"Ohne Buchdruck wäre Luther nicht erfolgreich gewesen"

Nachricht 04. Juli 2017
Christian von Stern, Inhaber der von Stern’schen Druckerei, sowie Landessuperintendent Rathing und von Stern-Geschäftsführer Andreas Jörß sprechen über den Papierbedarf der Landeszeitung für die Lüneburger Heide. (Foto Merten)

Lüneburg. Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing hat die Bedeutung des Bibeldrucks für die Verbreitung der Reformation betont. "Ohne die Erfindung des Buchdrucks wäre Martin Luther vor 500 Jahren nicht so erfolgreich gewesen", sagte er am letzten Freitag zum Abschluss eines einwöchigen Praktikums in der von Stern'schen Druckerei in Lüneburg. "Die Tradition, in der wir heute als reformatorische Kirche stehen, hat auch eine weltliche Seite. Die hat sie hier gehabt." Die nach Firmenangaben älteste im Familienbesitz befindliche Druckerei der Welt hat ihr Ursprünge im Bibeldruck.

Seit sechs Jahren absolviert Rathing jährlich ein einwöchiges Betriebspraktikum. So war er bereits in einer Autowerkstatt der Diakonie in Gifhorn tätig, reinigte Toilettenanlagen auf einem Campingplatz oder backte Brötchen in einer Wolfsburger Großbäckerei. Der Kontakt zur Arbeitswelt helfe ihm, berufstätige Menschen besser zu verstehen und auch in seinen Reden geerdet zu bleiben, erläuterte der Theologe. Zum 500. Jubiläum der Reformation habe er sich dazu die Druckerei ausgewählt, deren wichtigstes Geschäftsfeld im 17. Jahrhundert der Bibeldruck war. Von der Taschenbibel bis zu aufwendigen Exemplaren sei schon damals die Produktion am Publikum orientiert gewesen.

Geschäftsführer Andreas Jörß erläuterte, zwischen 1614 und 1820 habe die Verbreitung von Bibeln für die Druckerei eine große Rolle gespielt. "Wirtschaftlich war das sehr erfolgreich und begründete die Tatsache, dass wir heute noch existieren." Von Stern'sche Bibeln seien bis nach Skandinavien, Estland und in den Süden Deutschlands verbreitet gewesen. Abgelöst wurde der Bibeldruck in Lüneburg nach seinen Worten von Zeitungsdruck, der bis heute das Hauptgeschäft sei.

Rathing betonte, die Tradition des Hauses sei auch heute bei den Mitarbeitern noch sehr präsent. Bei seinem Praktikum lernte er von der Auftragsannahme und Kalkulation über die Druckvorstufe und den Druck einer Nachtausgabe der "Hamburger Morgenpost" verschiedene Bereiche kennen. Beeindruckt habe ihn dabei vor allem die große Genauigkeit und präzise Abstimmung der Abläufe, berichtete er.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen