Neue Webseite für evangelische Medizinethik

Nachricht 26. Januar 2021

"Ein Schatz für medizinethische Fragen"

Dr. Anne-Kathrin Pappert ist Referentin für Bio-, Medizin- und Umweltethik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bild: Sven Kriszio

Dr. Anne-Kathrin Pappert ist Referentin für Bio-, Medizin- und Umweltethik Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und hat am Relaunch der Website ev-medizinethik.de mitgewirkt. Die Seite bietet Positionen, Stellungnahmen und Zusammenfassungen evangelischer Kirchen, der Diakonie und kirchlicher Einrichtungen zu medizinethischen Themen.

Frau Dr. Pappert, die Webseite ev-medizinethik.de ist überarbeitet und nun in neuem Design online. Wer sollte da unbedingt einmal draufklicken?
Pappert: „Alle, die sich im Zusammenhang mit Medizinethik die Frage stellen: ,Was sagt Kirche zum Thema…?‘ Wir bekommen viele Anfragen von kirchlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, von Seelsorgenden, aber auch Schülerinnen und Schülern und Studierenden, die zum Beispiel eine Fach- oder Seminararbeit zu einem medizinischen Thema schreiben. Die Webseite ist ein wahrer Schatz, um Texte zu finden und die Positionen der evangelischen Kirchen, diakonischen und weiteren Einrichtungen zu erschließen. Es geht dabei nicht um die theologische Debatte, wie sie an Unis geführt wird, sondern um die Sammlung offizieller Stellungnahmen und Zusammenfassung kirchlich diskutierter Themen.“

Die Website ev-medizinethik.de präsentiert sich in neuem Design.

Was ist das Neue an der Webseite nach dem Relaunch?
Pappert: „Wir haben die Seite zum einen optisch in die aktuelle Zeit befördert. Zum anderen ist die Systematik nun eine andere: Es liegt weniger der Fokus auf den rechtlichen Grundlagen, sondern mehr auf den ethischen Stellungnahmen. Diese entstehen oft im Zusammenhang mit politischen Debatten, Rechtsprechung oder Gesetzgebungsprozessen. Das kann man z.B. beim Assistierten Suizid, der Pränataldiagnostik oder Organspende sehen. Oft geht es um die Frage nach Individualität und Sozialität, um das Verhältnis von Selbstbestimmung und Solidarität. Die Fragen, vor die uns auch die Corona-Pandemie momentan in vielfältiger Weise stellt. Viele medizinethischen Fragen haben gerade Konjunktur.“
 
Wie blicken Sie persönlich als Forschende auf diese Entwicklungen?
Pappert: „Mir ist beim Bearbeiten der Webseite noch einmal klar geworden: Christliche Ethik nimmt ihren Ausgangspunkt immer bei der bedingungslosen und unverlierbaren Würde des Menschen in all seinen Lebensphasen. Gott hat uns unser Leben geschenkt und es uns anvertraut, um es verantwortungsvoll zu gestalten. Was das im Einzelnen genau bedeutet, ist aber nicht immer eindeutig. Pluralität ist ein Kennzeichen evangelischer ethischer Auseinandersetzungen. Die Webseite bildet diese Vielfalt der gut begründeten Meinungen ab. Ich finde es spannend, wie kontrovers auch innerhalb der evangelischen Kirche diskutiert wird und es oft nicht einfach ,die eine‘ Antwort gibt, sondern wie sehr auch um Positionen gerungen wird.“

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