Landesbischof Meister: Gedenkstätten sind bleibende Wundmale im Land

Nachricht 15. April 2020

Bergen-Belsen/Kr. Celle. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister haben an die Opfer des vor 75 Jahren befreiten Konzentrationslagers Bergen-Belsen bei Celle erinnert. "Wir trauern um die vielen Frauen, Männer und Kinder, die in den Jahren 1940 bis 1945 hier mitten in Niedersachsen ums Leben gekommen sind", sagte Weil am Mittwoch in Hannover. Zugleich mahnte der Regierungschef: "Wir Deutschen müssen alles dafür tun, damit nie wieder Menschen anderen Menschen so unermessliches Leid zufügen."

Landesbischof Meister betonte die Bedeutung von Gedenkorten an die NS-Verbrechen. Sie legten Zeugnis ab von einem menschenverachtenden Terrorregime, sagte der evangelische Theologe: "Es sind bleibende Wundmale in unserem Land." Es gehöre zu den Aufgaben der Kirche, die Erinnerungen daran zu bewahren, um demokratische Werte in Gemeinden, Familien und Schulen zu stärken.

Das Lager Bergen-Belsen war am 15. April 1945 von britischen Truppen befreit worden. Dort starben während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und mehr als 52.000 KZ-Häftlinge an Hunger und Seuchen, durch Übergriffe der SS oder an den Folgen der Haft. Zu den Opfern gehörte auch das durch sein Tagebuch später weltberühmte jüdische Mädchen Anne Frank (1929-1945).

Auch mehrere Landtagsfraktionen erinnerten an die Opfer von Bergen-Belsen. Für die CDU wies Fraktionschef Dirk Toepffer zugleich auf die zunehmende rechtsextreme Gewalt in Deutschland hin: "Wir müssen weiter alles dafür tun, dass die Geschichte sich nicht wiederholt. Die Erinnerung darf niemals enden, sie ist unser Auftrag."

FDP-Fraktionschef Stefan Birkner betonte, dass Rechtsextremismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit in jeder Form bekämpft werden müssten. Für die SPD sagte Fraktionschefin Johanne Modder, es sei kaum zu ertragen, wenn jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger auch 75 Jahre nach dem Holocaust Anfeindungen, Hass und Gewalt erlebten.

Das Land Niedersachsen will an diesem Sonntag (19. April) mit einer Gedenkveranstaltung an den Jahrestag erinnern. Wegen der Corona-Pandemie kann sie nur in kleinem Rahmen stattfinden. Gemeinsam mit dem jüdischen Verbandsvorsitzenden Michael Fürst, Gedenkstätten-Leiter Jens-Christian Wagner und mehreren Landesministern will Ministerpräsident Weil in der Gedenkstätte Kränze niederlegen. Die ursprünglich geplante Feier mit rund 5.000 Gästen, darunter etwa 120 Überlebenden, wird ins nächste Jahr verschoben.

Die britischen Truppen fanden bei der Befreiung rund 50.000 zum großen Teil ausgehungerte und durch Krankheiten gezeichnete Menschen vor, zudem rund 10.000 unbestattete Leichen. Trotz großer Bemühungen des britischen Roten Kreuzes starben auch nach dem 15. April 1945 noch etwa 14.000 Menschen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen