Kock: Soziales Engagement Vermächtnis der Reformation

Nachricht 20. September 2017

Stade. Den Einsatz für sozial benachteiligte Menschen und einen Bildungsauftrag sieht der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock (81), als wesentliche Impulse der Wittenberger Reformation. Die Kirche müsse ihre Stimme erheben, wenn der Staat den Schwachen nicht gerecht werde, sagte Kock am Montagabend in Stade. Der frühere rheinische Präses äußerte sich in einem Vortrag auf Einladung der Landschaft der Herzogtümer Bremen und Verden zum Vermächtnis Martin Luthers (1483-1546) für Kirche und Gesellschaft heute.

Luthers Postulat von der Freiheit eines Christenmenschen bedeute zugleich solidarisches Handeln in der Gesellschaft und "einen selbstverständlichen Dienst am Nächsten", betonte Kock und fügte hinzu: "Die evangelische Kirche muss da eine klare Position beziehen, indem sie Beten und Tun verbindet."

Kock ermutigte insbesondere die Kirchengemeinden, mit ihrer Arbeit beispielsweise im Konfirmandenunterricht und in den Kindertagesstätten, ihren Bildungsauftrag noch aktiver wahrzunehmen. Angesicht einer abnehmenden Bindekraft der Kirchen "brauchen wir eine Alphabetisierung der Glaubensüberlieferung".

Luther verdankten die Menschen die Wiederentdeckung eines Glaubens, der in die Freiheit führe, ergänzte Kock. Mit seiner sprachschöpfenden Bibelübersetzung habe er überdies bis heute spürbar Entscheidendes zur Fortentwicklung der deutschen Sprache geleistet. Ähnlich beschrieb er den Einfluss des Reformators auf eine Demokratisierung des Glaubens.

Aktuell sieht Kock die Kirche insbesondere in fünf Bereichen gefordert. Sie müsse gottesdienstlich, diakonisch, spirituell-seelsorgerlich und mit Bildungsangeboten präsent sein. Auch politisch sei sie gefragt, um sich beispielsweise für gewaltfreie Lösungen in Konflikten und gegen die Herrschaft des Mammons und einer Vergewaltigung der Natur einzusetzen.

Die evangelische Kirche feiert noch bis Ende Oktober und auch darüber hinaus 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen