Friedhelm Feldkamp ist der neue Diakoniepastor von Hannover

Nachricht Hannover, 27. Januar 2022

Diakonischer „Spirit“ in der Stadt

Hannover. Wenn Friedhelm Feldkamp am 1. März das Diakonische Werk in der Burgstraße betritt, beginnt „das, wofür ich immer gearbeitet habe“, sagt er mit sichtlicher Vorfreude. Der 60-jährige Theologe ist der neue Diakoniepastor Hannovers. Zugleich verantwortet er gemeinsam mit Lutz Jung die Geschäfte des Werkes. Pastor und Unternehmer sein, predigen und handelnd in die Welt eingreifen, das umreißt für Feldkamp das Profil seiner neuen Stelle. Erfahrung für diesen Balanceakt bringt der gebürtige Ostfriese reichlich mit.

Vor seiner Wahl in das diakonische Spitzenamt hat Feldkamp rund sechs Jahre als theologischer Direktor der Dachstiftung Diakonie gearbeitet, eine diakonische Einrichtung, die neben dem Stephansstift in Hannover noch an weiteren Standorten in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt tätig ist. Warmgelaufen hat sich der passionierte Motorradfahrer aber schon in seinen ersten Pfarrstellen in Schellerten und Barsinghausen. „Diakonie und Kirchengemeinde gehören fest zusammen“, sagt Feldkamp. So begann er in der Petrusgemeinde Barsinghausen mit dem Aufbau einer Gemeinwesen-Diakonie, die sich am Bedarf vor Ort orientiert und dort Hilfe anbietet. 2010 entstand der Petrushof, ein Wohnheim für Menschen mit seelischen Behinderungen, weitere diakonische Angebote folgten. „Wichtig für uns Kirchengemeinden in Barsinghausen war dabei die enge Zusammenarbeit sowohl mit der Stadt als auch mit dem Kirchenkreis“, sagt der Pastor.

Zusammenarbeit ist ein Wort, das im Gespräch überdurchschnittlich häufig fällt. Feldkamp sieht sich in einer Dienstgemeinschaft, nicht nur zwischen Kirchengemeinde und Diakonie, sondern auch im Diakonischen Werk selbst. Hohe Professionalität, Kompetenz und Erfahrung, nicht zuletzt aufgrund der vorhandenen Multireligiosität und-nationalität, zeichne die haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterschaft des Diakonischen Werkes aus, sagt er. Und dann ist da noch der „diakonische Spirit“, ohne den es nicht geht. „Schnell und unbürokratisch auf Notlagen reagieren, auch dort, wo die Finanzen und Strukturen noch geklärt werden müssen, das ist für mich wirklich Diakonie“, beschreibt Feldkamp. 

Auch wenn die Diakonie „gesellschaftlich sehr anerkannt und in der Stadt Hannover ein wichtiger und verlässlicher ‚Player‘ ist“, weiß der Pastor, dass herausfordernde Aufgaben auf ihn warten. Brennpunkte sind für ihn beispielsweise Obdachlosigkeit und Wohnungsmangel für Geringverdienende. „Hier haben sich die Notlagen verschlimmert“, sagt er. Bereits engagiert ist der Diakoniepastor in „Housing-First-Projekten“, doch „wir brauchen auch Angebote für Menschen, die durch alle Raster fallen, wie beispielsweise die wohnungslosen Osteuropäer“. Weitere diakonische Themen sieht er in bezahlbaren Pflegeheimen, in sozialverträglicher städtischer Quartiersentwicklung und in der Beratung. Not sehen und lindern, ist die eine Seite diakonischer Arbeit, doch „es ist auch unsere Aufgabe, die Ursachen sozialer Not öffentlich gegenüber Politik und Gesellschaft zu benennen“, sagt der ehemalige Barsinghäuser SPD-Ratsherr. Antrittsbesuche bei Bezirks- und Stadträten, Bürgermeistern und Leitenden kommunaler Einrichtungen hat der neue Diakoniepastor schon auf dem Arbeitszettel. 

Zettel hat er eigentlich immer dabei, aber darauf stehen nicht immer Aufgaben. Feldkamp ist leidenschaftlicher Zeichner und Cartoonist. Täglich mehrmals flitzt sein Stift übers Papier, das zunehmend auch sein iPad ist. „Humorvolle Kritzeleien sind für mich eine Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten, mich zu entspannen, auch Distanz zu gewinnen“, sagt Sisam Ben, so lautet sein Zeichner-Pseudonym. Dabei kommt ihm alles unter die Feder: impfunwillige Fußballstars, Ostfriesen, die ihre Teetrinkrechte einfordern, arbeitsmüde Pfarrer und arrogante SUV-Fahrer. Müssen Mitarbeitende und Gesprächspartner befürchten, sich mit Knollennase und Sprechblase abgebildet in seinem Skizzenbuch wiederzufinden? „Nun ja, das kann schon mal vorkommen“, gibt er zu. „Doch niemals persönlich und immer mit Respekt und einem kleinen Augenzwinkern“, fügt der Diakoniepastor, der sein Amt am Faschingsdienstag antritt, beruhigend hinzu.

Öffentlichkeitsarbeit im Stadtkirchenverband Hannover/ Sabine Dörfel