Militärbischof begrüßt Ausweitung der Bundeswehreinsätze

Nachricht 09. März 2018
rink_sigurd_militaerbischof
Sigurd Rink, evangelischer Militärbischof. Bild: Rolf Zöllner/epd-bild 

Wilhelmshaven. Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink hat die von der Bundesregierung geplanten Ausweitungen der Auslandseinsätze der Bundeswehr begrüßt. Bei den Einsätzen in Afghanistan oder in Mali gehe es vor allem um die Ausbildung der Sicherheitskräfte in den Einsatzgebieten, sagte er am Mittwoch in Wilhelmshaven im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ziel sei es, den Aufbau eines Staatswesens wieder zu ermöglichen: "Das kann die Bundeswehr leisten."

Das Bundeskabinett hat am Mitwoch die Verlängerung von insgesamt sechs Bundeswehreinsätzen mit derzeit rund 2.600 Soldaten beschlossen. Dazu gehören die Missionen in Mali und Afghanistan sowie der Kampf gegen den IS im Irak und in Syrien. Die Zustimmung des Bundestages dafür gilt Medienberichten zufolge als sicher.

Rink sagte, in den vergangenen Jahren habe es in der deutschen Politik einen deutlichen Schwenk gegeben. Es gehe viel weniger um Kampfeinsätze als um "Trainingseinsätze". Dadurch solle die Ausbildung der heimischen Sicherheitskräfte in den Ländern gefördert und unterstützt werden. "Das ist eine Art der Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Sicherheitskräfte."

Gerade Mali und Afghanistan seien sehr fragile Staaten, die über keine stabilen Institutionen mehr verfügten. Die Frage sei, wie eine Zivilgesellschaft wieder aufgebaut werden könne, wie sie in Deutschland selbstverständlich sei: "mit einem Schulwesen, einer funktionierenden Polizeiarbeit und einem Politikbereich". Das passiere nicht von selbst. "Das ist Basisarbeit, das muss von ganz unten wieder aufgebaut werden."

"Das Militär allein kann keinen Frieden schaffen, aber die Möglichkeit für einen friedlichen Wiederaufbau erwirken", sagte Rink. Die Bundeswehr habe die Kompetenz, um die Sicherheitskräfte dieser Länder auszubilden. Denn die hätten es nicht nur mit islamistischen Kräften zu tun, "sondern in einem ganz großen Maßstab auch mit bewaffneter und organisierter Kriminalität". Um jedoch überhaupt eine Polizeiarbeit unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen leisten zu können, brauche es gut ausgebildete Streitkräfte.

Der internationale militärische Einsatz gegen den damaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi habe gezeigt, was passieren könne, wenn es keinen Plan für den Wiederaufbau der Gesellschaft gebe, unterstrich Rink. Libyen und Mali hätten sich zu Drehscheiben des internationalen Drogenhandels und des Geschäfts mit dem Transfer von Flüchtlingen entwickelt. Dies gelte es zu unterbinden.

Er habe bei seinen Besuchen in den Einsatzgebieten den Eindruck gewonnen, dass die Soldatinnen und Soldaten von den Kommandierenden bis hin zu den Mannschaftsgraden hinter den Einsätzen stünden, sagte der oberste Militärseelsorger. "Die haben ihren Verstand nicht Zuhause gelassen." Natürlich werde immer wieder nach der Sinnhaftigkeit der Einsätze gefragt. Doch je besser die Männer und Frauen informiert seien, desto größer sei ihr Engagement.

Kritik übten die Soldatinnen und Soldaten vor allem an Problemen mit der Ausrüstung, sagte Rink. "Diese Männer und Frauen riskieren im Auftrag des Bundestags als Volksvertretung unter widrigen Umständen ihr Leben. Da muss einfach alles funktionieren."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen