Heiner Wilmer aus dem Emsland wird am Sonnabend in sein Amt als 71. Bischof von Hildesheim eingeführt

Nachricht 31. August 2018
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Bischof Heiner Wilmer. Bild: Jens Schulze/epd-bild

Hildesheim. Ein alter Holzstuhl ist das einzige Möbelstück, das der zukünftige Hildesheimer Bischof aus Rom mitgebracht hat. Der Stuhl, den er vor fast einem Jahrzehnt in Bonn vor dem Wegwerfen rettete, steht bereits am Schreibtisch im neuen Amtszimmer von Heiner Wilmer. "Es ist ein einfacher Stuhl, aber man sitzt gut drauf, ein bisschen wie ein Cowboy", sagt der 57-jährige katholische Theologe, der auf einem Bauernhof im Emsland aufwuchs. Von seinem Amtszimmer blickt Wilmer auf den zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Mariendom. Dort wird er an diesem Sonnabend in sein Amt als 71. Bischof von Hildesheim eingeführt. Tausende Gäste aus dem In- und Ausland werden zu seiner Bischofsweihe erwartet.

In Hildesheim will der designierte Bischof auch wieder auf seinem zwischenzeitlich eingelagerten Fahrrad unterwegs sein. Im geschäftigen Verkehr von Rom, wo Wilmer zuletzt als Generaloberer der Herz-Jesu-Priester tätig war, war daran nicht zu denken: "Radfahrer gelten dort als suizidgefährdet", sagt Wilmer augenzwinkernd.

Der Ordensmann ist es gewohnt, seinen Wohnort oft zu wechseln. Nach dem Studium der Theologie und Romanistik in Freiburg und Paris wurde er zum Priester geweiht, studierte Geschichte und später französische Philosophie in Rom. Sein Referendariat absolvierte er an einem Gymnasium in Meppen und wurde schließlich Lehrer an einer katholischen Mädchenschule in Vechta.

Als der Priester und Gymnasiallehrer mit Mitte 30 zum Schulleiter berufen werden soll, fühlt er sich dafür allerdings zu jung: Bisher hatte er in Einrichtungen gearbeitet, die nicht unbedingt für soziale Probleme bekannt waren. "Ich brauchte eine richtige Herausforderung", sagt Wilmer.

Wilmer bewirbt sich an einer Schule im berüchtigten New Yorker Stadtteil "Bronx". In einer Gegend, in der man mit dubiosen Taxi-Fahrern den Fahrpreis aushandeln muss, sei er als Weißer nicht unbedingt sicher unterwegs gewesen. "Zum Schluss hatte ich es aber raus", sagt Wilmer und seine Augen blitzen auf: Mit seinem priesterlichen Kollarhemd hätten ihm die Menschen Respekt und überschwängliche Freundlichkeit entgegengebracht. "Ich hatte die wunderbarsten Unterhaltungen."

Schließlich kehrt der Theologe in seine Heimat ins niedersächsische Emsland zurück und wird Schulleiter. Dabei habe er vor allem gelernt, Teams zu motivieren und zu begeistern. Sein Leitspruch: "Allein bin ich vielleicht schnell, aber gemeinsam kommen wir weiter - und sind entspannter."

Nach neun Jahren im Emsland wird Wilmer an die Spitze des deutschen Ordens der Herz-Jesu-Priester nach Bonn berufen. Im Jahr 2015 wird er schließlich in Rom Generaloberer der Gemeinschaft, die weltweit rund 2.200 Mitglieder zählt.

Während all dieser Stationen hätten die Beziehungen zur evangelischen Kirche und zum Judentum einen hohen Stellenwert für ihn gehabt, betont Wilmer. Auch mit dem Reformationstag als neuen Feiertag in Niedersachsen könne er gut leben: "Ich sehe das ganz entspannt." Bereits im vergangenen Jahr habe er zum 500. Reformationsjubiläum in der evangelischen Kirche in Rom gepredigt, erzählt er mit einem gewissen Stolz. In diesem Jahr wird er am 31. Oktober im evangelischen Dom in Braunschweig predigen. 

In seinem Vorzimmer hat er bereits Porträts von Menschen aufgehängt, die ihm wichtig sind. Darunter ist auch ein Bild des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Die Aufgabe der Kirche sei es, sich zum Anwalt der Kleinen und Schwachen zu machen, ist Wilmer überzeugt. "In Treue zur Bibel kann ich gar nicht anders, als auch politisch zu sein, wenn es um das Wohl der Menschen geht und um grundsätzliche Fragen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit."

Für seine Arbeit an der Spitze des Bistums mit rund 600.000 Katholiken habe er gerade angesichts sinkender Mitgliederzahlen "große Visionen", verrät der Theologe. Dazu gehöre auch eine verständliche Sprache - ohne alte Worthülsen. Neben den Debatten um Strukturen sei ihm der Fokus auf Inhalte wichtig: "Manchmal ist uns vielleicht der Blick fürs Ursprüngliche abhandengekommen." In Deutschland redeten die Menschen eher über ihr Intimleben als über ihren Glauben.

Es ist ihm ein Herzensanliegen, die Begeisterung und Faszination für Jesus weiterzugeben. Dieser sei jedem Menschen ganz persönlich begegnet und habe dessen unverwechselbare Besonderheit gesehen. Die Menschen seien frisch, munter und innerlich gestärkt von ihm weggegangen. "Das hat eine unheimliche Wucht, da würde ich gerne ansetzen."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen