Kirche sorgt mit Mehreinnahmen für die Zukunft vor

Nachricht 28. Dezember 2018

Hannover. Die evangelische Kirche will mithilfe der aktuell guten Einnahmen aus der Kirchensteuer ihre Arbeit zukunftsfest machen, in neue Ideen investieren und weiterhin Schulden vermeiden. "Wir machen es wie Josef in Ägypten: Wir sorgen vor", sagte der Finanzchef der hannoverschen Landeskirche, Rolf Krämer, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er bezog sich damit auf eine Studie, des Instituts der deutschen Wirtschaft, nach der die Kirchen in Deutschland aufgrund der guten Wirtschaftslage trotz sinkender Mitgliederzahlen weiter auf steigende Einnahmen hoffen dürfen.

"Wir sind ein sehr personalintensiver Betrieb", sagte der Finanzchef. Rund 80 Prozent des kirchlichen Geldes fließe in Personal. "Wir haben noch keinen Computer, der Gottesdienste oder Beerdigungen halten kann. Dafür brauchen wir Menschen."

Außerdem müsse unter allen Umständen vermieden werden, dass die Kirche Schulden mache, um ihre Haushalte zu sanieren, betonte Krämer. "Das kann der Staat machen, aber für die Kirche geht das nicht." Durch die Aufnahme von Krediten würden Probleme in die Zukunft verschoben. "Die folgenden Generationen müssten dann die Abzahlungen schultern, die wir verursacht haben. Das hat mit Verantwortung nichts zu tun."

Der Finanzchef verwies darauf, dass Deutschlands größte Landeskirche ihren mehr als 1.200 Gemeinden zwischen Göttingen und der Nordsee aus den Mehreinnahmen in den nächsten beiden Jahren insgesamt 15 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stelle. "Damit können sie vor Ort Gutes tun." Weitere 52 Millionen Euro flössen an die 662 Kindertagesstätten. 27 Millionen Euro gebe die Kirche für die Sanierung von Kirchen und Kapellen aus. Zehn Millionen seien für die Arbeit in Entwicklungsländern bestimmt, vier Millionen für die Flüchtlingsarbeit. "Wir horten das Geld nicht, wir geben es aus."

Auf die Frage, ob die Mehreinnahmen aus der Kirchensteuer nicht am besten in Spendenprojekte fließen sollten, sagte Krämer: "Das gibt die Kirchensteuer nicht her." Die kirchlichen Hilfswerke hätten "eine Vielzahl von tollen Projekten" in Deutschland, Afrika, Asien oder Lateinamerika. Darin seien die Kirchen bereits mit ihrem Personal vertreten.

Zudem habe die Kirche immense Verpflichtungen für Zehntausende von Pastoren und kirchliche Mitarbeiter, die in den Ruhestand gingen. Deren Altersversorgung müsse gesichert werden. Zusätzliche Kirchensteuer-Einnahmen erleichterten den Umgang mit diesem Problem. "Wir wissen, dass in den nächsten zehn Jahren die Stürme kommen, deshalb wollen wir jetzt unser Haus sturmfest machen", unterstrich der Finanzchef.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen