Diakonie: Lage der Flüchtlinge auf griechischen Inseln ist unhaltbar

Nachricht 09. Oktober 2019

Hannover. Die Diakonie in Niedersachsen drängt nach der Einigung von mehreren EU-Ländern über die vorübergehende Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen auf weitere Veränderungen der europäischen Migrationspolitik. Die seit drei Jahren "höchst bedenkliche Situation in den Hotspots der griechischen Inseln" und der anhaltende Rückzug aus der Seenotrettung erforderten nicht nur kurzfristige Maßnahmen, sondern eine grundlegende Systemüberprüfung, sagte Diakonie-Vorstand Hans-Joachim Lenke am Dienstag in Hannover: "Wir dürfen dem Sterben auf dem Mittelmeer und der menschenunwürdigen Unterbringung in Lagern nicht tatenlos zusehen."

"Menschlichkeit zeichnet sich darin aus, wie der Umgang mit Menschen in Not und Verzweiflung ist, unabhängig davon, woher jemand stammt, welchen Pass er oder sie hat und welche Sprache gesprochen wird", sagte Lenke weiter. Dass Geflüchtete in Zelten Wind und Wetter trotzen müssten und auf engstem Raum hausten, ohne auf eine Veränderung ihrer katastrophalen Situation hoffen zu können, sei eine "elementare Anfrage an Christenmenschen in ganz Europa".

Auf den griechischen Inseln Chaos, Lesbos, Samos, Leros und Kos lebten seit 2015 eingereiste Schutzsuchende, die entweder bis zum Abschluss des Asylverfahrens oder zu ihrer Rückführung in die Türkei die Inseln nicht verlassen könnten. Die vereinbarte Umsiedlung in weitere EU-Staaten erfolge sehr schleppend und nicht im versprochenen Umfang, so dass die individuelle Not der Menschen und die Überforderung der griechischen Behörden weiter zunähmen. Dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nun die unhaltbare Situation zum Anlass nehme, die Sicherung der EU-Außengrenzen als Unterstützung für Griechenland zu fordern, sei nur schwer nachvollziehbar.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen