Bedford-Strohm ruft zu Zuversicht an Ostern auf - EKD-Ratsvorsitzender sieht «Revolution des Mitgefühls» in Corona-Krise

Nachricht 09. April 2020

«Ostern fällt nicht aus!» - das betonte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm an Gründonnerstag. Vielleicht feierten es die Menschen in Zeiten der Corona-Krise kraftvoller als sonst. Die Botschaft der Hoffnung sei jetzt besonders wichtig.

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Heinrich Bedford-Strohm, Bild: Norbert Neetz, epd-bild

Frankfurt a.M.. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat vor den Osterfeiertagen zur Zuversicht aufgerufen. Ostern falle wegen der Corona-Pandemie nicht aus, «wir werden es vielleicht kraftvoller denn je feiern», sagte Bedford-Strohm am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

Wenn sich die Gesellschaft in dieser Krise bewähre, gehe man möglicherweise gestärkt daraus hervor, er sehe dafür viele Anzeichen.

Die Kirchen wollten Ostern allerdings auch nicht über die Köpfe derjenigen hinweg feiern, die jetzt leiden, fügte Bedford-Strohm hinzu, der auch bayerischer Landesbischof ist. An was an Karfreitag gedacht wird, nämlich an das Leiden und Sterben Jesu Christi, «das ist eine Erfahrung, die die Menschen genau jetzt machen». Viele Menschen hätten zudem eine «Erfahrung der Gottverlassenheit» auf den Intensivstationen, bei Todesfällen in den Familien, bei Beerdigungen im kleinsten Kreis ohne enge Freunde oder bei Menschen, die ihre wirtschaftliche Existenz zu verlieren drohen.

Er hoffe auf eine solidarischere und bewusstere Gesellschaft nach der Corona-Krise, sagte Bedford-Strohm im Deutschlandfunk Kultur. Er sehe bereits eine «Revolution des Mitgefühls», ähnlich wie im Jahr 2015, als es um Flüchtlinge ging. Viele spürten jetzt den Wert von sozialen Beziehungen und den Wert einer solidarischen Gesellschaft.

Er hoffe, dass man diese Einstellungen auch nach der Krise beibehalten könne, betonte Bedford-Strohm. «Wir müssen wirklich auch materiell bereit sein, die Lasten dieser Krise miteinander zu tragen.»

Bedford-Strohm erinnerte auch an den 75. Jahrestag der Ermordung Dietrich Bonhoeffers. Am 9. April 1945, einen Monat vor Kriegsende, wurde der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Das Gottvertrauen von Bonhoeffer könne in diesen Zeiten ein Vorbild sein.

Der EKD-Ratsvorsitzende fordert zudem eine umgehende Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln und die Verteilung der Menschen in Europa. «Es ist ein richtiger Schritt, dass jetzt endlich 50 Kinder kommen können. Aber es ist viel zu wenig», sagte er der in Heidelberg erscheinenden «Rhein-Neckar-Zeitung» (Donnerstag) zum Beschluss der Bundesregierung vom Mittwoch. «Wenn sich das Coronavirus in dem völlig überfüllten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ausbreitet, hätte das dramatische Folgen», warnte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.

epd