"Kirche kann von Luthers Streitlust lernen"

Nachricht 19. April 2018
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Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen); Bild: epd-bild

Göttingen/Hamburg. 500 Jahre nach der "Heidelberger Disputation" von Martin Luther (1483-1546) sollte sich die Kirche nach Auffassung des Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann an die Streitlust des Reformators erinnern. "Sich der Disputationen der Reformationszeit zu erinnern, könnte einer öffentlichen Streit- und Debattenkultur dienen", schreibt Kaufmann in der Beilage "Christ & Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit".

Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Kirche und Theologie benötigten eine Streitkultur, bei der "mit offenem Visier ernsthaft um Belangreiches gerungen wird". So könnten etwa wesentliche Fragen der Zivilisation und des Umgangs mit Religion offen und kontrovers verhandelt werden. Als Beispiele nannte er etwa die Rolle der Religion in der Gesellschaft oder die Frage, inwieweit das deutsche Religionsrecht auch in Bezug auf den Islam geeignet sei.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Information: "Heidelberger Disputation"

Vor 500 Jahren hatte der Reformator Martin Luther seine Thesen an der Heidelberger Universität verteidigt und damit die Reformation im Südwesten ins Rollen gebracht. In einem Streitgespräch am 26. April 1518, bei dem prägnante Thesen Luthers diskutiert wurden, ging es unter anderem um die Gnade Gottes und die Konzeption einer Theologie, die sich am Kreuzestod Jesu Christi ausrichtet. Durch die anwesenden Studenten wie Martin Bucer oder Johannes Brenz entfaltete die Heidelberger Disputation eine enorme Wirkung auf den Fortgang der Reformation im Südwesten Deutschlands.

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