Landesbischof Ralf Meister stellte sich Fragen der Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher

Nachricht 24. Oktober 2018
Jan von Lingen, Volkmar Keil, Ralf Meister, Stephanie von Lingen_KV-Tag_Northeim
V.l.n.r.: Jan von Lingen, Volkmar Keil, Ralf Meister und Stephanie von Lingen. Foto: Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land

Northeim. Die neuen Kirchenvorsteher in den Gemeinden der Kirchenkreise Leine-Solling und Harzer Land wurden im März dieses Jahres gewählt und einige Monate später in ihr Amt eingeführt. Sie sind also schon voll in Action, könnte man sagen. Allerdings liegen eben auch noch sechs Jahre mit vielfältigen Aufgaben vor ihnen und auch, wenn alles ehrenamtlich ist, werden die Anforderungen damit nicht geringer.

Daher wurde am vergangenen Samstag in Northeim ein Orientierungstag mit Workshops für alle interessierten Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher angeboten, bei dem sie sich zu zahlreichen unterschiedlichsten Themen informieren lassen konnten. Bevor es allerdings an die Arbeit ging, wurde in der Apostelkirche eine Andacht gefeiert, bei der Landesbischof Ralf Meister zu den neuen und alten Vertretern der Gemeinden sprach und sich auch einigen dringenden Fragen aus deren Reihen stellte.

Begrüßt wurden die Anwesenden von Superintendent Volkmar Keil, der erst einmal deutlich machte: „Sie haben für Ihre Gemeinde Verantwortung übernommen. Das verdient unsere große Hochachtung.“ Ganz ähnlich formulierte es dann auch Ralf Meister, der noch einmal darauf hinwies, dass der Kirchenvorstand durchaus eine Position ist, in der Entscheidungen getroffen und die Geschicke der Gemeinden eigenverantwortlich angepackt werden. Anders als häufig in der Welt gehe es im Gottesreich um den Verzicht auf Macht, so der Landesbischof weiter, das zeigte sich schon bei Jesus und seinen Jüngern. Eine Hierarchie und die Karriereleiter spiele in der Kirche keine Rolle. „Und nun steht hier der Bischof und erzählt Ihnen das“, warf er augenzwinkernd ein. Doch es gehe tatsächlich um die Sache und um die zu erledigenden Aufgaben, darum, im Miteinander das Beste zu erreichen. Zu eingefahrene Strukturen seien da oft hinderlich. Manchmal, so seine eigene, ganz praktische Erfahrung, reicht es schon aus, einfach mal die Sitzordnung zu ändern und schon sei es möglich, Dinge neu anzupacken. Insgesamt halte er es für ungemein wichtig, immer flexibel zu bleiben, denn auch die Welt ändere sich nun einmal stetig und damit auch und vielleicht im Moment ganz besonders, die Anforderungen an Kirche und Gemeinde. „Aber Gott begleitet uns, er steht uns bei“, machte er Mut.

In einem zweiten Teil stellte Pastor David Geiß dann einige der Fragen, die die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher zuvor notiert hatten. So wollten einige beispielsweise wissen, was so ein Landesbischof eigentlich den ganzen Tag macht. „Das Wichtigste ist es“, holte Ralf Meister aus, „die Fahrzeiten zu den vielen Terminen zu koordinieren.“ Es wurde aber auch ernster. Wie gelingt es, dass die Kirche im Dorf bleibt? Eine Patentlösung hierauf hat auch ein Landesbischof nicht, er ist aber überzeugt, dass das Wichtigste immer die Menschen vor Ort sind, der gelebte Glaube und in zweiter Linie natürlich auch Strukturen, um die sich die Landeskirche bemüht. Allerdings sei beispielsweise die Schließung von Gotteshäusern mangels Bedarf keinesfalls ein nur ländliches Problem, das gebe es leider auch in Hannover. Genau aus diesem Grund brauche es ja auch den Kirchenvorstand, der wie schon zu Jesu Zeiten ehrenamtlich, aus Überzeugung und mit dem direkten Draht zu den Menschen, Kirche vor Ort leitet. Dennoch gelte es seitens der Landeskirche natürlich, auch Hauptamtliche so einzusetzen und Mittel bereitzustellen, um es den Ehrenamtlichen nicht noch schwerer zu machen. Da sein die Kirche insgesamt gerade mitten in einem Veränderungsprozess, in dem vieles den gegebenen Verhältnissen angepasst wird. Was sei denn Ralf Meisters Vision von Kirche im Jahr 2035, lautete eine weitere Frage. „Die Vision
von Kirche gibt es nicht“, antwortete er darauf, „Noch nicht. Wir sind noch sehr in alten Bildern von Kirche verhaftet und müssen erst einmal ein neues schaffen.“ Die neuen Kirchenvorstände in den Gemeinden können daran mitarbeiten.

Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land