Ein Telefonat zu Corona mit... Liesa Krüger, Kitaleiterin in Notbetreuung

Nachricht 08. April 2020

Die meisten Kitas sind geschlossen - manche erhalten jedoch eine Notbetreuung aufrecht. Wie funktioniert das? Liesa Krüger leitet die Johanniter-Kita "Weltkinder" und spürt Dankbarkeit der Eltern, aber auch große Unsicherheit.

Hallo Frau Krüger, Sie sind in Ihrem Büro, fast wie immer. Statt des normalen Alltags bieten Sie aber nun Notbetreuung für die Kinder. Wie sieht das aus?

„Offiziell ist die Kita Weltkinder geschlossen und es ist keine Normalität zu spüren - auch wenn viele Kinder Anspruch auf die Betreuung haben. Die meisten Eltern arbeiten bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie sind dankbar, dass wir die Notbetreuung ermöglichen. Wir sind aber wirklich das letzte Mittel, wenn es gar nicht anders geht. Das wissen die Eltern auch und schicken ihre Kinder nicht „unnötig“ her, sondern reflektieren die Lage sehr gut.“

Wie sieht es nun in Ihrer Kita aus, können die Kinder normal spielen?

„Wir versuchen, die Tage so normal wie möglich zu halten. Oft gibt es schon so viele Veränderungen im Familienleben, da sollen hier nicht noch unnötig mehr dazukommen. Ein bisschen was hat sich aber natürlich verändert: Das Frühstück zum Beispiel findet auch nur noch in den kleineren Gruppen statt und Spielen geht auch nur noch in den Stammgruppen. So wollen wir die Gruppen möglichst klein halten, um das Risiko einer Ansteckung für Kinder und Mitarbeiter*innen gering zu halten. “

Wie gehen die Kinder damit um?

„Ich denke, sie verstehen schon, dass es eine besondere Situation ist und sie nicht einfach durch die Räume flitzen können, wie sonst: Wir haben zum Beispiel ein Atelier und eine Werkstatt – da gehen die Erzieher*innen nun gezielt mit ihren Gruppen hin, nicht mehr einzelne Kinder. Sie merken das natürlich und sagen so etwas wie ,Oh, dieses Corona!‘, wenn etwas anders ist als sonst.“

Wie ist die Stimmung unter Ihren Mitarbeiter*innen?

„Tatsächlich gut. Ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass viele froh sind, überhaupt arbeiten zu können. Das ist wie ein Privileg, wo so vielen andere in Kurzarbeit sind, nur noch Homeoffice machen können oder sogar ganz arbeitslos werden.“

Und für Sie persönlich – wie bekommen Sie den Alltag hin?

„Ich bin regelmäßig hier im Büro – ich möchte ansprechbar sein, für die Mitarbeiter*innen und Eltern. Wir halten natürlich Abstand; genau dadurch sind wir emotional noch näher zusammengerückt. Der Austausch auch mit anderen Johanniter-Kitas war vorher schon da, hat sich jetzt aber intensiviert. Es ist eine Situation, die keiner von uns kennt, die es so noch nie gab. Aber ich denke, mit Ruhe und Zuhören haben wir schon viel erreicht und kommen da durch.“

Christine Warnecke

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Ein altes Telefon (Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay)
Ein altes Telefon (Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay)

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