Evangelisches Studienhaus Göttingen wird zur Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine

Nachricht Göttingen, 23. März 2022

Mehr als ein Dach über dem Kopf

Göttingen. Ungewöhnliche Umstände erfordern mitunter ungewöhnliche Maßnahmen. Als solche könnte die Umwandlung des Evangelischen Studienhauses in Göttingen zu einer Erstaufnahmestelle für Geflüchtete aus der Ukraine bezeichnet werden. Jedenfalls ging es schnell, noch bis zum Vorabend der symbolischen Schlüsselübergabe am Dienstag wurden etliche Zimmer eingerichtet, da bereits am Tag darauf die ersten neuen Bewohner einziehen sollten.

Die Initiative ging vom Intendanten des Deutschen Theaters, Erich Sidler aus. Das Theater nämlich sollte die Räumlichkeiten zum ersten April beziehen, nachdem die evangelische Landeskirche als Mieter bzw. Vermieter von Zimmern an Studierende aus der Aus- und Fortbildungseinrichtung auszog. Grundsätzlich hätte das Theater die Räumlichkeiten benötigt, wie Sandra Hinz, Geschäftsführerin des Deutschen Theaters, erläuterte, „doch es gibt jetzt Menschen, die sie dringender brauchen.“

So setzte man sich mit Pastorin Susanne Kruse-Joost, Geschäftsführerin und Studienleiterin des Studienhauses, mit der Stadt Göttingen sowie der  Reformierten Gemeinde, die wiederum Eigentümerin des Gebäudes ist, zusammen, um schnell ein Konzept zu entwickeln. Klingt kompliziert? War es wohl aber gar nicht, denn auch Baudezernentin Claudia Baumgartner und Pastor Uwe Zigan von der Reformierten Gemeinde stimmten schnell zu, dass es hier darum geht, Menschen in Not zu helfen und um nichts anderes.

So sind innerhalb kürzester Zeit etliche möblierte Wohneinheiten entstanden, zum Teil mit eigenem Bad, dazu Aufenthaltsräume mit Kicker, Tischtennisplatte etc. und sogar Computer werden bereitgestellt, damit die Geflüchteten die Chance habe, zu ihren Familien Kontakt zu halten. Susanne Kruse-Joost ist besonders wichtig, dass die Menschen, die alles hinter sich lassen mussten, hier in Deutschland nicht zuerst in einer Sporthalle oder anderen Notunterkunft einziehen, sondern in einem Haus, das sich für die erste Zeit nach einer Art Zuhause anfühlen kann.

„Wir hoffen, dass der Geist dieses Hauses auf die Menschen heilend wirkt“, sagt sie, denn schließlich kann ihnen im Moment niemand genau sagen, wie es für sie weitergeht, wann sie in ihre Heimat zurückkehren können oder was sie erwartet. Natürlich soll das Haus nur eine vorübergehende Unterkunft sein, das Integrationskonzept der Stadt Göttingen sieht vor, den Menschen aus der Ukraine eine dauerhafte Wohnung zu vermitteln, betont Claudia Baumgartner.
Anschließend gibt es das Foto für die Presse, bevor dann alle wieder an die Arbeit gehen, denn natürlich gibt es noch etliche Handgriffe zu tun und Willkommenskultur endet bekanntlich sowieso nicht mit der Bereitstellung eines Daches über dem Kopf.

Christian Dolle