Diakonie will Palliativarbeit in Altenheimen verankern

Nachricht 29. September 2018
Altenpflege_Symbolbild_Hände
Foto: Jens Schulze (epd-Bild)

Hannover. Die Diakonie in Niedersachsen will die Begleitung sterbender Menschen in Altenheimen nach den Kriterien der Palliativ- und Hospizarbeit verstärken. Im Zuge eines 2013 gestarteten Pilotprojektes seien landesweit bereits 598 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 76 Altenpflege-Einrichtungen dafür fortgebildet worden, erläuterten die Initiatoren am Mittwochabend in Hannover bei der Präsentation einer Zwischenbilanz. Auf diese Weise solle "der Ort, an dem rein statistisch sehr häufig gestorben wird, etwas von seinem Schrecken verlieren", betonte Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke.
 
Ministerialrat Stephan von Hansemann vom niedersächsischen Sozialministerium sagte, die wachsende Zahl sterbender Menschen stelle die Pflegenden und die Leitung von Altenheimen vor neue Herausforderungen. Aufgrund des demografischen und gesellschaftlichen Wandels kämen die Menschen heute immer später und dann mit einem hohem Bedarf an pflegerischer Versorgung in die Altenheime. "In der Regel leben sie dort nicht lange, sondern sterben nach kurzer Verweildauer." Die Heime würden so immer stärker "Orte von Tod und Trauer".
 
Hansemann sicherte der Diakonie die Unterstützung des Landes zu. Die würdige Versorgung Sterbender sei ein "wesentliches Merkmal einer humanen Gesellschaft". Sterbende Menschen hätten besondere Bedürfnisse, so müssten sie sich in einem würdevollen Rahmen von ihren Angehörigen verabschieden können. Auch müsse die fachärztliche Behandlung chronischer und akuter Schmerzen gesichert sein.
 
Nach Diakonie-Angaben konnte in Altenpflegeheimen anders als in spezialisierten Hospizen oder Palliativdiensten bislang keine rechtlich abgesicherte, nachhaltige und flächendeckende Versorgung mit palliativer Kompetenz aufgebaut werden. Deshalb sei die Diakonie vor fünf Jahren mit dem Pilotprojekt selbst aktiv geworden, finanziert von den Landeskirchen Hannover, Braunschweig und Schaumburg-Lippe.
 
Die Erfahrungen aus Hospizhäusern ließen sich nicht einfach auf Altenpflegeheime übertragen, sagte Projektleiterin Dorothee Arnold-Krüger. Eine Pflegekraft im Heim müsse viel mehr Bewohner betreuen als eine Mitarbeiterin im Hospiz. "Palliative Arbeit braucht Zeit und Personal", unterstrich Arnold-Krüger. Bei einer ersten Auswertung des Projektes hätten viele Teilnehmer allerdings angegeben, im Pflegealltag zu wenig Zeit dafür zu haben.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen