Evangelischer Fachverband gegen bundeseinheitliche Kita-Finanzierung - Bundesvereinigung warnt vor Verdrängungswettbewerb

Nachricht 26. Januar 2018
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Zarah Katharina Bruns spielt mit den Kindern in der Kita Marienhagen. (Symbolbild) Bild: Ralf Neite

Bremen. Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder lehnt eine bundeseinheitliche Finanzierungsregelung für die Kitas in Deutschland ab. Sie werde der vielfältigen Struktur der Kindertagesbetreuung in Städten und Gemeinden nicht gerecht, warnte der Vorsitzende des Fachverbandes, der Bremer Carsten Schlepper, im Gespräch mit dem epd. Der Paritätische Gesamtverband hatte kürzlich die künftige Bundesregierung aufgefordert, per Gesetz einheitliche und transparente Finanzierungsregelungen für alle Kitas zu schaffen.

Nur so lasse sich überall die gleiche Betreuungsqualität sicherstellen, argumentierte der Paritätische. Schlepper setzt dem entgegen, kurzfristige vom Bund erlassene Regelungen gefährdeten funktionierende Strukturen vor Ort. Wenn überhaupt, könnten sie erst in mehrjährigen Übergangsphasen umgesetzt werden.

Der Paritätische legte ein Konzept vor, das auf einer sogenannten Entgeltfinanzierung der Kindertagesstätten beruht: Vertraglich abgesichert sollte es dabei für die Einrichtungen aller Träger gleiche Entgelte geben. Bei diesem Modell würden Eigenanteile der Kita-Träger, die es derzeit in ganz unterschiedlicher Höhe gibt, wegfallen. Der Paritätische setzt darauf, dass auf diese Weise transparent und besser als bisher Kitas auskömmlich finanziert werden können.

Bislang sei es den Ländern freigestellt, ob sie auf Grundlage von Entgelten oder Zuwendungen mit Eigenanteilen zahlten, sagte Schlepper. So sollte es seiner Einschätzung nach auch bleiben.

Es sei zwar richtig, dass die Gelder für Kitas von Ländern und Kommunen längst nicht immer auskömmlich seien. Dabei komme es aber nicht so sehr auf die Systematik der Finanzierung nach Zuwendungen oder Entgelten an. "Wichtiger ist vielmehr, dass vor Ort mit allen Anbietern der Kindertagesbetreuung eine einvernehmlich abgestimmte Basis zur Finanzierung gefunden wird, die den unterschiedlichen Trägerstrukturen gerecht wird."

Schlepper sieht auch die Gefahr, dass durch eine Umstellung auf Entgelte der Bereich der frühen Bildung weiter als bisher kommerzialisiert wird. "Ein freier Markt birgt die Gefahr, dass private Anbieter mit Gewinnausrichtung zunehmen, für die die Kindertagesbetreuung ein Geschäftsmodell ist." Investorenmodelle könnten gemeinnützige Anbieter verdrängen. Kostenträger müssten im Entgeltsystem bei Ausschreibungen für eine neue Kita dem preiswertesten Anbieter den Zuschlag erteilen. Viel wichtiger für die Eltern sei aber eine Vielfalt pädagogischer Konzepte.

Der Kita-Experte plädiert stattdessen dafür, auf Grundlage der bisher zwischen Bund und Ländern ausgehandelten Eckpunkte zur Qualitätsentwicklung in den Kitas eine transparente, gerechte und auskömmliche Finanzierung sicherzustellen. Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist der Fachverband der Diakonie für frühe Bildung. Er vertritt die Interessen von bundesweit 9.200 Einrichtungen mit mehr als 100.000 Fachkräften und 560.000 Kita-Plätzen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen