Autorin Nikola Huppertz mit Evangelischem Buchpreis geehrt

Nachricht 02. Juni 2022

Mit dem Evangelischen Buchpreis wird in diesem Jahr ein Jugendroman geehrt - noch dazu einer, den erst kein Verlag drucken wollte. Nikola Huppertz erzählt in "Schön wie die Acht" vom Erwachsenwerden eines Jungen, der ganz für die Mathematik brennt.

Nikola Huppertz_Ev. Buchpreis
Nikola Huppertz hält den mit 5.000 Euro dotierten Evangelischen Buchpreises 2022 für ihr Werk "Schön wie die Acht" nach der Verleihung am 01. Juni 2022 in der Marktkirche in Wiesbaden. Foto: Michael Schick (epd-Bild)

Wiesbaden, Hannover. Die in Hannover lebende Autorin Nikola Huppertz hat für ihren Roman „Schön wie die Acht“ am Mittwoch den Evangelischen Buchpreis 2022 erhalten. Die 46 Jahre alte Schriftstellerin nahm die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung bei einer Feierstunde in der Wiesbadener Marktkirche entgegen. „Jedes gute Kinderbuch ist auch ein gutes Buch für Erwachsene“, lobte die NDR-Literaturredakteurin Katharina Mahrenholtz das Werk in ihrer Laudatio.

Der Siegerroman, der im vergangenen Jahr im Münchner Verlag Tulipan erschienen ist, erzählt die Geschichte eines schüchternen, vor allem mit Mathematik beschäftigten Schülers an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Es gehe in dem Werk um die Veränderung des Elternbildes, um Freundschaft und Geschwisterliebe und darum, wie der ganz auf Mathe-Aufgaben fixierte Junge das erste Mal ein Mädchen wahrnehme, erklärte der Jury-Vorsitzende Christopher Krieghoff. „Schön wie die Acht“ sei auch deswegen preiswürdig, weil damit Menschen ins Zentrum gerückt würden, die normalerweise wenig Beachtung fänden. „Alles was in der Mathematik so herrlich eindeutig ist, wird plötzlich irgendwie unzuverlässig, interpretierbar“, sagte Mahrenholtz. Die Autorin nehme ihre Leserschaft ernst und zeichne kein idealisierendes, sondern ein realistisches Bild von Patchwork-Familien. Der junge Held des Buches erkenne schließlich, dass Gefühle sich nicht mit Logik erklären lassen.

„Ich habe im Vorfeld sehr für dieses Buch gekämpft, damit es erscheinen kann“, berichtete Huppertz über die Entstehungsgeschichte von „Schön wie die Acht“. Im Unterschied zu ihren vorigen Veröffentlichungen sei es ihr schwergefallen, einen Verlag zu finden, der den Roman drucken wollte. Jungen im Alter des Romanhelden würden sowieso nicht lesen, und niemand interessiere sich für Mathematik, habe es geheißen. Die Protagonisten seien erfunden, aber es gebe auch in ihrem Umfeld Jugendliche, die ähnlich seien wie ihre Romanhelden.

Huppertz wurde 1976 in Mönchengladbach geboren und lebt inzwischen in Hannover. Sie studierte Violine an der Folkwang-Hochschule Essen/Duisburg und Psychologie an der Humboldt-Universität in Berlin und war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Mit dem Manuskript zu ihrem Debütroman „Karla, Sengül und das Fenster zur Welt“ gewann sie den Literaturwettbewerb der Bonner Buchmesse Migration. Seitdem hat sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, Gedichte und Kurzprosa in Literatur-Zeitschriften sowie Geschichten für den Rundfunk veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 vom Evangelischen Literaturportal mit Sitz in Göttingen verliehen, dem Dachverband evangelischer öffentlicher Büchereien. Die Preisverleihung findet an wechselnden Orten statt.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte in Wiesbaden, mit dem Buchpreis würden Werke mit einer humanistischen Aussage ausgezeichnet, in denen Ideen vermittelt würden, „die Menschen frei werden lassen“. Meister ist Vorsitzender des Literaturportals. Die Preis-Jury wählte aus über 100 von Leserinnen und Lesern vorgeschlagenen Büchern auch zwölf weitere Titel für eine Empfehlungsliste aus.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen