"Gorlebener Gebet" besteht 30 Jahre

Nachricht 17. April 2019
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Seit 1989 treffen sich Menschen im Wald nahe den Atomanlagen bei Gorleben zum „Gorlebener Gebet“. Bild: epd-Bild/ Karen Miether

Gorleben. Die Initiative "Gorlebener Gebet" feiert ihr 30-jähriges Bestehen.  Aus diesem Anlass sollen bei den Andachten in den kommenden Wochen Frauen und Männer zu Wort kommen, die bereits 1989 die Gebetstreffen gestaltet haben, sagte Christa Kuhl, eine der Organisatorinnen des "Gorlebener Gebets": "Sie werden von ihren persönlichen Erfahrungen berichten und den Bogen spannen von den Anfängen zum Heute und Morgen."

Die 1989 begründeten Gorlebener Gebete werden von einer ökumenischen Initiative vorbereitet, die sich der Anti-Atom-Bewegung zurechnet. Neben evangelischen und katholischen Christen haben auch schon eine jüdische Kantorin sowie Muslime die Veranstaltungen geleitet.

Jeden Sonntag kommen zehn bis 30 Personen zusammen, bei Protestaktionen deutlich mehr. Die Gebete sind nach Angaben der Initiatoren in den 30 Jahren noch nie ausgefallen, es gab bislang mehr als 1.750 Veranstaltungen.

Den Anstoß für das "Gorlebener Gebet" gab 1988 ein großer Protestmarsch gegen Atomkraft über mehr als 1.000 Kilometer vom bayrischen Wackersdorf bis nach Gorleben. 63 Tage lang hatten Demonstranten ein schweres Holzkreuz mit sich geschleppt, das sie am Schluss in den Gorlebener Waldboden rammten. Zu einem festen Termin im wendländischen Protestkalender wurden die Gebete dann im Frühsommer des folgenden Jahres. Inzwischen stehen an dem Gebetsort mehrere Kreuze und Sitzbänke.

Vor 40 Jahren, am 22. Februar 1977, hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) das Dorf Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" benannt und damit massive Proteste ausgelöst. Neben dem Erkundungsbergwerk sind in Gorleben seither zwei Zwischenlager für Atommüll sowie eine atomare Konditionierungsanlage entstanden. Inzwischen hat der Bund ein neues Suchverfahren für ein Endlager gestartet, doch Gorleben bleibt dabei ein möglicher Standort.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen