Filmtipp: Ein verborgenes Leben – Terrence Malick

Nachricht 31. Januar 2020

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ Apostelgeschichte 5.26

Ein neuer Film des amerikanischen Kult-Regisseurs Terrence Malick? Über einen österreichischen Bauern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus? Und das mit einem großen Staraufgebot des deutschsprachigen Films (August Diehl und Valerie Pachner in den Hauptrollen, Bruno Ganz in einer seiner letzten Rollen, Jürgen Prochnow, Martin Wuttke, Franz Rogowski, Alexander Fehling, Ulrich Matthes)? 
Das lässt aufhorchen, macht neugierig.

„Ein verborgenes Leben“ zeigt die letzten Jahre und  Monate des Lebens von Franz Jägerstätter. Dieser hat tatsächlich St. Radegund (nördlich von Salzburg) als Bergbauer gelebt. Er war verheiratet, Familienvater und hat im Zweiten Weltkrieg den Kriegsdienst verweigert. Am 9. August 1943 wurde er 36-jährig in der Nähe von Berlin hingerichtet.

Der Film beginnt als große Feier der Liebe einer Frau und eines Mannes und ihres Familienlebens. Die Kamera (Jörg Widmer!) ist immerzu in Bewegung. Sie schwebt  um die Glücklichen herum, lässt uns Teil haben an ihrem Glück.

Doch der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der bald schon beginnende Zweite Weltkrieg werfen ihre Schatten auf das Leben in den österreichischen Bergen. Immer mehr Einfluss bekommen die Nationalsozialisten auf das Leben im Dorf. Immer widerständiger wird Franz Jägerstätter. Dort erfährt er deshalb Ablehnung. Auch der Priester ermutigt ihn nicht in seiner Haltung.  Als Jägerstätter schließlich zum Militärdienst eingezogen wird, verweigert er den Treueeid auf den Führer. Er verbringt die nächsten Wochen in mehreren Gefängnissen, er erleidet Folter und Gewalt, in Berlin wird ihm der Prozess gemacht, schließlich wird er zum Tode verurteilt.

Was motiviert ihn? Franz Jägerstätter ist in seinem katholisch geprägten christlichen Glauben tief verwurzelt. Davon geben die erhaltenen Briefe an seine Frau und seine persönlichen Aufzeichnungen in den Gefängnissen Zeugnis. Sie zu lesen sind berührend. Und daraus lässt der Regisseur Terrence Malick immer wieder zitieren – als Stimme aus dem „Off“.  In dem Film ist diese Stimme aus der nicht-sichtbaren Welt wahrlich eine Stimme des Gewissens.

Franz Jägerstätter wusste, was er tat. Er musste von Beginn an mit seinem Tod rechnen.

Ein Film von hoher Aktualität. Wie weit gehen wir im Einsatz gegen menschenfeindliche und rassistische Mächte, wenn wir unserem Gewissen folgen? Zu welchem Risiko und Opfer sind wir bereit?

Die Kamera bewegt sich um die Protagonisten, die religiös geerdeten Texte aus der Feder von Franz Jägerstätter, fließende Musik – ein Film, der selbst zu einer Medition wird, gar zu einem religiösen Erleben werden kann.

Ein Film, der vermutlich  polarisieren wird.

Der ökumenischen Jury der Kirchen beim Filmfestival in Cannes 2019 hat der Film gefallen, sie verlieh ihm den Ökumenischen Preis.  Aus der Begründung:

„Die hohe Qualität des Films in Regie, Schnitt und Drehbuch bringt zum Ausdruck und ergründet die schwierigen Herausforderungen, die diese Entscheidung für das Gewissen der Person bedeutet. Malick erzählt eine Geschichte von universaler Bedeutung darüber, dass die Entscheidungen, die wir treffen, alle irdischen Sorgen übersteigen, wenn wir unserem Gewissen folgen.“

Pastor Dietmar Adler/ Jury-Coordiantor INTERFILM