Früherer sächsischer Landesbischof Johannes Hempel gestorben

Nachricht 24. April 2020
Der sächsische Altbischof Dr. Johannes Hempel (Archivbild von 2016). Bild: Matthias Rietschel/epd-bild

Dresden/Hannover. Evangelische Kirchenvertreter haben den verstorbenen langjährigen sächsischen Landesbischof Johannes Hempel als herausragende Persönlichkeit und Experten für Ökumene gewürdigt. Aus seinem Leben sei Segen "für so viele Menschen und unsere ganze Kirche erwachsen", erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Freitag in Hannover. Er habe "immer um eine authentische Kirche" gerungen.

Hempel war am Donnerstag in Dresden im Alter von 91 Jahren gestorben. Der promovierte Theologe stand von 1972 bis 1994 an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. In einer für das Zusammenwachsen der Kirche im Osten und Westen Deutschlands "besonders wichtigen Phase" sei er 1991 als erster ostdeutscher Landesbischof stellvertretender Vorsitzender des ersten Rates der wiedervereinigten EKD geworden, sagte Bedford-Strohm.

Hempel war Leitender Bischof der VELKD in der DDR und ab 1982 Vorsitzender der Konferenz der ostdeutschen Kirchenleitungen. "Wir gedenken seiner mit Achtung und großem Dank", erklärte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister. In zahlreichen Funktionen habe er seinen Dienst "mit viel Engagement und Leidenschaft, mit Gottvertrauen und geistlicher Wirkkraft" ausgeübt. "Als Landesbischof der hannoverschen Landeskirche spreche ich unseren Geschwistern in unserer sächsischen Partnerkirche unsere Anteilnahme aus."

Der sächsische evangelische Landesbischof Tobias Bilz bezeichnete ihn als "eine Autorität", deren "große Stärke" es war, "schwierige Situationen zu ordnen und das wegweisende Wort zu sprechen". Schon 1975 wurde Hempel Mitglied des Zentralausschusses und des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf.

Von 1983 an war er einer der sieben internationalen Präsidenten des ÖRK und von 1991 bis 1997 stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Unter großen Herausforderungen habe Hempel in unterschiedlichen politischen Systemen Kirchengeschichte gestaltet und geprägt, erklärte Meister. Die Verkündigung des Evangeliums in klaren Worten sowie sein Engagement für Demokratie und Frieden seien ihm stets ein großes Anliegen gewesen.

Hempels Nachfolger im sächsischen Bischofsamt, Volker Kreß, würdigte den Verstorbenen als "eine bedeutende Persönlichkeit", die besonders in den dramatischen Zeiten vor und nach 1989 "mit großer geistlicher Vollmacht gewirkt und wichtige Impulse gesetzt" habe. Der frühere sächsische Landesbischof Jochen Bohl lobte Hempel als einen Theologen, "der das politische Handeln der Kirche unter den schwierigen Bedingungen in der DDR immer auf exzellente Weise theologisch begründet habe."

Hempel wurde 1929 im ostsächsischen Zittau geboren und studierte zunächst in Tübingen Philosophie, Germanistik und Geschichte. 1950 entschied er sich in Heidelberg zusätzlich für das Theologiestudium und wechselte 1951 an die Kirchliche Hochschule Berlin.

Er wurde Pfarrer in Gersdorf im damaligen Kirchenbezirk Glauchau. Von 1963 bis 1967 war er Studentenpfarrer in Leipzig.

Hempel war für seine direkte, unkomplizierte Art bekannt. Immer wieder benannte er in seiner Amtszeit Ungerechtigkeiten des SED-Regimes und rief zu unbedingter Gewaltlosigkeit auf - so auch während der friedlichen Revolution.

epd