Ministerpräsident würdigt Straßenzeitung "Asphalt"

Nachricht 21. Juni 2019

Straßenzeitungen wollen Menschen in Armut eine Stimme und zugleich Hilfe zur Selbsthilfe geben. Das Magazin "Asphalt" aus Hannover gehörte vor 25 Jahren zu den Pionieren in Deutschland. Jetzt feierten die Initiatoren Jubiläum.

Asphalt_Verkaeufer_Hbf Hannover
Martin Panitz verkauft das Straßenmagazin "Asphalt" im Hauptbahnhof von Hannover. Foto: Jens Schulze (epd-Bild)

Hannover. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat der Straßenzeitung "Asphalt" zu ihrem 25-jährigen Bestehen gratuliert. "Asphalt ist seit 25 Jahren ein außerordentlich erfolgreiches soziales Projekt", sagte er am Rande eines Festaktes am Donnerstagabend in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Magazin berichte aus Perspektive von Betroffenen über Gesellschaft und Politik und biete Menschen mit wenig Geld zugleich Hilfe zur Selbsthilfe. Mitherausgeberin Margot Käßmann betonte, "Asphalt" mache Menschen Mut und stärke "das Gewebe, das unsere Gesellschaft zusammenhält". Zu dem Festakt im Kongresszentrum waren rund 500 Gäste aus Politik und Gesellschaft eingeladen.

Die Zeitung war im August 1994 vom Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Hannover und dem Obdachlosen-Verein "Hiob" als eines der ersten Straßenmagazine in Deutschland gegründet worden. Heute wird sie in 14 niedersächsischen Städten angeboten. Professionelle Journalisten berichten in einer monatlichen Auflage von 22.500 Exemplaren über soziale Themen, besonders über Armut und Wohnungslosigkeit. Zum 25. Jubiläum erscheint ein Sonderheft unter dem Motto "25 Jahre - das Herz der Straße". Das Magazin wird ausschließlich durch bedürftige Menschen verkauft. Jeder der rund 170 Verkäufer behält die Hälfte des Preises von 2,20 Euro für sich.

"Menschen mit geringem Einkommen können so ihren Lebensunterhalt zumindest ein wenig verbessern und ihr Leben strukturieren", betonte Weil. Ganz nebenbei seien in den vielen Jahren gute Verbindungen zwischen Käufern und Verkäufern entstanden.

Die frühere hannoversche Landesbischöfin Käßmann sagte: "Menschen, die arm sind, werden ausgegrenzt und ziehen sich auch selbst immer mehr zurück." Straßenzeitungen könnten nicht alle Menschen aus der Armut holen, "aber den Verkäuferinnen und Verkäufern wieder Mut machen, dass Sozialkontakte auf Augenhöhe möglich sind". Mit ihren Berichten seien sie zugleich die Stimme der Straße.

"Mir ist wichtig, dass die Zeitungen nicht aus Mitleid gekauft werden, sondern aus Interesse", betonte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Rande des Festaktes dem epd. "Hier werden andere Themen aufgegriffen als im Mainstream."

Der hannoversche Diakoniepastor und Mitherausgeber Rainer Müller-Brandes berichtete anlässlich der Feier, das Problem der Wohnungslosigkeit habe sich gegenüber der politischen Situation vor 25 Jahren noch verschärft. "Man muss sagen: Es ist ein noch größeres Thema geworden und beschäftigt uns zunehmend." Müller-Brandes betonte, trotz aller Tendenzen zur Digitalisierung werde "Asphalt" ein Print-Produkt bleiben. Nur so könnten beim Verkauf auf der Straße Begegnungen von Mensch zu Mensch entstehen.

Weltweit gibt es mehr als 100 Straßenzeitungen in 35 Ländern. Im vergangenen Jahr verkauften 20.500 Straßenverkäufer 19,4 Millionen Exemplare und verdienten insgesamt mehr als 27 Millionen Euro. In Deutschland existieren etwa 30 soziale Straßenzeitungen.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen