Ex-Ministerpräsidentin Lieberknecht sieht Kirche nicht als politischen Ratgeber

Nachricht 18. September 2017

Loccum/Kr. Nienburg. Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat die Kirche davor gewarnt, der Politik allzu oft zu empfehlen, wie sie vorgehen sollte. "Ich finde, da überhebt sich Kirche", sagte Lieberknecht bei einer Tagung in der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg, die am Sonnabend zu Ende ging. Glaube heiße, sich einzumischen. Aber es gebe "nur ganz wenige Fragen", bei denen die Kirche gut beraten sei, konkrete politische Empfehlungen auszusprechen.

"Ich denke, Kirche hat eine große Kompetenz in der Schärfung unserer Gewissen, in der Schärfung von Maßstäben, in der Zielsetzung und auch Visionenbeschreibung von Politik", führte die Christdemokratin aus. Die Kirche ist nach ihrer Auffassung "ganz klar ein Sinngeber in einer pluralen Gesellschaft - nicht der einzige, aber nach wie vor ein ganz wichtiger." Lieberknecht äußerte sich bei einer Tagung zur Rolle von Kirchenvertretern in politikberatenden Gremien.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sagte bei dieser Gelegenheit, Politiker könnten fundamentale Fragen unserer Gesellschaft zu Frieden, Gerechtigkeit und zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen nicht alleine lösen. "Es ist meines Erachtens eine Fehleinschätzung, zu glauben, dass Religion völlig unpolitisch sein könnte. Man muss sich nur die historische Gestalt Jesu Christi angucken. Er war jemand, der sich mit den politischen Fragen seiner Zeit intensiv befasst hat."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen