrnehmen. Sie zeigten weniger Vertrauen in demokratische Institutionen, entschieden sich häufiger für populistische Parteien, werteten eher andere Menschen und soziale Gruppen ab, als nichteinsame Menschen dies tun würden. 

Menschsein gelinge dagegen im Miteinander und in Zusammenhängen, „oder es gelingt gar nicht.“ Der Mensch sei in den biblischen Erzählungen auf ein Gegenüber hin geschaffen. „Es wird in der Geschichte von der Menschwerdung erzählt, dass wir gewollt und beachtet sind, dass wir gewünscht und gebraucht werden, und dass wir Sorge tragen füreinander und lernen, das Glück zu teilen.“ Kirche schulde der Gesellschaft diese „Hoffnungsgeschichten“. Es sei daher christliche Aufgabe, in die gegenwärtigen Debatten „einen anderen Ton der Hoffnung einzubringen“. Ein Ton der Bescheidenheit sei beim Thema „Hoffnung“ nicht angebracht, so der leitende Geistliche. „Gott hat uns keine Bescheidenheit gelehrt, wenn wir über seine Hoffnung und Liebe sprechen.“ Die Hoffnung schlecht reden könnten am besten diejenigen, denen es gut gehe.

Bei seinen Begegnungen mit Menschen in der Ukraine, in Syrien oder den Armutsvierteln in Äthiopien habe er vielmehr so viele Hoffnungsgeschichten gehört. Diese hinderten die Menschen daran, verrückt zu werden. Mit einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer konstatierte er: „Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern es ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren.“

Eine männlich gelesene Person steht an einem Redepult vor einem gefüllten Tagungssaal
Bild: Jens Schulze
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„Verantwortung in bewegter Zeit“

Landesbischof Ralf Meister würdigte die Arbeit der Synodalen in der nun zu Ende gehenden Legislatur-Periode. Er bedankte sich für die „Klarheit und die bedachten Entscheidungen“, die speziell mit Hinblick auf die kurz nach der konstituierenden Sitzung im Februar 2020 ausgebrochene Corona-Pandemie zu fällen gewesen seien.

Drei Themen stellte er besonders in den Mittelpunkt: Die Aufarbeitung von Sexualisierter Gewalt, den Zukunftsprozess sowie den Klimaschutz. Die intensive Aufarbeitung von Sexualisierter Gewalt in der hannoverschen Landeskirche gehöre zu den zentralen Leistungen der Synodalen, so der leitende Geistliche. „Sie haben diese Aufarbeitung in zahlreichen Gesprächen mit betroffenen Personen und gemeinsamen Beratungen mutig, sensibel und veränderungsorientiert vorangetrieben“, sagte Meister. Nie habe es ein Thema gegeben, das bei vier aufeinander folgenden Tagungen der Landessynode jeweils das Schwerpunktthema gewesen sei. „Und bei keinem anderen Thema hat es in der Landeskirche innerhalb so kurzer Zeit so viel Bewegung gegeben.“

Der Landesbischof verwies darauf, dass mittlerweile fast alle 47 Kirchenkreisen ein Schutzkonzept hätten und bislang 20.000 Mitarbeitende in Präventionsarbeit geschult seien. „Diese Aufgabe wird uns aber weiterhin verbindlich verpflichten.“

Der Zukunftsprozess habe sich als eine komplexere Aufgabe als gedacht erwiesen. Mit dem Schwerpunkt „Anfänge im Glauben“ habe die Landeskirche ihre Planungen aber erstmals mit einer theologischen Grundlegung konkretisiert. 

Beim Klimaschutz habe die Landessynode Entscheidendes auf den Weg gebracht. „Dieses Gesetz verdient seinen Namen, gibt realistische Ziele vor und zeigt Wege auf, die wirklich gangbar sind.“ 

Bischöfliches Halleluja

Sein traditionelles „Halleluja“ am Ende des Berichts widmete Ralf Meister in diesem Jahr dem Kirchentag, einer Spendenaktion der Norderneyer Kirchengemeinde sowie dem scheidenden Präsidenten der Synode Matthias Kannengießer. 

Ralf Meister hob noch einmal hervor, wie sich im Mai Hannover durch den Kirchentag „verwandelt habe“ und dankte allen, die an der Vorbereitung und der Durchführung beteiligt waren.

„Hilfe in Not“ leiste momentan die Kirchengemeinde Norderney, die durch eine Partnerschaft mit der südsudanesischen Stadt Kadeba verbunden sei. Im Sudan ereigne sich momentan – hervorgerufen durch den Bürgerkrieg –eine der „größten humanitären Krise weltweit“. Bis zum Herbst dieses Jahres habe die Kirchengemeinde 42.000 Euro gesammelt, um unter anderem den Bau und die Ausstattung eines Geburtshauses oder die Unterstützung von Frauenprojekten zu unterstützen. 

Zwei Legislaturperioden und damit seit zwölf Jahren leitete Matthias Kannengießer als Präsident die Landessynode. Kannengießer habe dieses Amt „planvoll, vorausschauend, charmant und verbindlich“ ausgefüllt, so der Bischof. Über seine Aufgabe als Präsident hinaus habe er aber auch „klug und beharrlich“ die Leitung des Verfassungsprozesses sowie die inhaltliche Mitgestaltung des Verfassungsprozesses übernommen.

Mit stehendem und lang anhaltendem Applaus dankten im Anschluss an den Bischofsbericht die Synodalen ihrem scheidenden Präsidenten. 

Abschied Kannengießer
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Landesbischof Ralf Meister (am Redepult) verleiht Matthias Kannengießer (rechts) nach 12 Jahren als Präsident der Landessynode das Silberne Facettenkreuz. – Bild herunterladen
Synodale Applaus Kannengießer
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Die Mitglieder der 26. Landessynode applaudieren dem geehrten, scheidenden Präsidenten, Matthias Kannengießer. – Bild herunterladen

Krieg und Frieden prägen die Aussprache

Die Aussprachen zum Bericht von Landesbischof Ralf Meister machten deutlich, wie sehr die aktuellen sicherheitspolitischen Spannungen die Landessynode bewegen. Viele Synodale dankten dem Landesbischof für seine offene Darstellung friedensethischer Zerrissenheit – und brachten zugleich eigene Perspektiven ein. Die Debatte kreiste um zentrale Fragen: Wie schützt man Frieden? Welche Rolle spielt Militär? Und was schuldet die Gesellschaft der jungen Generation?

Ann-Marie Reimann (Sprengel Hannover) widersprach der Idee eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres entschieden. Meister habe recht, dass über mehr gesellschaftliches Engagement gesprochen werden müsse – „aber junge Menschen systematisch zu benachteiligen und dann mangelnde Einsatzbereitschaft zu kritisieren, greift zu kurz“. Ein Freiwilligendienst sei heute „ein Luxus, den sich vor allem finanziell abgesicherte Jugendliche leisten können“. Engagement müsse niedrigschwelliger und attraktiver werden, „nicht erzwungen“.

Auch Christine Rinne (Sprengel Hannover) steuerte eine eindrückliche Beobachtung aus dem Schulalltag bei. Auf einer Klassenfahrt habe sie erlebt, „wie Kinder auf Norderney von älteren Menschen misstrauisch gemustert wurden“. Die Frage müsse lauten: „Was tun wir für junge Menschen, bevor wir ihnen etwas abverlangen?“ Fehlende soziale Kompetenzen seien ein gesellschaftliches Warnsignal – und zugleich ein Schlüssel, um Frieden früh einzuüben.

Mehr Unterstützung junger Menschen forderte auch Daniel Küchenmeister (Sprengel Hildesheim Göttingen). Er berichtete von Eltern, die sich erstmals Sorgen machten, ob ihre Kinder bald wieder zum Wehrdienst einberufen würden. Darum brauche es „deutlich mehr Beratung zur Wehrdienstverweigerung“ und eine klare Solidarisierung mit jungen Menschen.

Marianne Gorka (Regionalbischöfin Sprengel Lüneburg) erinnerte daran, dass im Sprengel Lüneburg viele Militärstandorte liegen. „Soldat kann ich nur als Christ sein – friedensorientiert, nicht kriegsorientiert“, zitierte sie Dr. Christian Freuding, damals Oberstleutnant in Lüneburg. „Die Militärseelsorge verdient hohen Respekt und darf in ihrer Bedeutung nicht außer Acht gelassen werden, gerade jetzt „wo die Sehnsucht nach einer Friedenszeit groß ist“.

Ute Szameitat (Sprengel Lüneburg) dankte dem Landesbischof dafür, seine friedensethische Zerrissenheit offengelegt zu haben. Die aktuellen geopolitischen Konflikte stellten vieles infrage. „Ich merke, dass ich selbst nicht weiß, wo ich stehe“, sagte sie.

Pastorin Cordula Schmid-Waßmuth (Sprengel Hannover) erzählte von einer Begegnung am Volkstrauertag. Ein Oberst habe ihr gesagt, wie sehr die Soldat:innen darauf hofften, dass Frieden erhalten bleibe – und darum um Fürbitte in den Gottesdiensten gebeten. „Ich musste schlucken, aber ich werde es tun.“

Auch Norbert Wolf (Sprengel Stade) schilderte seine Erfahrungen: Er wurde einst bei der Wehrdienstverweigerung vom Pastor begleitet – und später sogar vom Militärpfarrer unterstützt. Heute kämen in seine Beratung im Diakonischen Werk immer mehr Angehörige von Soldat:innen aus der Region. „Da wird viel Angst ausgesprochen – vor Einsätzen, vor Verlust, vor seelischen Folgen.“

Ulf Thiele (Sprengel Ostfriesland-Ems) erinnerte daran, dass viele der rund 180.000 aktiven Bundeswehrbeschäftigten auch Gemeindemitglieder seien. Viele kehrten aus Einsätzen mit erheblichen seelischen Belastungen zurück. „Diese Menschen brauchen unsere Kirche. Auch Militärseelsorgende setzen sich Gefahren aus – sie verdienen stärkere Unterstützung.“

Mehrere Synodale warnten vor einer gefährlichen Verschiebung in der politischen Sprache. Christian Cordes (Sprengel Ostfriesland-Ems) erinnerte daran, dass er sich 1972 rechtfertigen musste, warum er sich nicht zum Töten ausbilden lassen wollte. Heute habe er das Gefühl, „dass unsere Kirche Gewalt ähnlich zu rechtfertigen versucht wie die Regierung“. Begriffe wie „Kriegstüchtigkeit“ dürfe sich die Kirche nicht zu eigen machen.

Auch Dr. Jörg Zimmermann (Sprengel Lüneburg) nannte das Wort „Kriegstauglichkeit“ hochgefährlich – aber symptomatisch. „Wir sind in einem Zustand, der nicht mehr Frieden bedeutet.“ Er betonte: „Wir brauchen Respekt – für alle, die verweigern, und für alle, die dienen.“ Aufgabe der Kirche sei es, „Menschen zusammenzuführen, nicht Positionen gegeneinander auszuspielen“.

Birgit Thiemann (Sprengel Lüneburg) berichtete, wie sich ihre Wahrnehmung militärischer Geräusche verändert habe. Das Knattern von Maschinenpistolen – als Kind in Munster alltäglich – sei für sie heute „ein Geräusch, das Angst macht“.

Martin Sundermann (Sprengel Ostfriesland-Ems) warb dafür, die protestantische Dialogfähigkeit aktiv zu leben – auch durch die Berufung eines aktiven Soldaten oder einer Soldatin in die kommende Synode. Karin Köhler (Sprengel Hildesheim-Göttingen) erinnerte daran, wie wichtig die kirchlichen Friedensorte blieben. Die neue Synode solle „dieses Erbe pflegen und weiterdenken“.

Bernd Rossi (Sprengel Hildesheim-Göttingen) stellte das Spannungsfeld der Debatte heraus: Die Frage nach Freiheit stelle sich heute neu. Die junge Generation sei bereit Verantwortung zu übernehmen, „möchte aber, dass wir anerkennen, dass wir lange auf ihre Kosten gelebt haben“.

Landesbischof Ralf Meister zeigte sich beeindruckt von der Intensität der Diskussion. Er betonte, dass ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr in der Bevölkerung breite Zustimmung finde. „Der Staat würde damit auch sagen: Die junge Generation ist uns wichtig – wir trauen ihr Verantwortung zu.“

Zur Militärseelsorge sagte er, sie sei für ihn „immer essenziell“ gewesen. Er erinnerte an seinen Einsatz dafür, dass im Jahr 2000 ein Gottesdienst im Kosovo öffentlich übertragen wurde. Die Beratung von Wehrdienstverweigerern werde derzeit landeskirchenweit geprüft.

Meister erinnerte an die langen friedensethischen Debatten der EKD – und gestand zugleich ein: „Vielleicht habe ich nicht genug darüber nachgedacht, was unsere Generation den Jüngeren schuldet.“ Die Landeskirche stehe solidarisch zu Menschen, „die sich für oder gegen die Wehrpflicht entscheiden“.

„Gastfreundschaft ist etwas, das entstehen muss“

Die Synodale Cordula Schmid-Waßmuth (Sprengel Hannover) rückte die „Glaubensgeschwister, aber eben auch Andersgläubige“ in den Mittelpunkt und verwies auf Erfahrungen aus Schweden, wo man „mit Selbstbewusstsein“ davon ausgehe, dass ohne die verfasste Kirche Integration kaum gelinge. Sie fragte, wie die eigene Kirche ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt jenseits der Diakonie einschätze.

Unter der Überschrift einer „gastfreundlichen Kirche“ berichtete der Synodale Martin Steinke (Sprengel Osnabrück) und stellte die Frage, wie gastfreundlich die Kirche sei: „ Lasst uns immer wieder darüber reden, wie wir Menschen mitnehmen wollen, und auch über unseren Glauben reden.“

Die Synodale Maike Maren Selmayr (Sprengel Stade) betonte, das Leitbild gelte „auch in einer Katastrophensituation, aber auch in der Zwischenzeit“. In einer Arbeitsgruppe „Sieben Höchster-Themen“, in der sie mitwirke, werde Gastfreundschaft derzeit am stärksten diskutiert, ein Zertifizierungssystem für Kirchengemeinden sei in Arbeit.

Die Synodale Birgit Thiemann (Sprengel Lüneburg) widersprach deutlich: „Beim Thema Zertifizierung bekomme ich ein gruseliges Gefühl. Wir müssen eine gastfreundliche Kirche sein, auch ohne Stempel.“ Derr Synodale Bernd Rossi (Sprengel Hildesheim-Göttingen) mahnte eine andere Haltung an: „Vielleicht geht es uns noch viel zu gut – wir leiden global gesehen auf höchstem Niveau.“

Ökumenische Perspektiven hob der Synodale Jörg Zimmermann (Sprengel Lüneburg) hervor: „Wir müssen sehr viel mehr ökumenisch denken und unsere Hoffnung gemeinsam mit unseren katholischen Schwestern und Brüdern in die Welt tragen.“

Die Synodale Doris Feuerhake (Sprengel Hildesheim-Göttingen) fragte mit Blick auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt nach Meisters persönlicher Rolle. Und die Synodale Uta Giesel (Sprengel Hildesheim Göttingen) regte an, künftig rotierend „Tagungen mal in den Sprengeln“ abzuhalten. Bettina Siegmund (Sprengel Ostfriesland-Ems) dankte schließlich dafür, dass der Landesbischof in seinem Bericht immer wieder das Thema Klimaschutz aufgreife.

Im Schlusswort ging der Landesbischof auf Gastfreundschaft ein: „Ich danke für die vielen persönlichen Reaktionen auf das Thema Gastfreundschaft. Und ich glaube auch, Gastfreundschaft ist schwierig zu zertifizieren, sondern etwas, das entsteht.“ Es sei großartig, von Ökumene und von Vielfalt zu sprechen. Zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt betonte er den festen Platz der regelmäßigen Berichte im Kollegium des Landeskirchenamts. „Ich trage die Verantwortung für die Landeskirche; einer Kirche, die nach wie vor auf dem Weg ist und bei der wir eingestehen müssen, dass wir immer wieder Fehler machen.“

EMA