Zwei Sportler aus Niedersachsen bei den Paralympics in Südkorea - Pastor hofft auf "sauberen" Sport

Nachricht 09. März 2018
Der evangelische Pastor Christian Bode begleitet das deutsche Team zu den Paralympics. (Archivbild) Bild: epd-bild

Hannover. Zwei Sportler aus Niedersachsen gehen bei den Paralympischen Winterspielen, die an diesem Freitag in Südkorea beginnen, an den Start. Sportminister Boris Pistorius (SPD) wünschte den Athleten Thomas Nolte (33) und Steffen Lehmker (29) viel Glück und Erfolg bei den Wettkämpfen in Pyeongchang. Die herausragenden Erfolge bei den Winterspielen im Februar im Biathlon und Eishockey hätten bewiesen, dass Niedersachsen auch als Wintersportland nicht zu unterschätzen sei, sagte Pistorius am Donnerstag in Hannover: "Es wäre natürlich schön, wenn wir uns in den kommenden Tagen auch über paralympische Medaillen freuen könnten."

Thomas Nolte aus Räbke im Landkreis Helmstedt ist den Angaben zufolge bereits zum dritten Mal bei den Paralympischen Winterspielen dabei. Der querschnittgelähmte Sportler vom MTV Braunschweig wird in Pyeongchang an den Ski-Alpin-Wettbewerben teilnehmen. Steffen Lehmker vom WSV Clausthal-Zellerfeld ist erstmals dabei. Er wird im Skilanglauf und Biathlon starten.

In Pyeongchang gehen insgesamt 20 deutsche Athleten an den Start. Sie starten im Ski Alpin, Ski Nordisch und Rollstuhlcurling. Insgesamt werden 670 Athleten teilnehmen.

Der Paralympics-Seelsorger Christian Bode erwartet angesichts der an diesem Freitag beginnenden Winterspiele, dass die teilnehmenden Athleten auf illegale Leistungsförderung verzichten. "Ich hoffe, wir bleiben bei einem sauberen Sport, denn letztendlich geht es ja um Glaubwürdigkeit", sagte der evangelische Theologe aus dem niedersächsischen Holzminden dem Evangelischen Pressedienst (epd). Umso tragischer sei es, dass nach dem großen mutmaßlichen Betrugsskandal bei den vorigen Winterspielen im russischen Sotschi in diesem Jahr erneut zwei russische Olympia-Starter positiv auf Doping getestet worden seien.

Bode reist als einziger Seelsorger der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu den Paralympischen Winterspielen, die bis zum 18. März dauern, ins südkoreanische Pyeongchang. Gemeinsam mit einem Kollegen der katholischen Kirche wird Bode das deutsche paralympische Team mit 20 Athleten und rund 50 Betreuern begleiten. Insgesamt treten bei den Spielen rund 670 Athleten in 80 Wettkämpfen an.

Angesichts eines gestiegenen Leistungsdrucks und einer zunehmenden Professionalisierung im Behindertensport könnte auch dort die Verführung groß sein, zu illegalen Methoden zu greifen, sagte Bode, der seit 2012 die paralympischen Spiele als Seelsorger begleitet. Wie auch schon bei den vorangegangenen olympischen Winterspielen dürfen bei den Paralympics nur ausgewählte russische Sportler unter neutraler Flagge antreten. Dies sei im Sinne der Sportler eine faire Lösung, sagte Bode. Denn es dürfe nicht eine ganze Generation unter Generalverdacht gestellt werden. Bei den Sommerspielen im brasilianischen Rio de Janeiro hatte das paralympische Komitee noch alle russischen Sportler aufgrund eines offenbar staatlich gelenkten Doping-Systems ausgeschlossen.

Bode, der am Sonntag gemeinsam mit der Mannschaft von Frankfurt/Main in das mehr als 8.000 Kilometer entfernte Südkorea geflogen war, will vor allem als Ansprechpartner an den Wettkampfstätten präsent sein. Auch bei den Team- und Mannschaftsbesprechungen sei er dabei. Natürlich richte sich dabei Blick der Sportler auf die Wettkämpfe, sagte Bode: "Aber es schwingt immer noch so viel anders mit, was man vielleicht nicht dem Trainer anvertraut." So gebe es beispielsweise Sportler, die kurz vor den Wettkämpfen einen Angehörigen verloren hätten und die nun ohne dessen Unterstützung starten müssten.

Gemeinsam mit seinem Kollegen werde er vor Ort auch Gottesdienste und Andachten organisieren, sagte Bode. Jeden Morgen will er außerdem an interessierte Sportler und Team-Mitglieder einen religiösen Impuls per SMS, WhatsApp oder Mail verschicken. Auch eine 24-seitige Broschüre unter dem Titel "Mittendrin" haben die Seelsorger im Gepäck. Im kleinen Format könnte dieses "geistliche Trainingsheft" auch zu den Wettkampfstätten mitgenommen werden. Kurze Texte zu Themen wie Sieg oder Niederlagen regten zu kurzen Pausen der Besinnung an.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen