Filmtipp: „A land imagined“ – ein politischer Krimi aus Singapur

Nachricht 14. Mai 2019

Ein Mann verschwindet. Es ist Wang, chinesischer Gastarbeiter auf einer Landgewinnungsbaustelle in  Singapur. Keinen kümmert’s. Nur einen: Der Kriminalkommissar Lok ermittelt gegen alle Widerstände. Er verfolgt Spuren, befragt Zeugen, sucht Schauplätze auf, gerät in Schießereien. Immer undurchsichtiger wird das Geflecht. Auf der einen Seite ist der Film ein Krimi.
Auf der anderen Seite ein hoch politischer Film:  Sand ist das Gold des 21. Jahrhunderts, sagen manche. Man braucht Sand für Neubauten, in Singapur auch für Landgewinnung. Und für die Baustellen braucht man Gastarbeiter, die aber fast wie Sklaven gehalten werden. Das ist der Hintergrund für „A Land Imagined“. Realität und Träume, Themen wie Globalisierung und persönliches Schicksal werden geschickt verknüpft. Ein spannender Krimi mit Bildern, die in Erinnerung bleiben.

Der Film des Regisseurs Yeo Siew Hua gewann beim renommierten Filmfestival Locarno eine Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury und den Goldenen Leoparden, den Hauptpreis des Festivals. Zu sehen ist er jetzt bei Netflix. Immer häufiger produzieren und zeigen die Streaming-Dienste nun auch anspruchsvolle Spielfilme. Handelt es sich um einen Verlust an Kinokultur oder ist das eine Demokratisierung von Filmkunst – die Meinungen gehen auseinander. Die Filmfestivals gehen damit unterschiedlich um: Berlinale und Locarno zeigen auch diese Filme, Cannes bleibt hart und zeigt im Hauptprogramm nur Filme, die auch ins Kino kommen, die in Venedig gezeigte Produktion „Roma“ gewann sogar drei Oskars.

Dietmar Adler

Filmtrailer