Wohnungsunternehmen wollen Obdachlosen mehr Wohnungen vermitteln - Hilfsverbände unterstützen während Mietverhältnis

Nachricht 29. Januar 2018
Obdachloser
Hannovers Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes hat dazu aufgerufen, bei den eisigen Temperaturen auf obdachlose Menschen zu achten. Laut Müller-Brandes haben in Hannover bis zu 4.000 Menschen keinen festen Wohnsitz (Symbolbild). Bild: Rolf Zöllner/epd-Bild

Hannover. Wohnungslose haben zukünftig bessere Möglichkeiten, eine Mietwohnung in Hannover zu bekommen. Vier Wohnungsunternehmen unterzeichneten dazu am Freitag in Hannover einen Kooperationsvertrag mit Trägern der Wohnungslosenhilfe. "Ohne solche Kooperationen hätten die Wohnungslosen keine Chance auf eine Wohnung. Sie sind die letzten in der Schlange", erläuterte Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes am Rande der Unterzeichnung. Bereits im Frühjahr 2016 hatten drei andere Unternehmen aus der niedersächsischen Landeshauptstadt die Vereinbarung unterschrieben.

Die Kooperation sehe vor, dass die beteiligten Sozialinitiativen sowie die Hilfswerke Diakonie und Caritas der Wohnungswirtschaft geeignete Mieter unter den Wohnungslosen vorschlagen. Die Unternehmen vermitteln den Wohnungslosen nach Kennenlerngesprächen dann Wohnungen an der Schlange der anderen Bewerber vorbei. Zudem garantierten die Hilfsinitiativen Unterstützungsleistungen für die neuen Mieter, wenn diese Probleme im Wohnhaus bekommen sollten. Die Mieten würden von den Jobcentern bezahlt. "Wir kümmern uns darum, dass die Zahlung erfolgen", betonte Müller-Brandes.

Jürgen Schabram von der Sozialen Wohnraumhilfe (SWH) sagte, aus der bisherigen Kooperation seien in den vergangenen zwei Jahren 19 Mietverträge hervorgegangen. Dabei habe es bislang keine negativen Vorfälle gegeben. Für 14 weitere Kandidaten suchten die Wohnungsunternehmen derzeit geeignete Wohnungen. Insgesamt hätten die Hilfseinrichtungen bisher 52 Wohnungslose vorgeschlagen, zehn seien von der Wohnungswirtschaft abgelehnt worden. "Wenn die Betroffenen in ihre neue Wohnung kommen, dann ist das ein absoluter Neuanfang", unterstrich Schabram. "Das ist für sie wie ein Geschenk Gottes."

Karl Heinz Range vom Unternehmen KSG Hannover sagte, er sei sehr erschrocken über die Zunahme der Wohnungslosigkeit in Deutschland. "Wir müssen uns dem stellen." Frank Werserbe von der Lehrter Wohnungsbau GmbH erklärte, dass schon "reguläre Mieter am Wohnungsmarkt unglaublich zu kämpfen haben". Jeder könne sich vorstellen, wie chancenlos da erst Wohnungslose seien.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen