Regionalbischöfin verurteilt Antisemitismus und Judenhass

Nachricht 19. August 2019

Hannover/Burgdorf. Die hannoversche Regionalbischöfin Petra Bahr hat Antisemitismus und Judenhass scharf verurteilt. "Antisemitismus ist nicht irgendwo, in der großen fernen Stadt, in den Hetzer-Blasen des Internets, er wohnt in schönen Reihenhäusern und in geselliger Grillrunde, auf Schulhöfen und in Herrenrunden", sagte die evangelische Theologin am Sonntag in ihrer Laudatio zur Verleihung des "Blickwechselpreises 2019" des Vereins "Begegnung Christen und Juden Niedersachsen". Ausgezeichnet wurde die Sprecherin des Burgdorfer "Arbeitskreises Gedenkweg 9. November", Judith Rohde (53).

Rohde ist gebürtige Südschwarzwälderin und derzeitig wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Seit 2010 ist sie Sprecherin des Arbeitskreises und hat in dieser Funktion zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen mitgestaltet, Referate gehalten oder sich in der Erwachsenenbildung für eine breitere und tiefere Kenntnis jüdischer Religion eingesetzt.

Landessuperintendentin Bahr betonte ihrem Redemanuskript zufolge, zwar sei das Bekenntnis "Nie wieder" in Bezug auf den Holocaust inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich aber geschehe es "immer wieder": "Ein Kind wird angespuckt, weil es einen Davidsstern am Hals trägt. Ein Rabbiner wird zusammengeschlagen, das Haus eines Ehepaars angezündet, Hakenkreuze auf jüdischen Gräbern und anonyme Morddrohungen im Briefkasten einer ganz normalen niedersächsischen Familie", sagte Bahr und fügte hinzu: "Weil sie Juden sind."

Verschwörungsmythen würden als Tatsachen ausgegeben, hinter dem obligatorischen "man wird doch noch mal sagen dürfen" versteckten sich dumme oder bösartige Behauptungen, Ängste und Unwissenheit, hob Bahr hervor.

Auch in der Kirche gebe es weiterhin Antisemitismus: aus Ignoranz oder schlimmeren Motiven, sagte die Theologin: "Der Judenhass ist mitten unter uns, ein heimisches Gift." Deshalb müsse er auch vor Ort bekämpft werden.

Das müsse in der Nachbarschaft beginnen, im Gespräch mit Kindern und Enkeln. Zivilcourage bedeute, vehement zu widersprechen, wenn wieder einmal antisemitische Kommentare über den Tisch flögen. Dazu gehöre auch die Erinnerung, dass "die eigene, geliebte Heimat auch ein Ort des Verbrechens und der Schande ist, ein Ort, wo aus Nachbarn, Kolleginnen, Mitschülern, Ärzten, Ladenbesitzerinnen 'Untermenschen' wurden". Daran erinnerten Judith Rohde und die Initiative "Gedenkweg 9. November".

Der "Blickwechselpreis" würdigt seit 2007 Menschen aus Niedersachsen für ihren Einsatz im Gespräch der beiden Religionen. Der 1982 gegründete Verein "Begegnung Christen und Juden Niedersachsen" will nach eigenen Angaben den Dialog zwischen Christen und Juden fördern, Judenfeindschaft und Antisemitismus in Kirche und Gesellschaft bekämpfen und zur Versöhnung zwischen Juden, Christen und Muslimen beitragen. Der Verein zählt derzeit rund 250 Mitglieder.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen