Kirchenpräsident Heimbucher: Menschenrechte verteidigen - Kinderhilfswerk beklagt Angriffe gegen Kinder und Jugendliche

Nachricht 10. Dezember 2018

Leer/Osnabrück. Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat zur Verteidigung der Menschenrechte aufgerufen. Anlässlich des 70. Jahrestags ihrer Proklamation durch die Vereinten Nationen am 10. Dezember sagte er am Freitag in Leer, in vielen Ländern würden die Grundrechte verletzt. "In unverschämter Weise versuchen Diktaturen mit ihren eklatanten Verstößen gegen die Menschenrechte international salonfähig zu werden, weil sie sich aufgrund ihrer militärischen oder ökonomischen Macht sicher fühlen."

Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes beklagt beispielsweise zunehmende Angriffe gegen Kinder und Jugendliche, die sich für ihre Rechte einsetzen. Vorstandssprecher Albert Recknagel sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag), in immer mehr Ländern hetzten Regierungen gegen Menschenrechtler und machten auch vor Kindern nicht halt. Besorgniserregend sei die Entwicklung vor allem in Nicaragua, Brasilien, Kolumbien, Myanmar, den Philippinen, Indien und Kambodscha: "Zunächst schüchtern Politiker ein und bezeichnen Kinderrechtler als Kriminelle, als Drogendealer, als Banditen. Dieser Verleumdung folgen dann konkrete Drohungen."

Erst kürzlich hatte die Organisation zwei junge Frauen in Nicaragua außer Landes in Sicherheit bringen müssen, die sich friedlich für Rede- und Versammlungsfreiheit eingesetzt hatten. Auch in Brasilien drohe sich die Lage zuzuspitzen, sagte Recknagel: "Die Äußerungen des designierten Präsidenten Jair Bolsonaro, das Kinderschutzgesetz des Landes tauge nur, um Vagabunden und Banditen zu schützen, man solle es durchreißen und die Toilette hinunter spülen, bedeuten für die Zukunft sicher nichts Gutes."

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es in dem Dokument, das am 10. Dezember 1948 in Paris von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Kirchenpräsident Heimbucher verwies darauf, dass auch in Deutschland noch immer Grundrechte missachtet würden. Dazu gehöre etwa, wenn Populisten verkündeten, dass Muslime bei uns erst Religionsfreiheit in Anspruch nehmen dürften, wenn Christen in islamischen Ländern nicht mehr verfolgt werden. Die Verteidigung der Menschenrechte sei auch eine Aufgabe der Kirchen, betonte der leitende Theologe.

Obwohl die Erklärung mittlerweile von 147 Staaten unterzeichnet worden sei, stünden Menschenrechte oft nur auf dem Papier, führte Heimbucher aus. Dennoch habe sie enorme Bedeutung. Es gebe viele internationale Organisationen, die sich ihrem Schutz verschrieben hätten. Der Gedenktag am 10. Dezember sei ein Grund innezuhalten. Schließlich sei die Menschenrechts-Charta auch eine Antwort auf das Grauen des Zweiten Weltkriegs, die Barbarei des Nationalsozialismus und den Völkermord an den europäischen Juden.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen