Alles anders beim Schlussgottesdienst des Kirchentags

Nachricht 23. Juni 2019

Gunnar Schulz-Achelis, Öffentlichkeitsfachmann aus dem Haus kirchlicher Dienste, hat beim Schlussgottesdienst des Kirchentags interessante Besucherinnen getroffen.

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Dortmund. "Heute ist alles anders" sagte die Katholikin Juliane S.. Der BVB-Fan (Dauerkarte) hat heute an ihrem Stadion keine Flaschensammler gesehen. "Die Kontrolleure und die Polizei waren so freundlich, das war schön" pflichtete ihr ihre Freundin Helga P., ebenfalls katholisch, bei. Die beiden saßen im Abschlussgottesdienst des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags zum Thema Vertrauen im Signal IdunaPark. "Wir in Dortmund sagen Westfalenstadion", bemerkt Juliane knapp.

Die beiden haben in den letzten Tagen 120 Jugendliche -unter anderem aus Peine - in der Schubert-Grundschule mit Frühstück versorgt. "Wir haben es gut getroffen," stellte Helga zufrieden fest. Die beiden örtlichen Vorsitzenden der Katholischen Frauen Deutschland (KFD) sind ehrenamtliche Profis, organisieren sonst das Obdachlosenfrühstück in ihrer Gemeinden "Zur Heiligen Familie" in Dortmund-Brüninghausen. Sie spürten viel ökumenisches Vertrauen bei ihren jungen Gästen, wie jetzt vor dem Stadion bei den Ordnungskräften.

Über Vertrauen predigte die Hannoversche Pastorin Dr. Sandra Bils von der ökumenischen Bewegung Kirche², die auchReferentin im Haus kirchlicher Dienste ist. Der Hebräerbrief richte sich an eine Gemeinde, in der die Luft raus sei, so Bils. So auch heute: "Vertrautes stirbt: Die Volkskirche bröckelt". Im Hebräerbrief liest man: "Werft euer Vertrauen nicht weg". Gerade dann, wenn sie nicht selbstsicher sei und sie sich selbst nicht vertraue, brauche sie Gottes Vertrauen in sich, so Bils. "Wir brauchen Gott und einander". Wenn man mit dem Vertrauen ernst mache, der Unerschrockenheit aus Glauben, "dann sind wir frei". "Wenn wir Jesus glauben, 'was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan' dann ist Lebenretten kein Verbrechen, sondern Christenpflicht. Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt!" Langer Beifall.

"Seid unerschrocken, zeigt gemeinsam euren Glaubensmut" rief sie den rund 35.000 Gottesdienst-Teilnehmern zu. Die Zeit der Christinnen und Christen sei in dieser Welt nicht vorbei, so Bils abschließend: "Wir werden gebraucht. Mehr denn je".

Vorfreude auf den ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt

Die beiden Dortmunder Katholikinnen Helga P. (links) und Juliane S. sind erstmals bei einem evangelischen Kirchentag dabei, bei ökumenischen immer. Bild: Gunnar Schulz-Achelis /HkD

Vertrauenszeugnisse von mehreren Menschen schlossen sich an, von einem Bergsteiger etwa oder einer jungen Frau, die ihrer Mutter dankt, weil sie das Vertrauen wachsen ließ, "sodass ich hier und heute das Leben liebe". Symbolträchtig wurden Heliumballons zu einem Bündel zusammengebunden in der Mitte des "heiligen Rasens". "Jeder Ballon ist ein Gedanke, ein Versprechen, dass unser Vertrauen trägt" sagte die Präses der gastgebenden westfälischen Kirche Annette Kurschus. Eine Band und tausende Bläser spielten auf der Osttribüne. Der Gemeindegesang klang kräftig im geschlossenen Stadion. Bei den Liedern schwenkte auf der legendären Südtribüne (Stehplätze) ein Fan eine grosse schwarz-gelbe Fahne mit BVB-Logo - und dem Fischsymbol der Christen.

Die beiden Katholikinnen Helga und Juliane waren bisher bei allen ökumenischen Kirchentagen dabei und freuen sich den nächsten gemeinsamen in zwei Jahren in Frankfurt am Main.

Letzte Frage an die beiden Fussballfans: Geht es sonst friedlich zu mit den Gästen im "Westfalenstadion"? Helga: "Bei Schalke nicht unbedingt, aber sonst geht das immer".

Gunnar Schulz-Achelis