Vesperkirchen in Hannover starten mit guter erster Woche / Programm noch bis zum 3. Oktober

Nachricht Hannover, 23. September 2021

„So bunt wie das Leben, so bunt ist auch unser Programm"

Es sind keine ungewohnten, aber eben auch nicht alltägliche Gerüche und Bilder, die den Besuchern der Willehadi-Kirchengemeinde in Hannover in die Nase steigen und an den Augen vorbeiziehen. Kaffeeduft zieht durch die Gänge, der Blick schweift vorbei an Kuchen oder auch an deftigem Essen. Es sind besondere Tage, es ist Zeit für Vesperkirche, die seit letztem Sonntag und noch bis zum 3. Oktober erstmals in der Landeshauptstadt von gleich zwei Kirchengemeinden gefeiert wird – neben der Garbsener Willehadi-Kirche ist auch die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde dieses Jahr mit dabei. Dabei ist alles, was die Vesperkirche ausmachen soll – geselliges Beisammensein beim Essen, gepaart mit guten Gesprächen und vielfältigem Kultur- Programm obendrauf.

„Es ist eine gute Gemeinschaft", beschreibt Joachim Wiedenroth, Pastor der Nordstädter Kirchengemeinde, die ersten Tage in der Willehadi-Gemeinde. Ein buntes Programm sei es gewesen, mit kulturellem und auch unterhaltendem Anspruch. Letzteres dürfe auch nicht fehlen, Spaß müsse dabei sein. Und den habe man gehabt, gerade beim Tanzprogramm am zweiten Tag, „da hat der ganze Saal getanzt, das unter den Hygienebedingungen zu Corona-Zeiten ist schon was Schönes", beschreibt Wiedenroth die ausgelassene Stimmung mit einem Lächeln im Gesicht.
 
Es ist ein ambitioniertes Programm, dass in den beiden Gemeinden geboten wird. Die Spannweite ist groß, sie reicht von Spaß für Kinder bis hin zu seelsorgerischen und sozialen Angeboten für junge Menschen und Erwachsene. Und daraus Gemeinsamkeit entwickeln, das solle der Anspruch der Vesperkirche sein, sagt Wiedenroth. „Einen Ausgleich, ein Miteinander zu schaffen zwischen den sozialen Schichten". Gerade an einem sozialen Brennpunkt wie an diesem Ort rund um die Willehadi-Gemeinde sei das sehr wichtig. „Dass es hier entsprechende Angebote gibt werden die Menschen als hilfreich empfinden", so Wiedenroth.
 
Helfend dabei ist auch der 18-jährige Paul. Ehrenamtlich unterstützt er bei der Essensausgabe, verteilt Kartoffelbrei mit Kotböller und Preiselbeersauce an die hungrigen Besucher. Darunter auch viele, die sich eine solche Mahlzeit nicht oft oder gar nicht erlauben können – auch eine Zielgruppe der Vesperkirche. Paul findet diese Art von kirchlichem Leben ‚sehr cool‘ und hilft sehr gerne. Bald geht es ins Studium und bis dahin wollte er die Zeit noch sinnvoll nutzen. „Da war das hier optimal,“ erklärt Paul.
 
Ihm zur Seite steht Verena Pape, eine "Wiederholungstäterin" nach eigener Aussage. Früher selber als Kirchenvorsteherin in der Nordstadt aktiv im Gemeindeleben gewesen ist sie mittlerweile weggezogen, aber für die Vesperkirche komme sie gerne nach Hannover zurück, um ihre Mitstreiter beim Catering zu unterstützen, so Pape. „Gemeinsames Essen, gemeinsam mit Menschen am Tisch sitzen, das ist das Wichtigste, was es für mich gibt als Christin", sagt Pape über ihr Verständnis von Vesperkirche. Und der Einsatz von ihr und ihrem Team ist gefragt, an den ersten beiden Tagen habe man jeweils an die 90 Essen ausgegeben, berichtet sie. Am Montag seien viele Kinder da gewesen, die dann am Dienstag noch ihre Geschwister und Eltern mitgebracht hätten. Es steigere sich von Mal zu Mal.
 
Mit einer Version von Aschenputtel für Jungen hatte Annegret Birth-Frost ihren Teil zum Programm der Vesperkirche beigetragen. Die Märchenerzählerin trat vor 15 Kindern in einem Zirkuszelt auf dem Gelände der Willehadi-Gemeinde auf und lieferte quasi ihr poetisches Verständnis der Vesperkirche. Mit ihrem Erzählten wolle sie zeigen, dass die, die in der Asche leben auch Kräfte entwickeln können und mutig werden. „Mut machen, aufbrechen, in die Welt gehen, sich trauen", so das Ziel und ihr Appel. „Man muss losgehen und seine eigenen Fähigkeiten entwickeln", so Birth-Frost. Mit kleinen Zwischenfragen zu ihrer Geschichte hielt sie die Spannung aufrecht und das junge Publikum im Mittelpunkt des Geschehens. Erfreulich aus ihrer Sicht auch deswegen, weil die Jugend sehr viel Zeit in die sozialen Medien investiere und so das Interesse am Zuhören von Geschichten verliere, meint Birth-Frost. An diesem Nachmittag war das nicht der Fall.
 
Eine positive Bilanz der ersten Tage zog die Pastorin der Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde Anna Schwengber. Ein toller Anfang sei es gewesen und damit motivierend für alle. Das vielfältige Programm entspreche genau dem Anspruch der Vesperkirche, eine Gemeinschaft von ganz unterschiedlichen Menschen herzustellen, so Schwengber. Für jeden wolle man einen Anknüpfungspunkt anbieten. Für den einen sei es ein Comedyprogramm, für den nächsten ein klassischer Musikabend und für den anderen eine Talkrunde zum Thema "Alter", weil das eben grade aktuell sei. „So bunt wie das Leben, so bunt ist auch unser Programm. Und die Rückmeldungen der Besucher dazu sind durchweg positiv“, so Schwengber weiter. 
 
Im Übrigen erstrahle die Kirche in einem neuen Licht, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Innenraum wurde mit einer neuen und bunteren Beleuchtung ausgestattet. Das käme so gut an, dass man überlege, es so zu lassen, berichtet Schwengber. Und auch der Gottesdienst am Sonntagabend habe seine Befürworter gefunden. Die Leute fänden es besonders, zusammen an einem Tisch zu dieser Zeit zu sein. Helmuth Schön und seine Lebensgefährtin Renate Menzel, die schon bei der Grundsteinlegung der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche vor 40 Jahren dabei war, kommen oft und gerne hierher: „Wir genießen das gute Essen, die freundlichen Menschen und das bunte Kulturprogramm.“ Für die Zeit nach der Vesperkirche wünscht sich Pastorin Schwengber, dass die Menschen die Kirche so kennengelernt haben, wie sie ist. Dass man sie immer besuchen kann, immer willkommen ist, zu jeder Zeit. Ob fröhlich oder traurig, zum Reden oder auch für die Stille, gibt sich Schwengber hoffnungsvoll. Und dass die Menschen wissen, "dass Kirche ein offener und toller Ort ist, der ganz viel Hoffnung für das Leben macht, das würde ich mir wünschen." 

Stadtkirchenverband Hannover/ Nina Chemaitis