Landeskirche begrüßt Schulversuch für Fach "Werte und Normen"

Nachricht 04. Dezember 2017
Rolf Bade. Bild: Jens Schulze

Hannover. Die hannoversche Landeskirche begrüßt den aktuellen Schulversuch des Landes Niedersachsen zum Fach "Werte und Normen" an Grundschulen. Dieser Versuch entspreche der Religionsfreiheit, sagte der Schulexperte Rolf Bade am Freitag vor dem evangelischen Kirchenparlament in Hannover als Vorsitzender des Bildungsausschusses. Wer sich vom Religionsunterricht abmelde, sei stattdessen verpflichtet, am Unterricht in Werte und Normen teilzunehmen. Dass Schüler stattdessen eine Freistunde hätten, widerspreche dem Bildungsauftrag der Schule.

Das Land Niedersachsen erprobt das Fach seit Beginn des laufenden Schuljahrs an mehreren Grundschulen. Bislang wurde "Werte und Normen" als Alternative zum Fach Religion erst ab der fünften Klasse angeboten. Nach einer Statistik des Kultusministeriums, die Bade der Synode vorlegte, nahmen im Schuljahr 2015/16 rund 75 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen an einem christlichen Religionsunterricht teil. Das belege den "hohen Zuspruch" zu dem Fach. Das konfessionsfreie Fach "Werte und Normen" wählten etwa 19 Prozent.

Nach Angaben von Bade fällt der Religionsunterricht an vielen öffentlichen Schule allerdings aus Mangel an Religionslehrern sehr häufig aus. Vor diesem Hintergrund sei es weiterhin notwendig, außerhalb der gymnasialen Oberstufe den Unterricht von fachfremden Lehrkräften erteilen zu lassen. Die Landessynode beschloss einstimmig, die notwendige kirchliche Bestätigung dafür auf drei Jahre zu befristen. Die Lehrkräfte müssen zudem an religionspädagogischen Fortbildungen teilnehmen.

"Die Schulen dürfen nicht aus ihrer Pflicht entlassen werden, qualifizierte Religionspädagogen einzustellen", sagte Bade. Das Provisorium dürfe nicht zum Dauerzustand werden. Bade dankte zugleich den Lehrern, die bereit seien, Religion fachfremd zu unterrichten. "Es ist besser, Religionsunterricht fachfremd zu erteilen, als ihn gar nicht zu erteilen", betonte er. Wenn der Religionsunterricht an einer Schule erst einmal für längere Zeit ausgefallen sei, sei es sehr schwierig, ihn wieder zur Geltung zu bringen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen