Jugendliche helfen Obdachlosen mit „Liebesattacken“

Nachricht 18. Februar 2020

207 Tüten für den Hamburger Gabenzaun gepackt.

Sie packen dicke Pullover, wetterfeste Jacken, Hosen, Decken und Schlafsäcke in transparente Tüten. Auf jede Tüte wird ein Zettel mit dem genauen Inhalt geklebt. 207 Tüten haben Jugendliche der Evangelischen Jugend Neu Wulmstorf-Elstorf in dieser Woche im Gemeindehaus gepackt - für Obdachlose in Hamburg. Sie nennen ihre Aktion „Liebesattacken“. Zum ersten Mal bringen sie die Tüten sowie Hygieneartikel am 20. und 28. Februar zum „Hamburger Gabenzaun“ am Heidi-Kabel-Platz hinter dem Hauptbahnhof. „Die Jugendlichen sehen in Jesus ein Vorbild, der genau da war, wo kein anderer war und wo Hilfe nötig war. Sie wollen den Obdachlosen helfen, davon erzählen und andere Menschen damit anstecken, Gleiches zu tun“, sagt Niklas Nadolny, Diakon der Nachbarschaft Neu Wulmstorf-Elstorf. 

Der Hamburger Gabenzaun ist ein sozialer Spendenzaun am Heidi-Kabel-Platz am Hamburger Hauptbahnhof. Er steht auf öffentlichem Grund und wird vom Bezirksamt geduldet. Mit dem Verein hat Niklas Nadolny besprochen, was gebraucht wird: „Jetzt werden warme Kleidung vorwiegend für Männer und Hygieneartikel benötigt“, sagt Alina Menne. Sie ist in der Ev. Jugend Neu Wulmstorf-Elstorf aktiv und hat schon mehrfach benötigte Kleidung mit der „Freiwilligen-Hilfe-Idee“ (FH-Idee) der Berufsbildenden Schule Buxtehude zum Gabenzaun gebracht. Beide Gruppen fahren gemeinsam zum Gabenzaun. Neben Kleidung nehmen sie Hygieneartikel mit: „Die Kollekte unseres Jugendgottesdienstes ergab 90 Euro, davon haben wir etwa Zahnpasta, Toilettenpapier, Duschgel oder Shampoo gekauft“, sagt Niklas Nadolny. 

Beim Packen gibt Alina Menne Tipps und erzählt von ihren Erfahrungen am Gabenzaun. Sie weiß, dass die Jugendlichen unsicher sind, wie sie die Obdachlosen ansprechen sollen: „Zuerst weiß man nicht, was man fragen oder sagen soll. Die Obdachlosen sind rücksichtsvoll, sie kommen meist auf uns zu, freuen sich und danken uns“, sagt Alina. Nach ihren ersten Besuchen empfand es als Privileg, abends zu duschen und im warmen Haus zu essen und zu schlafen. „Da geht einem vieles durch den Kopf. Daher werden Niklas und ich nach den Besuchen mit den Jugendlichen noch sprechen und sie fragen, wie es ihnen erging.“ 

Gibt es beim Abnehmen der Tüten Drängeleien, dann schreiten Zaunhelfer ein. „Ich kann es verstehen, es geht ums Überleben für diese Menschen im kalten Winter. Wer bekommt feste Schuhe, wer die dicke Jacke?“, sagt Alina Menne. Erschreckt haben sie die abwertenden Blicke mancher Passanten. „Die guckten uns mitleidig an, so als könnten sie sich nicht vorstellen, dass Jugendliche Obdachlosen helfen.“ Niklas Nadolny hofft, dass auch Jugendliche anderer Kirchengemeinden sich diese oder ähnliche Hilfsaktionen suchen. „Im Vorgespräch zu unserer Aktion sagten die Jugendlichen, dass Jesus ein Vorbild für sie sei. Er hatte auch Menschen am Rande der Gesellschaft geholfen. Das ist ihre Motivation“, sagt Niklas Nadolny.

Carolin Wöhling