Aktionstag für jüdisches Leben in Deutschland

Nachricht 09. Oktober 2020
Symbolbild_Judentum_Mann mit Kippa
Foto: Peter Jülich (epd-Bild)

Der 9. Oktober soll künftig bundesweit ein Aktionstag für jüdisches Leben werden. Mit einem solchen Programm wollen Bundesregierung, Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Initiative kulturelle Integration ein klares Bekenntnis zu jüdischem Leben in Deutschland ablegen. Diese Reaktion auf den ersten Jahrestag des Anschlages auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 begrüßt auch Ursula Rudnick, Referentin für Kirche und Judentum in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. “Den 9. Oktober zu einem Aktionstag jüdischen Lebens in Deutschlang zu machen ist ein gutes Vorhaben, das ich aus vollem Herzen unterstütze. Es ist wichtig, dass dies ein Projekt der jüdischen Community ist, das von der Politik gefördert und von der Zivilgesellschaft gestaltet wird.“ Der Verein „Begegnung-Christen und Juden. Niedersachsen“ werde sich wie auch viele andere Vereine im kommenden Jahr „sicher engagiert beteiligen“. 

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte am Donnerstag in Berlin den Plan des Aktionstages vorgestellt. Jüdisches Leben «ist hier, bleibt hier, lässt sich nicht vertreiben», sagte er.

In diesem Jahr startet die vom Deutschen Kulturrat mitgetragene
Initiative kulturelle Integration einen Fotowettbewerb, der Alltag
von Juden in Deutschland sichtbar machen soll. Zehn Fotos sollen
ausgezeichnet werden.

Das Bündnis „bunt statt braun“ in Hannover hat für Freitag, 9. Oktober, zu einer Mahnwache auf dem Opernplatz aufgerufen. Beginn ist um 16 Uhr. Als Gäste werden Alina Fejgin (Jüdische Einheitsgemeinde Hannover), Dr. Hilal Al-Fahad (Muslimische Gemeinde Hannover) und der stellver. Stadtsuperintendente Thomas Höflich (Sprecher des Rates der Religionen) sprechen. Die Moderation übernimmt Dr. Imke Hennemann-Kreikenbohm (DGB-Region Niedersachsen-Mitte).

Laut Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) soll der
Aktionstag jährlich am 9. Oktober ein Zeichen gegen Diskriminierung
und Antisemitismus setzen sowie die Selbstverständlichkeit jüdischen
Lebens in Deutschland deutlich machen. «Wir müssen das Bewusstsein
dafür schärfen, dass jüdisches Leben nichts Exotisches ist», sagte
sie.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte,
der Anschlag in Halle habe eindrücklich vor Augen geführt, «wie
fragil unser Leben ist». Die Mehrheit der Juden hierzulande sehe
seine Zukunft aber weiter in der Bundesrepublik. «Wir zweifeln nicht
daran, dass Deutschland unser Zuhause ist», sagte er.

Vor einem Jahr, am 9. Oktober 2019, hatte ein Attentäter aus
rechtsextremistischer Gesinnung heraus einen Anschlag auf die
Synagoge in Halle verübt. Beim Versuch, am jüdischen Feiertag Jom
Kippur in das Gotteshaus einzudringen, scheiterte er an der Tür der Synagoge und erschoss daraufhin eine 40 Jahre alte Passantin und in einem Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann. Der Täter steht seit Mitte Juli vor Gericht. 

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