Ein Bildband bietet neue Einsichten in die Mellendorfer Orgel

Nachricht 11. September 2020

Die „alte“ Orgel klingt wie ein neues Instrument

Mellendorf. „Der Unterschied ist eklatant und auch für Laien gut hörbar“, sagt Pastorin Silke Noormann aus der evangelischen St.-Georgs-Kirche in Mellendorf. Gemeinsam mit Organist Rolf Barth und Kirchenvorsteher Dr. Johannes Keymling sitzt sie in der ansonsten leeren Kirche und genießt den Klang der Orgel, die Kirchenkreiskantor Christian Conradi spielt. Es ist die „alte“ Orgel, die 1978 in St. Georg eingebaut wurde – sie klingt aber wie ein ganz neues Instrument.

Rolf Barth ist wohl derjenige, der die Mellendorfer Orgel am besten kennt: Seit 48 Jahren ist er als Organist in St. Georg tätig; seit ihrem Einbau vor 42 Jahren spielt er auf der Schuke-Orgel. „In diesen 42 Jahren hat sie nicht eine einzige Störung oder einen Ausfall gehabt – das ist etwas Besonderes“, erzählt er. Trotz des großen Lobes für seine Zuverlässigkeit übte Barth in den zurückliegenden Jahren jedoch auch vorsichtige Kritik an dem Instrument: Aus dem musikalischen Verständnis der 70er Jahre heraus hatte die Orgel eine sehr starke Höhenbetonung, einen übertrieben neobarocken Klang, wie Barth erläutert. „Ich habe bei den hohen, schrillen Tönen immer darauf gewartet, dass die Fenster anfangen zu klirren“, beschreibt es Pastorin Noormann etwas profaner.

Vor etwa drei Jahren begann der Mellendorfer Kirchenvorstand, über eine Grundreinigung der Orgel nachzudenken. Alle 20 bis 25 Jahre ist eine solche Reinigung nötig, um das Instrument und seinen Klang zu erhalten. Allerdings ist diese Maßnahme aufwändig und teuer: Die gesamte Orgel muss von Fachleuten auseinander gebaut werden, um Pfeifen und Mechanik sorgfältig zu reinigen. Christian Conradi, der als Orgelrevisor an den Überlegungen beteiligt war, gab damals einen weiteren Impuls in den Kirchenvorstand: Das Gremium möge doch überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, im Zusammenhang mit der Reinigung auch gleich die schon lange gewünschten Klangverbesserungen anzugehen.

Die folgende Diskussion im Kirchenvorstand war intensiv und kontrovers; immerhin ging es um einige zehntausend Euro. Nachdem die Entscheidung für die große Lösung – Reinigung plus Verbesserung der Klangqualität und der Spielbarkeit – schließlich gefallen war, zogen alle an einem Strang: „Abstimmung und Umsetzung liefen ganz hervorragend“, sagt Kirchenkreiskantor Conradi. Pastorin Noormann freute sich darüber hinaus über den großen Rückhalt, den das Projekt in der Gemeinde und im Dorf fand. Ein Großteil der Kosten in Höhe von rund 78.000 Euro konnte aus Spenden aufgebracht werden; die übrigen Kosten teilten sich Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche.

Im vergangenen Winter schließlich war es soweit: In viermonatiger Arbeit wurde das Instrument durch Mitarbeitende der Orgelbaufirma Jörg Bente gereinigt und neu gestimmt. „Zwei Register wurden durch neue Pfeifen ersetzt, die jeweils eine Oktave tiefer gestimmt sind“, erklärt Rolf Barth. Darüber hinaus wurde ein weiteres Register, das bislang im hinteren Orgelwerk eingebaut war, nach vorne gesetzt – dorthin, wo es hingehört, wie Rolf Barth sagt. „Romantische Stücke klingen jetzt sehr viel besser“, hat er in Übereinstimmung mit Christian Conradi festgestellt. Das Spielen auf der „neuen“ Mellendorfer Orgel macht ihm auch noch aus einem anderen Grund viel Freude, spornt ihn regelrecht an: „Sie hat jetzt, nach der Sanierung, eine wunderbare Spielmechanik“, bescheinigt er dem Instrument. Das werde zukünftig auch den Orgelkonzerten in St. Georg, die eine 15-jährige Tradition haben, sehr zugute kommen.

Johannes Keymling, Kirchenvorsteher und Hobby-Fotograf, ist im Laufe der Mellendorfer Orgelsanierung selbst zum Fachmann geworden: Über Monate fertigte er unzählige Detail- und Übersichtsfotos an, dokumentierte alle Arbeitsschritte an dem Instrumente und gleichzeitig die Schönheit von Pfeifen und feiner Mechanik. „Am Anfang habe ich gar nicht gewusst, was ich da fotografiere“, erzählt er. Doch das änderte sich bald: „Wir sind schon sehr ins Detail gegangen.“ Heute weiß Keymling sehr genau, was auf seinen Bildern zu sehen ist – und er hat in Zusammenarbeit mit Rolf Barth ein Buch daraus gemacht. „Der Fotograf wollte immer genauer wissen, was er eigentlich fotografiert hat und der Organist hat geduldig erklärt“, heißt es im kurzen Nachwort des Buches. So entstand aus der eigentlich geplanten schmalen Broschüre ein mehr als 90-seitiger Bildband mit wunderbaren Fotos und einfühlsamen, verständlichen Texten unter dem Titel „Die Orgel der Sankt-Georgs-Kirche in Mellendorf – neue Einsichten“.

Das Buch sei als Dankeschön für all diejenigen gedacht, die das Orgelprojekt unterstützt hätten, sagt Keymling. Käuflich zu erwerben ist es nicht, Interessierte bekommen es jedoch im Mellendorfer Gemeindebüro. Vielleicht, so die stille Hoffnung der Beteiligten, denken manche beim Abholen des Buches dann auch daran, dass die Kirchenmusik weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen