"Armut nicht hinnehmen - Landwirte zeichnen düsteres Bild der Agrarwirtschaft"

Nachricht 13. September 2017

Stade. Der Stader Regionalbischof Hans Christian Brandy hat dazu aufgerufen, die Augen nicht vor der Armut in Deutschland zu verschließen. "Ich erlebe es bei meinen Besuchen im Kirchenkreis Bremerhaven, wie gerade Kinder immer stärker von Armut bedroht sind - das können wir als eine so wohlhabende Gesellschaft nicht hinnehmen", sagte Brandy am Montag. Auch auf dem Lande gebe es Armut, die aber oft eher versteckt und verschämt sei.

"Heute scheint es wichtig, Armut wahrzunehmen und die Grenzen von Scham und Verstecken zu überwinden", ergänzte Brandy. Dazu benötigten Menschen in Not Wertschätzung und Interesse. "Für Christen gehörten schon immer der Dank an Gott für empfangene Gaben und konkrete Hilfe für den Nächsten zusammen", betonte der leitende evangelische Theologe mit Blick auf das Erntedankfest Anfang Oktober.

Brandy hatte sich in der vergangenen Woche mit Vertretern des Landvolkes getroffenen, um über die Situation auf den Höfen zu sprechen. Dabei sagte der Vorsitzende des Landvolks im Bezirk Stade, Johann Knabbe, die Stimmung im Elbe-Weser-Raum sei sorgenvoll. "Bei einer Befragung durch die Fachschule Agrarwirtschaft in Bremervörde gaben lediglich 38 Prozent der Landwirte an, für ihren Betrieb eine reelle Zukunftsperspektive zu sehen. Das ist ein düsteres Bild."

Aktuelle Zahlen zur Agrarstruktur in Niedersachsen belegen Knabbe zufolge, dass von insgesamt gut 38.000 Betrieben in den vergangenen drei Jahren annähernd 3.000 aufgegeben wurden. Grund dafür sei oftmals, dass es keinen Hofnachfolger gebe, auch wenn die Ausbildungssituation für Landwirte gut sei.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen