Bischof kritisiert geplantes Schlachten an Weihnachten

Nachricht 08. Dezember 2017
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Landesbischof Ralf Meister. Bild: Jens Schulze

Hannover/Cloppenburg. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die an Weihnachten geplanten Schlachtarbeiten in zwei Fleischbetrieben im Landkreis Cloppenburg kritisiert. Er könne die Entscheidung, den Betrieb am Zweiten Weihnachtsfeiertag zu erlauben, "nicht nachvollziehen", sagte Meister am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Bischof ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Unterdessen begrüßten Gewerkschafter, dass sich auch die CDU-Landtagsfraktion gegen den Schlachtbetrieb an Weihnachten ausgesprochen hat.

Zwei Schlachthöfe hatten beim Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg die Arbeit am 26. Dezember beantragt, einer erhielt bislang eine Ausnahmegenehmigung. Die Unternehmen begründen ihren Antrag damit, sie wollten dem Handel und den Verbrauchern Fleisch zu den marktüblichen Frische- und Qualitätsstandards liefern.

Meister sagte, die Feiertagsruhe sei klar gesetzlich geregelt, und er sehe keine Notwendigkeit, in diesen Fällen Ausnahmen zu machen: "Weihnachten unterbricht unseren Alltag, lässt uns innehalten und das ist gerade angesichts der steigenden Arbeitsverdichtung ein hohes Gut."

Der Bischof erinnerte daran, dass in der biblischen Weihnachtsgeschichte mit den Hirten Menschen eine wichtige Rolle spielten, deren harte Arbeit zu ihrer Zeit nicht wertgeschätzt wurde. Wenn jetzt durch die Ausnahmegenehmigung Menschen um einen Teil ihres Weihnachtsfestes gebracht würden, die heute unter schwierigen Bedingungen mit geringer Bezahlung ihre Arbeit täten, widerspreche das der biblischen Botschaft.

Gegen das Schlachten an Weihnachten will am 10. Dezember ein Bündnis aus Parteien, Kirchen und Gewerkschaften vor einem der beiden Betriebe demonstrieren. Nach Angaben des Bündnisses könnten bis zu 750 Beschäftigte von der Feiertagsarbeit betroffen sein.

Auch die CDU-Landtagsfraktion hatte sich gegen den Schlachtbetrieb am Zweiten Weihnachtstag ausgesprochen. Das zeige, dass sich das Entsetzen durch alle gesellschaftlichen Kreise ziehe und die Pläne in der Landesregierung keine Mehrheit fänden, sagte Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in der Region Oldenburg/Ostfriesland.

Er hoffe, dass das Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg die beantragte Arbeitsgenehmigung für den Vion-Schlachthoff in Emstek ablehne und die bereits ausgesprochene Zusage für den Cloppenburger Schlachthof Wernke zurückziehe. "Wir gehen nicht davon aus, dass die Unternehmen auf die Weihnachtsschlachtung freiwillig verzichten werden." Die Grünen wollen mit einer parlamentarischen Anfrage klären, warum die Gewerbeaufsicht das Schlachten erlaubt hat.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen