"Kulturelle Landpartie" im Wendland: Großes Thema ist der Anti-Atom-Protest

Nachricht 11. Mai 2018
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Mit zahlreichen Aktionen, Konzerten und Handwerksvorführungen startet am Donnerstag im Wendland die "Kulturelle Landpartie". Bild: Kulturelle Landpartie

Lüchow. Hatha-Yoga im Obstgarten, ein geführter Spaziergang entlang der Castorstrecke, Lama-Trekking am Elbufer: Mit Dutzenden Veranstaltungen ist am Donnerstag im Landkreis Lüchow-Dannenberg die 29. "Kulturelle Landpartie" eröffnet worden. Bis zum 21. Mai sind an rund 100 Orten im Wendland mehr als 1.600 Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen und Mitmach-Aktionen geplant, wie die Veranstalter mitteilten. Alleine am Donnerstag gab es bis zum Abend etwa 130 Angebote. Die "Kulturelle Landpartie" gilt als der größte Veranstaltungszyklus dieser Art in Deutschland.

Bereits seit 1989 öffnen Kulturschaffende, Kunsthandwerker und Landwirte im Wendland jedes Jahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ihre Werkstätten, Ateliers und Höfe für das Publikum. Dann können die Gäste Malern oder Bierbrauern bei der Arbeit zusehen sowie Theater und Musik in alten Scheunen erleben. Bio-Bauern zeigen bei Hofführungen, wie Schweine artgerecht gehalten und Kartoffeln oder Getreide angebaut werden.

Die "Kulturelle Landpartie" geht auf den Widerstand der Bevölkerung gegen Atomanlagen in Gorleben zurück. Im Februar 1977 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) das Dorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" benannt und damit massive Proteste ausgelöst. Nach den ersten großen Demonstrationen in Gorleben zogen in den 1970er- und 1980er Jahren zahlreiche Künstler aus Großstädten ins Wendland.

Mit einem Aktionstag in Gorleben rückt auch diese "Landpartie" den Anti-Atom-Protest in den Blickpunkt. Am Freitag vor Pfingsten bleiben dabei viele der "Wunderpunkte" genannten Ausstellungsorte geschlossen, Veranstalter und Gäste treffen sich stattdessen zu einer "Kulturellen Widerstands-Party" an den Gorlebener Atomanlagen.

Auch an den anderen Tagen können sich Besucher an fast allen Ausstellungs- und Veranstaltungsorten über die Gorlebener Atomanlagen und die Proteste dagegen informieren. In Gartow präsentiert der Multimedia-Künstler Arthur Schrödinger unter dem Titel "Gorleben Reloaded" seine Sicht auf das Jahr 2050. Musikvideos im Garagenkino beschäftigen sich laut Ankündigung mit Gorleben und seiner strahlenden Last.

In diesem Jahr fahren zum ersten Mal Busse an den Wochenenden Rundlingsdörfer mit hoher "Wunderpunkt-Dichte" an. So solle nicht nur die Verkehrssituation entspannt, sondern auch ein Beitrag für die Umwelt geleistet werden, hieß es. In den vergangenen Jahren kamen jeweils mehrere Zehntausend Besucher zur "Landpartie".

 

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen