Empfang des Kirchenkreises Harzer Land mit Vortrag zur Mobilität im ländlichen Raum

Nachricht 30. September 2019

„Es könnte sein, dass wir mit weniger Verkehr glücklicher wären“

Clausthal. Während es bei der Landeskirche in Hannover dieser Tage ums Klima und um Fridays for Future ging, ist in den Kirchenkreisen in Südniedersachsen das Thema der abgehängten ländlichen Räume vielleicht sogar noch dringender. Daher war beim Empfang des Kirchenkreises Harzer Land im ehemaligen Oberbergamt in Clausthal auch Prof. Dr. Helmut Holzapfel vom Zentrum für Mobilität der Universität Kassel als Redner eingeladen. Der wiederum machte deutlich, dass beide Themenkomplexe durchaus zusammenhängen.

Bevor Superintendent Volkmar Keil die zahlreichen Gäste aus Kirche und Politik begrüßte, begann der Abend in Zellerfeld mit der Finissage der Fotoausstellung, die in den Workshops von Dr. Sybille Fritsch-Oppermann entstanden war, und mit Musik des musikalischen Nachwuchses. Die musikalische Umrahmung des Empfanges im weißen Saal des Oberbergamtes übernahmen dann Kirchenkreiskantor Jörg Ehrenfeuchter und Dr. Stephan Kienzle.

Superintendent Keil machte in seiner Begrüßung deutlich, dass dieser Empfang ganz bewusst nicht in kirchlichen Räumen stattfindet, da er Menschen ins Gespräch über die Gesellschaft bringen soll, in diesem Fall eben über Mobilität, ländliche Räume und darüber, dass wir heute nicht mehr nur auf unser eigenes Dorf bezogen leben.

Bürgermeisterin Britta Schweigel setzte in ihrem Grußwort den demografischen Wandel, E-Mobilität und die Digitalisierung in Beziehung als Handlungsfelder, mit denen sie politisch zu tun hat und die manchmal dazu führen, dass Menschen behaupten, früher sei alles besser gewesen. Für sie hingegen sind all dies Zeichen dafür, dass wir am Beginn eines neuen, viel enger vernetzten  Zeitalters leben, das es nun zu gestalten gilt.

Die Vernetzung zeigt sich vielen erst einmal durch zahllose Straßenbauprojekte, so begann Prof. Dr. Holzapfel und machte mit einer mitgebrachten Liste deutlich, wie viele es tatsächlich sind. Doch das allein sei es nun einmal nicht, vielmehr gehe es um Teilhabe, also um die Gestaltung des Lebens vor Ort. Im Moment würden Einrichtungen immer größer und sind dementsprechend weiter weg, machte er deutlich.

„Doch es könnte sein, dass wir mit weniger Verkehr glücklicher wären“, sagte er und plädierte dann vehement dafür, Strukturen im Kleinen zu erhalten bzw. wieder aufzubauen. Hier seien technische Lösungen gefragt, doch am Ende sei dies auch im Sinne der Schadstoffbelastung und des Klimas. Ein Drittel des Mikroplastiks in unseren Meeren, so führte er aus, stammten vom Reifenabrieb auf den Straßen. Daher sei ein Umdenken dringend erforderlich, wie es die jüngere Generation ja auch derzeit fordert.

„Weniger Verkehr kann mehr Qualität bedeuten“, betonte er, einige Städte beweisen das durch innovative Konzepte. Zudem mache uns das resilienter gegen Krisen. Und auch in ländlichen Räumen gebe es durchaus Mittel und Wege, die Strukturen zu verändern. Natürlich werden hier Autos gebraucht, um zur Arbeit zu kommen, doch seiner Meinung nach könnten eng getaktete Busse vieles auffangen. „Es mag sein, dass die Busse nachts leer sind“, ging er auf ein stetiges Gegenargument ein, „aber das sind die Straßen hier um die Zeit ebenso.“

Mit dem Angebot, so ist er überzeugt, würde auch die Nachfrage steigen, der ländliche Raum habe also durchaus Chancen für diesen Mobilitätswandel. Natürlich koste das Geld, doch angesichts des Klimawandels müsse das ausgegeben werden, ist er überzeugt. In diesem Zuge müssten vor allem auch die Transportkosten für Waren teurer werden, die momentan – wie ein Joghurt beispielsweise – durch die halbe Welt gefahren werden, bevor sie bei uns im Supermarktregal landen. „So können wir nicht weitermachen“, schloss er und regte damit nicht nur für diesen Abend noch viele Diskussionen zu diesem Thema an.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land