Diakoniechef warnt vor Arbeitsverdichtung in der Krankenpflege

Nachricht 12. Januar 2018

Hannover. Der neue niedersächsische Diakoniechef Hans-Joachim Lenke fordert mehr Personal in der Krankenpflege. Weil die Menschen zumeist nur noch kurze Zeit im Krankenhaus blieben, hätten die Pflegekräfte es fast ausschließlich mit schwer kranken Patienten mit einem hohen Betreuungsbedarf zu tun, sagte Lenke im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Das führt zu einer erheblichen Arbeitsverdichtung und einer Veränderung des Berufsbildes."

Außerdem verlangte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen eine höhere gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe. "Pflege hat oft noch damit zu kämpfen, dass sie nicht für so wertvoll angesehen wird, wie sie faktisch ist." Zum Behandlungserfolg trügen die Pflegerinnen und Pfleger genauso bei wie die Ärzte.

Lenke war vor seinem Dienstantritt in Hannover zum Jahresbeginn Geschäftsführer eines Diakonie-Klinikums im württembergischen Schwäbisch Hall. Dort habe eine Befragung der Mitarbeiter ergeben, dass bis zu 90 Prozent der Pflegekräfte ihre Tätigkeit als sinnstiftend ansähen, sagte er. Dabei sei es für sie wichtig, den Menschen wirklich beistehen zu können. "Dazu gehört es zum Beispiel, jemanden im Sterben begleiten zu können. Das ist heute allerdings kaum noch möglich." Wenn dafür aber die Zeit fehle, nehme die Arbeitszufriedenheit ab.

Auch um dringend benötigte Nachwuchskräfte in der Pflege zu finden, sei es deshalb nötig, mehr zu investieren, sagte Lenke. Die Arbeitsbedingungen trügen weit mehr zur Arbeitszufriedenheit bei als die Bezahlung. Der Wert der Pflegeberufe dürfe nicht allein in Sonntagsreden herausgestellt werden.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen