Lasst uns Acht haben auf unsere Seele!

Nachricht 01. April 2018

Betrachtung zum Osterfest von Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy

Ich erinnere mich noch gut an dieses Gespräch. Der alte Mann war zu Hause im Kreis seiner Familie gestorben, nun saßen wir beisammen im Gespräch. Da fragte mich die Tochter, die ihren Vater im Sterben begleitet hatte: „Wohin geht die Seele, wenn ein Mensch gestorben ist?“

So wird gefragt in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Jeder, der einen Menschen sterben sah, der hat ein Gefühl dafür, dass es eine Seele gibt. Der vertraute Mensch bekommt auf einmal eine unbekannte Fremdheit. Denn das Leben, die Seele, ist entwichen. Oft wird als Zeichen ein Fenster geöffnet, um der Seele den Weg frei zu machen.

Umgekehrt ist es bei der Geburt. Da blickt einen plötzlich das neugeborene Kind an und dieser erste beseelte Blick, der aus dem Nichts kommt, ist wie ein Wunder. Der erste Schrei – der letzte Atemzug. Diese Erlebnisse lassen uns spüren: Wir haben eine Seele.

Wir feiern morgen in unseren Kirchen und in Häusern das Osterfest und mit ihm die Kraft Gottes, der die Macht des Todes überwunden hat. Denn mit Ostern geschieht etwas, was in Raum und Zeit nicht zu fassen ist. Nachdem er am Karfreitag am Kreuz gestorben ist, begegnet der auferstandene Jesus Christus seinen Jüngerinnen und Jüngern am Ostermorgen. Dabei geht es nicht um eine Rückkehr in dieses sterbliche Leben – sie haben ihn äußerlich nicht erkannt.

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ So umschreibt Paulus im Neuen Testament, worum es bei der Auferstehung geht: Gott verheißt uns auch nach dem Tod ein Leben in ungeteilter Fülle. An Jesus hat es sich als erstem vollzogen, wir können darauf vertrauen, dass wir ihm folgen werden.

Die Bibel kennt ein sehr schönes Bild für das, was nach unserem Tod ist: Unsere Namen sind im Buch des Lebens aufgeschrieben. Unser Name unterscheidet uns von anderen, er macht uns unverwechselbar. So wie die Seele der letzte unverwechselbare und unverfügbare Kern eines jeden Menschen ist – bei Gott ist sie geborgen, Gott hebt sie in ihrer Einzigartigkeit auf.

So begründet Ostern eine große Ermutigung für eine Zukunft jenseits des Todes bei Gott. Und zugleich ist es eine Erinnerung für heute: Lasst uns Acht haben auf unsere Seele! Unser Leben gelingt, wenn wir unserer Seele Raum zur Entwicklung geben und sie gut pflegen. Denn unsere Seele ist auch gefährdet. Wir können sie beschädigen oder sogar verlieren. Aber in der Liebe, in unseren Beziehungen zu anderen, in Zeiten der Muße und Stille, in unserem Handeln, das nicht nur um uns selbst kreist, mit all diesem tun wir unser Seele gut. Im Leben wie im Glauben kommt es auf Seel-Sorge an, an uns selbst und an anderen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und fröhliches Osterfest, das Ihrer Seele gut tut.

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy