Steinmeier: "Haus der Religionen" ist Symbol für ganz Deutschland

Nachricht 22. November 2022

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Montag die neu gestalteten Räume des „Hauses der Religionen“ in Hannover eröffnet. „Dieses Haus ist ein Symbol für ein vielfältiges, ein offenes, ein tolerantes Deutschland“, sagte Steinmeier bei einem Festakt vor rund 200 Gästen. „Es strahlt über Hannover hinaus, denn es spiegelt eine religiöse Vielfalt wider, wie wir sie nicht nur in den großen Städten in Deutschland haben, sondern längst auch in ländlichen Gebieten.“ Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, das Zentrum sei „eine Zierde für Stadt und Region und etwas, worauf das Land stolz ist“.

Das „Haus der Religionen“ ist das bundesweit erste und bisher einzige Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung, das von Vertretern fast aller großen Weltreligionen gemeinsam getragen wird. Dort stellen sich die Gemeinschaften der Christen, Juden und Muslime, der Hindus, Buddhisten und Bahai sowie der Aleviten, Jesiden und Humanisten vor. Ihr Ziel ist, Verständnis für andere Religionen und Weltanschauungen zu entwickeln. Seit 2005 ist die Einrichtung in einem früheren Kirchengebäude ansässig. Durch einen Umbau hat sich die Fläche in diesem Jahr auf rund 730 Quadratmeter verzehnfacht.

In der Begegnung verschiedener Religionen lauerten viele Konflikte und Feindbilder, die schnell in Hass und Gewalt umschlagen könnten, sagte Steinmeier. Deshalb sei es wichtig, dass Religionsvertreter respektvoll miteinander sprechen könnten, ohne sich gegenseitig abzuwerten und auszuschließen: „Die wechselseitige Akzeptanz und die Friedensfähigkeit der Glaubenslehren sind in einer Gesellschaft der Vielfalt ohne Alternative. Wir müssen darauf bestehen.“ Zuvor hatte Steinmeier an der Ordination von fünf Rabbinern in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover teilgenommen.

Prof. Dr. Wolfgang Reinbold, Vorsitzender des Trägervereins Haus der Religionen (von links), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die aus dem iran stammende Religionswissenschaftlerin Hamideh Mohagheghi und Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: Kathrin Riggert

Kernstück der neuen Räume im „Haus der Religionen“ ist eine Ausstellung über die neun Gemeinschaften. Sie stellen sich in kleinen, würfelförmigen Pavillons vor. Zahlreiche Schulklassen und andere Gruppen sollen künftig hier zu Gast sein und miteinander ins Gespräch kommen. Geplant sind zudem Vorträge, Konzerte, Diskussionen und Lesungen. Die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi betonte als eine der Mitinitiatorinnen der Einrichtung: „Achtung, Respekt und Wertschätzung - darum geht es in unserem neuen Haus.“

In den Räumen wird künftig auch der Bundeskongress der Räte der Religionen seinen Sitz haben, eine Vereinigung von Räten aus 65 Städten. Der Umbau kostete 1,26 Millionen Euro, getragen vor allem von Land, Stadt, der Klosterkammer und den Kirchen. Steinmeier betonte zum Abschluss seiner Rede: „Ich hoffe, dass diesem Haus in Hannover noch viele weitere in unserem Land folgen werden.“

epd Niedersachsen-Bremen

Das Haus der Religionen

Die ehemalige Athanasius-Kirche in Hannover ist umgebaut worden und Sitz des deutlich vergrößerten Hauses der Religionen. Foto: epd-Bild/Stefan Heinze
Die ehemalige Athanasius-Kirche in Hannover ist umgebaut worden und Sitz des deutlich vergrößerten Hauses der Religionen. Foto: epd-Bild/Stefan Heinze

Das „Haus der Religionen“ in Hannover ist das erste und bisher einzige Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung in Deutschland. Es wird von Vertretern fast aller großen Weltreligionen gemeinsam getragen. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1991 zurück: Während des zweiten Golfkriegs schlossen sich damals engagierte Frauen und Männer zu interreligiösen Gesprächskreisen zusammen. Hintergrund waren auch die fremdenfeindlichen Anschläge von Hoyerswerda, Mölln und Solingen.
In Hannover traf sich die Gruppe an wechselnden Orten, bis sie schließlich 2005 als Mieterin ein festes Domizil in der damaligen Athanasiuskirche fand. Hier unterhielt sie Büroräume und eine kleine Ausstellung, die von Schulklassen und anderen Gruppen besucht wurde.
Hinter dem „Haus der Religionen“ stehen die Gemeinschaften der Christen, Juden und Muslime, der Hindus, Buddhisten und Bahai sowie der Aleviten, Jesiden und Humanisten. Ihr Ziel ist, Verständnis für andere Religionen und Weltanschauungen zu entwickeln.
Im Herbst 2022 nahm die Einrichtung an ihrem bisherigen Standort neue, stark erweiterte Räume in Betrieb. Eine vergleichbare Bildungsstätte gibt es nach Angaben der Initiatoren seit 2014 nur in Bern. Zwar entsteht gerade in Berlin das „House of One“, doch dieses richtet sich nur an die monotheistischen Religionen. Finanziert wird das „Haus der Religionen“ langfristig vor allem von der Stadt Hannover und den Kirchen. Schirmherr ist Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne).