Schwer kranke Kinder brauchen Netzwerke

Nachricht 09. April 2018
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Bild: Betreuungsnetz für schwerkranke Kinder

Hannover. Familien mit schwer kranken Kindern brauchen nach Ansicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister eine breite Unterstützung von persönlichen, medizinischen und sozialen Ressourcen. Eine lebensbedrohliche oder lebensverkürzende Erkrankung oder gar der Tod eines Kindes sei zu einer Ausnahme geworden, sagte der evangelische Theologe am Samstagabend in Hannover. "Vorbilder, Modelle und Vorerfahrungen fehlen, was dazu führt, dass sich die gesellschaftliche Sprachlosigkeit und die Unsicherheit potenzieren."

Die Erkrankung eines Kindes betreffe alle Lebensbereiche, sagte Meister laut Redemanuskript. "Neben dem emotionalen Schock trifft sie in alltägliche Lebensmuster wie das berufliche und das finanzielle Leben einer Familie." Das planbare, normale Leben breche ab. Studien zeigten, dass oft die Geschwisterkinder emotional besonders betroffen seien. Familien brauchten dann stabile Netzwerke.

Meister sprach anlässlich des zehnjährigen Bestehens des niedersächsischen Vereins "Netzwerk für die Versorgung schwer kranker Kinder und Jugendlicher". Das Netzwerk ermögliche durch einen sektorenübergreifenden und multiprofessionellen Zusammenschluss eine familienorientierte Begleitung und Nachsorge, sagte der Theologe. Dabei sei die Einrichtung mit ihrer Arbeit den Regelungen von Krankenkassen voraus: Diese stellten auch bei ihrer Vergütung immer noch nur den Dienst am Patienten, nicht aber sein lebenswichtiges Umfeld in den Vordergrund.

Das im September 2007 von Ärzten, Pflegern und Eltern gegründete Netzwerk will mittelfristig die Situation krebskranker Kinder verbessern und möglichst allen schwer kranken Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen eine optimale ambulante häusliche Versorgung ermöglichen. Kernstück der Arbeit ist das zentrale Koordinierungsbüro des Netzwerks, das über Angebote für schwer kranke Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien informiert und Anbieter der ambulanten kinderheilkundlichen Palliativversorgung vermittelt. Dabei kommt dem Büro nach eigenen Angaben auch eine qualitätssichernde Rolle zu.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen