Landessynode will mehr Verbindlichkeit beim Klimaschutz in der Kirche

Nachricht 23. November 2022

Die hannoversche Landeskirche will mehr Solardächer auch auf ihren Kirchen. Dazu sollen Musterverträge erarbeitet werden. Landesbischof Ralf Meister rief vor der Synode zu zügigem Handeln auf. Es gehe auch um Glaubwürdigkeit.

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat mit Blick auf den Klimawandel dazu aufgerufen, zügig zu handeln. „Wir können alle etwas tun, um für eine bessere Zukunft dieser Welt das Mögliche beizutragen.“ Das gelte auch für seine eigene Landeskirche, sagte der evangelische Bischof am Mittwoch bei der Tagung der Landessynode in Hannover. Es erfülle ihn mit Scham, wie lange in der Kirche bereits über Solaranlagen auf Kirchendächern debattiert werde. „Wir haben 20 Jahre verschlafen.“ Photovoltaik müsse zur „Chefsache“ werden. Das Kirchenparlament hatte zuvor die Weichen für einen Ausbau der Gewinnung vom Solarstrom auf den Kirchendächern gestellt.

Mit großer Mehrheit beauftragte es das Landeskirchenamt in Hannover, zeitnah Musterverträge sowie eine Handreichung zur Errichtung von Photovoltaik-Anlagen zu erarbeiten, um ihren rechtssicheren und wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. „Es geht darum, konsequent und zügig alle Voraussetzungen für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern in unserer Landeskirche zu schaffen“, sagte die Vorsitzende des Umwelt- und Bauausschusses, Bettina Siegmund. Die Landeskirche verfüge über fast 8.000 Gebäude. Ein großer Teil der Dachflächen sei für die die Installation von Photovoltaik geeignet.

Bislang habe die Landeskirche ihre Emissionen im Gebäudesektor um etwa 30 Prozent reduzieren können, das reiche aber noch nicht, um dem Klimaschutz hinreichend Rechnung zu tragen. Quoten und mit Zielwerten versehenen Vorgaben erteilte Siegmund eine Absage. Sie könnten sich als unrealistisch hoch und demotivierend oder aber als zu niedrig und somit als zu geringer Ansporn erweisen. „Dennoch müssen wir den Klimaschutz in unserer Kirche verbindlicher gestalten“, betonte die Ausschussvorsitzende.

Eine Neuregelung des niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes macht es seit Oktober möglich, Solaranlagen zur Erzeugung von Strom oder Wärme auch auf historischen Kirchengebäuden zu installieren. Der Umweltreferent in der Landeskirche, Reinhard Benhöfer, rechnet deshalb mit vielen Anträgen von Kirchengemeinden. „Die Welle wird groß sein“, sagte er. Derzeit seien jedoch noch immer Genehmigungen des Denkmalschutzes nötig und Handwerker kaum zu bekommen, sodass es zu Verzögerungen kommen könne. Mittlerweile werde aber darüber diskutiert, den Gemeinden Fristen zu setzen, bis wann sie etwa prüfen müssen, ob Gebäude sich für Solaranlagen eignen und bis wann diese im Fall einer Eignung mit Photovoltaik auszurüsten sind.

Meister berichtete von Gesprächen mit der Protestbewegung „Letzte Generation“. „Es gibt viele junge Menschen, die mit Zivilcourage und mutigen Schritten Aufmerksamkeit schaffen und Empörung auslösen, weil sie daran erinnern, dass wir auf eine katastrophale Situation zulaufen“, sagte er. „Mich haben diese Gespräche sehr herausgefordert.“ Dabei gehe es um die Frage, wie extrem Widerstand werden dürfe. Im Fokus stehe aber auch, was diese Menschen von der Kirche erwarteten: „Mindestens doch konsequentes Handeln in den eigenen Reihen.“ Dabei gehe es auch um Glaubwürdigkeit. „Es ist schon viel passiert, aber noch lange nicht genug.“

Die Synode tagt bis zum Freitag im diakonischen Henriettenstift in Hannover. Die hannoversche Landeskirche ist mit insgesamt 2,3 Millionen Mitgliedern die größte evangelische Kirche in Deutschland. Sie umfasst drei Viertel der Fläche Niedersachsens.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen