EKD: Festnahme der "Sea-Watch"-Kapitänin ist Schande für Europa

Nachricht 01. Juli 2019

Sea Watch 2 _Rettungswesten
Ein Schlauchboot der Sea Watch, auf dem die Rettungswesten zu den Schlauchbooten der Geflüchteten transportiert werden. Foto: epd-Bild

Hannover/Rom. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Festnahme der Kapitänin der Rettungsschiffes "Sea-Watch 3", Carola Rackete, scharf kritisiert. Dass Rackete in der Nacht beim Anlegen in Lampedusa festgenommen wurde, mache ihn "traurig und zornig", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Sonnabend in Hannover. "Eine junge Frau wird in einem europäischen Land verhaftet, weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will. Eine Schande für Europa!" Auch Grünen-Chef Robert Habeck übte deutliche Kritik an dem Vorgehen.

Die Kapitänin hatte das Schiff trotz des Verbots Italiens in den Hafen der Insel gebracht, wo sie sogleich festgenommen wurde. Ihr droht wegen Verstoßes gegen die Schifffahrtsordnung eine Haftstrafe zwischen drei und zehn Jahren. Die "Sea-Watch 3" wurde von Polizei und Zollbehörden beschlagnahmt.

Die 40 verbliebenen Flüchtlinge, die seit mehr als zwei Wochen auf der "Sea-Watch" waren, sind an Land gegangen, wie italienische Medien berichteten. Mehrere Länder - darunter Deutschland, Frankreich und Portugal - hatten sich in den vergangenen Tagen bereiterklärt, die Menschen aufzunehmen.

Bedford-Strom erklärte, seine Gedanken und Gebete seien an diesem Morgen bei Carola Rackete, erklärte Bedford-Strohm und erinnerte an das Bibelwort "Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten". Dies sei eine Ermutigung für viele Menschen, allen voran die Sea-Watch-Crew, die sich für Humanität einsetzen.

Habeck betonte gegenüber dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Sonntag), die Verhaftung der Kapitänin zeige "die Ruchlosigkeit der italienischen Regierung und offenbart das Dilemma der europäischen Flüchtlingspolitik". Es sei ein Skandal, dass Menschen im Mittelmeer ertränken und es weder sichere Fluchtwege noch Verteilmechanismen für Flüchtlinge in Europa gebe. Der Grünen-Politiker forderte die Bundesregierung auf, sich dafür einsetzen, "dass die Rettung von Ertrinkenden im staatlichen Auftrag oder staatlich organisiert geschieht".

Die Besatzung des Rettungsschiffes hatte am 12. Juni insgesamt 53 Flüchtlinge in Seenot vor Libyen gerettet. Einige der Flüchtlinge durften in den vergangenen Tagen als Notfälle an Land gehen. Eine Rückkehr nach Libyen hatte die Organisation Sea-Watch wegen des Bürgerkriegs und der Menschenrechtsverletzungen dort ausgeschlossen.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen